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Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung bei Beschichtungen
Die Beschichtungsindustrie befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Weltweit stehen Hersteller vor der Herausforderung, eine komplexe Gleichung zu lösen: Sie müssen steigende Erwartungen an Leistung und Nachhaltigkeit erfüllen, sich an volatile Lieferketten anpassen, Innovationen beschleunigen und Kunden unterstützen, die unter zunehmendem Produktivitätsdruck stehen. Von David Bem, Senior Vice President, Science & Technology und Chief Technology Officer, PPG Industries
Bei PPG sehen wir diese Dynamiken nicht als Hindernisse, sondern als Katalysatoren. Diese Phase des raschen Wandels bietet die Chance, neu zu denken, wie Beschichtungen und Beschichtungssysteme entwickelt, bereitgestellt und eingesetzt werden – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Dose. Eine der größten Herausforderungen für Beschichtungshersteller besteht heute darin, dass Kunden mehr denn je erwarten. Sie erwarten, dass ihre jeweilige Aufgabe produktiv, einfach und in hoher Qualität erledigt werden kann.
Ganz gleich, ob ein Automobilhersteller den Energieverbrauch in der Lackiererei senken möchte, ein Getränkeunternehmen seine Verpackungen an regulatorische Anforderungen anpassen muss oder ein Handwerksbetrieb mit zunehmend strengeren Umweltvorschriften und Fachkräftemangel konfrontiert ist: Unsere Branche muss Lösungen liefern, die Produktivität steigern, Abfälle reduzieren und die Nachhaltigkeit verbessern, ohne dabei Kompromisse bei der Leistung einzugehen. Das hat die Art und Weise, wie Hersteller innovieren sollten, grundlegend verändert. Es reicht nicht mehr aus, lediglich Beschichtungstechnologie bereitzustellen. Wir müssen die zu erledigende Aufgabe vereinfachen und Prozesse, Werkzeuge sowie digitale Workflows anbieten, die Kunden dabei helfen, Beschichtungen effizienter und konsistenter aufzutragen.
Herausforderungen auf dem Rohstoffmarkt
Gleichzeitig muss die Branche weiterhin mit unvorhersehbaren Rohstoffmärkten umgehen. Verfügbarkeit und Preise von Harzen, Pigmenten, Lösungsmitteln und Additiven schwanken häufig infolge globaler Nachfragezyklen, geopolitischer Entwicklungen, logistischer Engpässe und des beschleunigten Übergangs zu kohlenstoffärmeren Materialien. Parallel dazu verändert sich das regulatorische Umfeld weltweit schneller als je zuvor. Diese Volatilität wirkt sich unmittelbar auf die F&E-Strategie aus. Sie verlangt von uns, Beschichtungen zu formulieren, die mit einer breiteren Palette an Einsatzstoffen hergestellt werden können, oder neue chemische Zusammensetzungen einzubeziehen, die die Abhängigkeit von besonders anfälligen Rohstoffen verringern. Wenn sich Marktbedingungen ändern, müssen F&E-Teams in der Lage sein, Rezepturen schnell anzupassen. So lässt sich die Versorgungssicherheit für Kunden gewährleisten, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Bei PPG investieren wir in Materialwissenschaften, Polymersynthese und Engineering-Kompetenzen, um solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und als Chancen zu nutzen.
Rohstofftrends
Mit Blick auf die Zukunft werden mehrere Rohstofftrends die Beschichtungslandschaft nachhaltig verändern. Der Trend zu kohlenstoffärmeren, biobasierten und kreislauffähigen Materialien wird sich weiter beschleunigen – insbesondere, da Regulierungsbehörden weltweit die Anforderungen an VOC-Emissionen, gefährliche Stoffe und Lebenszyklusauswirkungen verschärfen. Wasserbasierte Technologien, biobasierte Harze, recycelte Polymere und neue Katalysatorsysteme werden zunehmend das Fundament künftiger Formulierungen bilden. Mit der wachsenden Verbreitung dieser Materialien eröffnen sich neue Möglichkeiten, Beschichtungen gezielt auf Leistungsmerkmale wie kürzere Aushärtezeiten, verbesserten Korrosionsschutz, geringere Dichte zur Gewichtsreduzierung und höhere Haltbarkeit auszulegen.
