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VSLF-Generalversammlung: Branche sieht sich unter wachsendem Druck
Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Farben- und Lackindustrie kamen am 21. Mai in Bern zur Generalversammlung des VSLF zusammen. Im Mittelpunkt standen zunehmender Regulierungsdruck, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Frage, wie sich die Branche in einem schwierigen Umfeld behaupten kann. Von Damir Gagro.
Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen bleiben für die Schweizer Farben- und Lackindustrie herausfordernd. Entsprechend geprägt war die Generalversammlung des Verbands der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie (VSLF) in Bern von Diskussionen über Regulierung, Energieversorgung, Rohstoffmärkte und internationale Unsicherheiten.

VSLF-Präsident Philipp Bosshard machte in seiner Ansprache deutlich, dass die Unternehmen derzeit mit einer Vielzahl paralleler Belastungen konfrontiert seien. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Anforderungen aus Politik und Verwaltung träfen die Industrie zunehmend gleichzeitig. Dabei betonte Bosshard insbesondere die Bedeutung einer starken gemeinsamen Interessenvertretung. Einzelne Unternehmen könnten sich politisch nur schwer Gehör verschaffen, während eine geeinte Branchenstimme deutlich mehr Wirkung entfalte. Zugleich kritisierte Bosshard die zunehmende Bürokratisierung. Obwohl politisch häufig von Entlastung gesprochen werde, steige der regulatorische Druck auf die Unternehmen weiter an. Es gehe der Branche dabei nicht um eine generelle Ablehnung von Regulierung, sondern um sachgerechte und praktikable Lösungen. Bosshard warnte zudem davor, in unsicheren Zeiten reflexartig mit zusätzlichen Einschränkungen zu reagieren. Innovation und wirtschaftlicher Fortschritt seien ohne unternehmerisches Risiko nicht möglich. Trotz der angespannten Lage zeigte er sich insgesamt optimistisch. Die Branche befinde sich aktuell eher auf einem „holprigen Holzweg“ als auf einer „asphaltierten Autobahn“ – dennoch könnten gerade in schwierigen Phasen neue Chancen und Potenziale entstehen.
PFAS, Druckfarben und internationale Zusammenarbeit
Geschäftsführer Matthias Baumberger ging in seinem Bericht auf die zentralen regulatorischen Themen ein, die die Branche derzeit beschäftigen. Besonders die Diskussionen um PFAS-Regulierungen werden die Unternehmen nach Einschätzung des Verbands noch langfristig begleiten. Entscheidend sei dabei eine differenzierte Umsetzung, die industrielle Anwendungen ausreichend berücksichtige.
Ein weiteres wichtiges Thema bleibt die sogenannte Swiss Ink Ordinance für Druckfarben. Hier habe der Verband konkrete Fortschritte erzielen können. Baumberger hob hervor, dass dies insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband EuPIA erreicht worden sei. Überhaupt gewinne die internationale Vernetzung zunehmend an Bedeutung. Entwicklungen in einzelnen Märkten hätten immer häufiger direkte Auswirkungen auf andere Länder. Der Austausch mit europäischen Organisationen und Verbänden sei deshalb essenziell, um die Interessen der Branche wirksam vertreten zu können. Auch die Reduktion von VOC-Gehalten sowie die schwieriger werdende Versicherbarkeit von Industrieunternehmen beschäftigen die Unternehmen weiterhin. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die angespannte Lage auf den Energie- und Rohstoffmärkten.
Energieversorgung und Rohstoffpreise sorgen für Unsicherheit
In den Gesprächen mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass viele Unternehmen die aktuelle Entwicklung bei Rohstoffen und Energie mit Sorge beobachten. Insbesondere bei Lösemitteln zeichnen sich nach Einschätzung mehrerer Branchenvertreter mögliche Engpässe ab. Gleichzeitig belasten steigende Preise und volatile Märkte die Unternehmen zunehmend. Kritisch diskutiert wurde zudem die Energieversorgung der Industrie. Für die Sommermonate stehen mögliche Rationierungen beziehungsweise Kontingentierungen im Raum, die zusätzliche Auswirkungen auf die Produktion haben könnten. Viele Unternehmen sehen darin ein weiteres Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts. Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema. Nach Einschätzung des Verbands fehlen bei vielen Berufseinsteigern zunehmend grundlegende Kompetenzen in sprachlichen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Der VSLF baut deshalb seine Aktivitäten im Bereich Nachwuchsförderung weiter aus, unter anderem gemeinsam mit der Schule für Farbe und Gestaltung Stuttgart.
Vorstand bestätigt und Nachwuchs ausgezeichnet

Im Rahmen der Generalversammlung wurde der bestehende Vorstand für weitere zwei Jahre bestätigt. Neu in das Gremium gewählt wurde Daniel Toppel, der auf den in den ausgeschiedenen Jörg Müller folgt. Mit dem VSLF-Förderpreis zeichnete der Verband zudem erneut junge Talente der Branche aus. Ausgezeichnet wurden Elise Vossah von der ITECH Lyon, Marvin Guth von der Hochschule Esslingen sowie Valerie Wolf von der Schule für Farbe und Gestaltung Stuttgart.
Die Stimmung unter den rund 50 Teilnehmenden war von spürbarer Anspannung geprägt, gleichzeitig aber auch von intensivem Austausch und dem gemeinsamen Willen, Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu finden. Deutlich wurde dabei vor allem eines: In einem zunehmend komplexen Umfeld gewinnt eine geschlossene Interessenvertretung für die Branche weiter an Bedeutung.