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Porträt: Zurück, wo das Herz schlägt

Zum dritten Mal ist Tim Kröger zur Peter Lacke Group zurückgekehrt – diesmal als CTO im neu geschaffenen Executive Board des Lackherstellers. Ein Gespräch über Heimat, globale Steuerung, KI und darüber, warum für ihn Aufgaben irgendwann „zu Ende“ sind. Porträt von Kirsten Wrede

Im Porträt: Tim Kröger, CTO von Peter Lacke.
Im Porträt: Tim Kröger, CTO von Peter Lacke. Quelle: Peter Lacke

„Ich bin sogar das dritte Mal bei Peter Lacke – und hoffentlich das ­letzte Mal. Aber im positiven Sinne.“ Der Satz fällt früh im Gespräch. Der frisch gebackene CTO – im Februar 2026 hat er die neu ­geschaffene ­Rolle übernommen – ist ein heimatverbundener Mensch: „Es gibt ­familiär zwei Herzen in meiner Brust, das eine ist in Oldenburg, das andere hier in Herford.“ Seine Ausbildung absolvierte Kröger bei Relius in Oldenburg, seine Frau ist in der niedersächsischen Stadt geboren. Zugleich kennt er Peter ­Lacke, seit er ein kleines Kind war – Krögers Vater war dort jahrzehntelang in technisch leitender Funktion tätig. Das mittelständische Unternehmen entwickelt und produziert hochwertige Beschichtungssysteme, insbesondere für die Segmente Automotive, Lifestyle, Consumer Packaging und Aviation sowie spätestens seit der Akquisition der Firma Rickert auch das Segment Performance Coatings. Erst kürzlich wurde als klares Bekenntnis zum Standort eine neue Lagerhalle in Betrieb genommen und ein Anwendungszentrum für Consumer Packaging installiert, in dem Lösungen speziell für die Kosmetik- und Verpackungsindustrie entwickelt und sogar in Kleinserien getestet werden können.

Nach der Ausbildung kam Tim Kröger 2009 erstmals ins Herforder Headquarter und arbeitete zweieinhalb Jahre als Entwickler in einem kleinen Core-Team an Beschichtungen für Rotorblätter. Es folgten das Lackchemie-Studium an der Hochschule Niederrhein, eine Werkstudententätigkeit bei BASF und die Bachelorarbeit bei Adler-Werk Lackfabrik im ­österreichischen Schwaz. Eigentlich hatte er 2014 schon einen Vertrag mit einem anderen Lackhersteller für China in der Tasche – doch dann kam „in pragmatischer Peter Lacke-Art“: „Das machen Sie mal nicht, Sie gehen für uns in die USA.“ Mit 24 Jahren baute Tim Kröger den Standort in Troy, Michigan, von Grund auf mit auf: aus einem Shared Office entstand ein ­voll funktionsfähiger Produktionsstandort. „Wir haben in meiner Zeit vor Ort in drei Jahren wirklich ganz viel bewegt.“

Dass Kröger 2017 zurückging, war eine Familienentscheidung. Eine vergleichbare Aufgabe gab es bei Peter Lacke in Europa nicht und somit ging man getrennte Wege für den Moment – „keine Entscheidung gegen das Unternehmen, sondern den Rahmenbedingungen geschuldet“. Es folgten Jahre als Technical Director bei Monopol Colors in der Schweiz sowie als Technical Director bei Teknos in Liechtenstein, parallel studierte er an der TU München, der ETH Zürich und der Tsinghua University in Peking. 2022 wechselte der gebürtige Ostwestfale zu Büfa Composite Systems – raus aus der reinen Lackchemie, hin zu Faserverbundwerkstoffen. Vier erfüllende Jahre als Distribution/Sales Director mit einem „Spitzenklasseteam“ – und doch kam der Moment, den er aus jeder Station kennt: „Ich hatte das Gefühl, dass meine Aufgabe wieder zu Ende war.“

Neue Organisationsstruktur

Und es ging zurück zu Peter Lacke. Mit knapp über 800 Mitarbeitenden – fast eine Verdoppelung seit letztmaligem En­gage­ment – ist die Gruppe in eine Komplexität gewachsen, die über die klassische Mittelstandsstrukturen hinausgeht. Neue Segmente wie Wheels und Aviation sind hinzugekommen. „Das kann nicht mehr allein über den CEO oder lokale Arbeitskreise abgebildet werden. Am Ende brauchen Sie jemanden, der das zentrale Element ist. Es ist beeindruckend was die Kollegen im letzten Jahrzehnt hier aufgebaut haben und ich bin dankbar, Teil der Zukunft sein zu können.“ Die Antwort auf die neue Komplexität ist ein siebenköpfiges Executive Board mit Verantwortlichkeiten für die Bereiche Technologie, Operations, Sales, Finance, Purchase und HR. Kröger ist das neueste Mitglied und verantwortet als CTO global den Bereich Technologie im weitesten Sinne. Sein Job: den strategischen Rahmen setzen und die globale Per­spektive in die lokalen Aktivitäten einfließen lassen.

Zentrales Projekt der ersten Monate ist die Einführung eines globalen ­Laboratory Information Manage­ment Systems. Künftig laufen alle Entwicklungsprojekte auf einer Plattform. „In der Art und Weise, wie wir zukünftig Entwicklung betreiben wollen, ist das etwas komplett Neues.“ KI ist für Kröger kein Selbstzweck, sondern Notwendigkeit. Er sieht aber Bremsklötze: regulatorische Rahmenbedingungen und Mindset. „Wir tendieren dazu, die Dinge kaputtzureden, bevor wir damit arbeiten.“ In Asien und Nordamerika sei die Adaptionsrate spürbar höher – altersunabhängig. „KI ist nichts, das mich abschafft, sondern etwas, das meine Arbeit auf ein anderes Level heben kann, wenn ich es richtig nutze.“

Der Mensch hinter dem CTO

Tim Kröger lebt mit Frau und zwei Jungen (vier und fünf Jahre) in Oldenburg. Dass seine Rolle global-strategisch angelegt ist, erleichtert das Pendeln: „Solange ich einen Flughafen in der Nähe habe, sind wir gut aufgestellt. Zudem ist der Weg ins HQ nicht weit.“ Im Headquarter gilt zudem: „Das Herz der Gruppe schlägt schon hier.“ Seine Freizeit gehört der Familie. Er trainiert ehrenamtlich die G-Jugend – „die Pampers-Liga“, in der auch seine beiden Jungs mitmachen – und spielt selbst noch in einer Alt-Herren-Mannschaft Fußball. Aber auch Zeit zu zweit ist ihm wichtig: Mit seiner Frau nutzt er regelmäßig Abende in Theater und Restaurant. Dazu kommt die große Familie mit mehreren Geschwistern.

Wichtig findet er auch den Austausch mit anderen Expert:innen aus der Branche. So engagiert er sich bei EC Formulate+ Circle, einem neuen, von Vincentz Network kuratierten, Netzwerk für erfahrene Formulierer:innen und R&D-Führungskräfte. In diesem Kreis tauscht er sich mit internationalen Branchenkolleg:innen über aktuelle Herausforderungen z.B. in den Bereichen Rohstoffe, Regulatorik und Innovation unter Kostendruck aus. Arbeit mache ihm Spaß, betont Tim Kröger, „aber ich habe für mich gelernt, dass es auch mal etwas anderes braucht.“