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Turbulente Zeiten für Klebstoffe

Auf der Jahresversammlung des Industrieverbands Klebstoffe (IVK), die vom 11. bis 13. Juni in Dresden stattfand, wurde deutlich: Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Von Vanessa Bauersachs

Die diesjährige Jahresversammlung des Industrieverband Klebstoffe fand vom 11. bis 13. Juni in Dresden statt.
Die diesjährige Jahresversammlung des Industrieverband Klebstoffe fand vom 11. bis 13. Juni in Dresden statt. Bildquellen: Mattoff -stock.adobe.com; rawku5- stock.adobe.com; privat

Die Klebstoffindustrie habe es derzeit mit einem „turbulenten Markt“ zu tun, „der auch turbulent bleiben wird“, betonte Dr. Kathrin Hein (Henkel), Vorstandsvorsitzende des IVK. Die Branche stehe aktuell vor schwierigen Rahmenbedingungen – darunter die angespannte wirtschaftliche Lage und der sich weiter verschärfende Fachkräftemangel. Hinzu komme auch eine wachsende globale Unsicherheit durch die volatile geopolitische Lage sowie die US-Zölle.

Eine Umfrage innerhalb des Verbandes ergab, dass die meisten Mitglieder eine leichte Verbesserung der Geschäftslage und der Auftragseingänge beschreiben und leichte Verschlechterungen von Umsatz in der Zukunft erwarten.

Ein Lichtblick für die Branche zeigte sich in der Verfügbarkeit von Rohstoffen. Hein sprach von weiterer Entspannung in den Lieferketten, sowie von nachlassenden Rohstoffpreisen, die sich historisch gesehen jedoch weiterhin auf hohem Niveau befänden. Auch Ilaria Brillarelli (Wacker) hob in ihrer Analyse der Rohstofflage hervor, dass es bei den meisten Rohstoffen keine Engpässe gebe und die Rückmeldungen überwiegend positiv seien.

Regularien und Branchenimage im Fokus

In ihrer Auftaktrede sprach Hein auch von einer  „Regulierungswut der Europäischen Kommission“ – ein Sentiment, das mehrere Redner:innen im Verlauf der Versammlung aufgriffen. Kristel Ons von der FEICA, dem Verband der europäischen Klebstoff- und Dichtstoffindustrie, sprach von einer hohen regulatorischen Belastung für die Branche. „Als der Green Deal vor ein paar Jahren ins Leben gerufen wurde, sahen wir eine Lawine an Regulierungen auf uns zukommen“, so Ons. „Uns wurde bewusst, dass Klebstoffe und Dichtstoffe keinen besonders guten Ruf haben. In den meisten Fällen sind wir gar nicht bekannt, und in den aktuellen Regulierungen werden wir aus einer negativen Perspektive heraus erwähnt.“

Dies betonte auch Dr. Michael Frank (Henkel), Vorsitzender des Technischen Arbeitskreis des IVK auf. Er verglich die aktuelle regulatorische Lage mit heftigen Regengüssen. Besonders im Fokus ständen derzeit die REACH-Verordnung, die Verpackungsverordnung, die Ökodesignverordnung und die Kreislaufwirtschaft.

Ein Ansatz um das Image der Branche zu verbessern ist eine neue Kampagne mit dem Arbeitstitel „Stabil“. Hier plant der IVK eine groß angelegte und langfristige öffentlichkeitswirksame Kampagne. Diese soll die oft auch unsichtbare Leistung von Klebstoffen sichtbar machen, die Innovationskraft der Branche mit Geschichten emotional erzählen und so diese der Öffentlichkeit näherbringen. Dabei möchte der Verband bewusst nicht nur ein Fachpublikum ansprechen, sondern auch die breite Öffentlichkeit erreichen – von derzeitigen bis zukünftigen politischen Entscheidungsträger:innen über Journalist:innen bis hin zu potenziellen Bewerber:innen.

Personelles und nächstes Event

Im Rahmen der Tagung wurde außerdem Dr. Boris Tasche, der 13 Jahre Vorstandsvorsitzender des IVK war, die Verdienstmedaille der deutschen Klebstoffindustrie verliehen und mit der Ehrenmitgliedschaft im Verband geehrt. Außerdem wurde Martin Glöckner in die Geschäftsführung des Verbandes berufen.

Die nächste Jahresversammlung des IVK wird vom 27. bis 29. Mai im Hyperion Hotel in Hamburg stattfinden.

Buchtipp

Das Buch „Formulierung von Kleb- und Dichtstoffen“ von Bodo Müller und Walter Rath vermittelt anhand von Grundlagen, Formulierungshinweise sowie Analysen bestehender Rezepte. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Zusammensetzung und Bestandteile der verschiedenen Klebstoffarten, deren chemische Strukturen und funktionellen Gruppen. Die daraus resultierenden Eigenschaften werden sowohl für die Endanwendung als auch für die Applikation der Systeme abgeleitet.