Nachrichten Köpfe & Karrieren

Porträt: Veränderung als Chance

Jan Ostendorf ist seit 2015 Mitglied der Geschäftsführung von J.W.Ostendorf. Die Erfahrungen aus Familienunternehmen, Konzern und Private-Equity möchte er nicht missen. Nach der wiedergewonnenen Eigenständigkeit vor ca. anderthalb Jahren blickt er positiv in die Zukunft. Porträt von Silke Karl

Im Porträt: Jan Ostendorf, Mitglied der Geschäftsführung von J.W.Ostendorf
Im Porträt: Jan Ostendorf, Mitglied der Geschäftsführung von J.W.Ostendorf Quelle: J.W.Ostendorf

Sein Weg zum Geschäftsführer ist Jan Ostendorf sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden. „Es war immer der Wunsch unserer Eltern, dass mein Bruder und ich das Familienunternehmen übernehmen würden“, sagt der gebürtige Coesfelder. Schon sehr früh stand für ihn selbst fest, dass er eine wichtige Rolle im Unternehmen spielen wollte. Auch dass seine Eltern die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben nicht strikt zogen, trug sicher dazu bei. „Das Unternehmen spielt bereits seit unserer Kindheit eine bedeutsame Rolle in unserem Leben. Schon in jungen Jahren war es für uns selbstverständlich, unsere Eltern zu Geschäftsterminen zu begleiten“, erklärt der 41-Jährige.

Im Unternehmen groß geworden

Er selbst bezeichnet sich als traditionelles Eigengewächs, welches im Unternehmen groß geworden ist. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass er einmal seinem Vater als Geschäftsführer nachfolgen wollte, entschied sich Jan Ostendorf für ein BWL-Studium direkt nach seinem Schulabschluss. Dass er nicht noch in einem anderen Unternehmen Erfahrungen gesammelt hat wie sein Bruder, war eine bewusste Entscheidung: „Ich fing nach meinem Studiumsabschluss als Assistent der Geschäftsführung an. Nach der Einarbeitung habe ich mehr und mehr Verantwortung übernehmen dürfen, um in 2015 die Geschäftsführung für den Bereich Vertrieb und Marketing zu übernehmen.“ Dass seine Eltern ihm so sehr vertrauten, rechnet er ihnen hoch an.

In die ganz eigenen Regeln von Familienunternehmen fand er sich schnell ein. Seine empathische Art und offene Persönlichkeit halfen ihm dabei, dass die Mitarbeitenden nicht nur den Sohn des Geschäftsführers in ihm sahen. Dies spielte insbesondere eine bedeutsame Rolle, als die Familie sich 2018 entschied, ihr Lebenswerk an einen Konzern zu verkaufen. „Die Konsequenz, mit der meine Eltern sich aus dem Unternehmen zurückgezogen und mir und meinem Bruder die Ve antwortung übertragen haben, bedeutet mir bis heute sehr viel“, erklärt Ostendorf. Insbesondere die Möglichkeiten, die sich ihm während dieser Zeit als Teil des Konzerns eröffnet haben, und die Erfahrungen, die er gesammelt hat, möchte er nicht missen: „Es war eine äußerst spannende  Reise. Ich  hatte die Möglichkeit, die Strukturen eines internationalen  Konzerns kennenzulernen, neue Geschäftsbereiche wie Marine und Protective Coatings zu entdecken und mich persönlich enorm weiterzuentwickeln.“

Zurück in die Eigenständigkeit

Seit August 2024 gehört J.W. Ostendorf der Private- Equity-Gesellschaft Fidelium Partners an. Für Jan Ostendorf bedeutete der Schritt weg vom Konzern zurück in die unternehmerische Eigenständig eine spannende und zugleich herausfordernde Veränderung: „Hierbei ist unser Führungsteam bestehend aus überwiegend langjährigen Wegbegleitern zu nennen sowie Phillip  Wagner, der als erfahrener Manager und Gesellschaftervertreter die Geschäftsführung menschlich wie fachlich perfekt ergänzt hat. Die Konsequenz und Geschwindigkeit, die wir jetzt gelernt haben, war entscheidender Faktor für unseren wirtschaftlichen Turnaround.“

Die Mitarbeitenden und das Zusammenarbeiten liegen ihm sehr am Herzen. Ohne sie wäre eins seiner Hauptaugenmerke, die Optimierung des Unternehmens, nicht zu stemmen. Dabei setzt er auf Transparenz und darauf, dass sich jeder Mitarbeitende als aktiver Gestalter sieht.

Auch eine gute Fehlerkultur ist für den 41-Jährigen unabdingbar. Wirklich ruhig liegt ihm überhaupt nicht. Auch das wirkt motivierend auf ihn: „Wir wollen immer weiter. Es wird nicht ruhig werden.“ Er hat sichtlich Spaß an seiner Tätigkeit: „Man muss auch miteinander lachen können. Mir ist es wichtig, dass Arbeit als sinnstiftend erlebt wird und dass wir jeden Tag mit einem positiven Mindset starten.“

Jan Ostendorf sieht Veränderung als Chance und fordert seine Mitarbeitenden zur Eigenverantwortung auf. Er regt an, Erfahrungen aus der Vergangenheit zum Anlass zu nehmen, daraus zu lernen und sich darauf zu konzentrieren, was man in Zukunft optimieren könnte: „Jeder Mitarbeitende hat aus meiner Sicht tagtäglich die Chance diesen Veränderungsprozess aktiv zu gestalten.“

Mischung aus Hektik und Ruhe

Ruhig trifft auch im Privaten nicht immer auf Jan Ostendorf zu, zumindest für die meisten seiner Hobbys: „Ich mag die Geschwindigkeit.“ So fährt er gerne Ski oder ist beim Rennsport mit dem Auto schnell unterwegs. Gleichzeitig genießt er als Jäger aber auch die Ruhe der Natur. Da passt es gut, dass er mit seiner Familie in einem sehr naturbezogenen Ort wohnt. Seine Familie liegt ihm sehr am Herzen, sie gibt ihm die Kraft für seinen teilweise sehr hektischen beruflichen Alltag: „Ich lege privat großen Wert auf emotionale Stabilität und die gibt mir meine Familie“, erklärt der Coesfelder. Seine Frau ist ihm eine sehr wichtige Stütze und hält ihm den Rücken frei: „Diese Tatsache gerät oft ins Hintertreffen. Aber ohne sie würde es so nicht gehen“, betont er. Er ist darauf bedacht, dass sich alle Familienmitglieder wohlfühlen: „Das Wissen, dass es ihnen gut geht, gibt mir innere Ruhe und Zufriedenheit“, erzählt der 41-Jährige.