Doch neue Materialien allein werden die Branche nicht schnell genug voranbringen. Die technische Komplexität nimmt zu, die Kundenerwartungen steigen und die Produktlebenszyklen werden kürzer. Um Innovationen in der vom Markt geforderten Geschwindigkeit voranzutreiben, muss unsere Branche neu darüber nachdenken, wie sie Technologien entdeckt, entwickelt und skaliert. Genau hier spielt die digitale Transformation eine entscheidende Rolle.
Digitale Werkzeuge gewinnen an Bedeutung
Jahrzehntelang beruhte die Entwicklung von Rezepturen stark auf physischer Erprobung – ein zeit- und ressourcenintensiver Prozess. Heute ermöglichen uns digitale Werkzeuge wie Machine-Learning-Modelle und digitale Zwillinge, schneller zu lernen. Bei PPG helfen digitale Zwillinge für Rezepturen Wissenschaftlern dabei, die vielversprechendsten chemischen Zusammensetzungen einzugrenzen, bevor sie überhaupt ins Labor gelangen. Dadurch sinkt die Zahl der nötigen Iterationen, um ein kommerziell tragfähiges Produkt zu entwickeln. Diese Werkzeuge ersetzen physische Tests nicht, verbessern deren Effizienz jedoch erheblich. Unsere Teams können ihr Fachwissen heute mit datenbasierten Erkenntnissen verbinden, Entdeckungen beschleunigen und bessere Ergebnisse für Kunden erzielen.
Mehr als nur die Beschichtung
Innovation reicht zudem weit über die Beschichtung selbst hinaus. Immer häufiger entsteht Wert durch Anwendungstechnologien, automatisierte Systeme, robotergestützte und KI-unterstützte Workflows sowie digitale Ökosysteme, die die Nutzung und Applikation von Beschichtungen vereinfachen. Bereiche wie vereinfachte digitale Designwerkzeuge senken den Arbeitsaufwand und Energieverbrauch, minimieren Abfälle und erhöhen die Gesamtproduktivität – alles Faktoren, die für Kunden einen entscheidenden Mehrwert darstellen. Ob oversprayfreie Beschichtungssysteme zur Verbesserung der Auftragswirkungsgrade, Niedrigtemperatur-Aushärtungsprozesse zur Senkung des Energieverbrauchs in Automobilwerken oder digitale Plattformen für die Reparaturlackierung, die Technikern pro Auftrag mehrere Stunden Arbeit ersparen: Diese Entwicklungen zeigen, wie groß das Potenzial ist, die gesamte Customer Journey neu zu gestalten.
Nachhaltigkeit als zentraler Treiber
Schließlich bleibt Nachhaltigkeit ein wesentlicher Treiber und ein integraler Bestandteil dieser Arbeit. Kunden stehen unter erheblichem Druck, ihren Energieverbrauch und ihre Emissionen zu senken sowie Umweltstandards einzuhalten. Beschichtungen können sie dabei auf einzigartige Weise unterstützen. Ob durch Niedrigtemperatur- und erweitere Einbrenn-Elektrotauchlacktechnologien, die den Energieverbrauch von Öfen reduzieren, präzise Applikationssysteme zur Abfallvermeidung, auf Elektrofahrzeuge zugeschnittene Brandschutzbeschichtungen oder biobasierte Architekturfarben zur Verbesserung der Innenraumluftqualität: Beschichtungen können Leistung und Umweltbilanz erheblich verbessern.
Mit Blick auf die Zukunft liegt die größte Chance für unsere Branche im Zusammenspiel fortschrittlicher Materialien, digitaler Erkenntnisse und nachhaltigkeitsorientierter Entwicklung. Die Unternehmen, die die nächste Ära der Beschichtungen prägen werden, sind jene, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette innovieren, eng mit ihren Kunden zusammenarbeiten und die Kraft von Daten nutzen, um Entscheidungen zu beschleunigen. Bei PPG setzen wir uns dafür ein, diese Zukunft zu gestalten – mit jedem Durchbruch, jeder Zusammenarbeit und jedem Kundenerfolg.