Nachrichten Köpfe & Karrieren Nachrichten
Porträt: Neugierig bleiben
Verbindende Rollen in einer verbindenden Industrie – Dr. Kathrin Hein sucht bewusst die Schnittstellen zwischen Technik und Wirtschaft. Als Corporate Vice President Consumer Goods EIMEA bei Henkel und seit vergangenem Jahr auch als Vorstandsvorsitzende des Industrieverbands Klebstoffe nimmt sie diese Rolle wahr und folgt dabei stets ihrer Neugier. Porträt von Vanessa Bauersachs
Schon seit ihrer Kindheit hat Kathrin Hein ein Faible für technische Zusammenhänge. „Ich habe mir immer Lego Technik gewünscht – Puppen waren nicht so mein Ding“, erzählt sie mit einem Lachen. Schnell setzt sich ihr naturwissenschaftliches Interesse immer stärker durch und sie entscheidet sich nach dem Abitur für ein Studium in Bio Process Engineering an der Universität Bayreuth. „Das war genau die richtige Wahl.“ Einen Teil ihrer Studienzeit verbringt sie im australischen Adelaide. „Als neugieriger Mensch wollte ich war schon immer die Welt kennenlernen. Es hat Spaß gemacht, den Lifestyle ‚Down Under‘ zu erleben und zu lernen, nicht alles so ernst zu nehmen, wie das in Deutschland oft der Fall ist“, erinnert sie sich. Nach dem Diplom beginnt Hein eine Promotion im Bereich Chemieingenieurwesen in Kooperation mit einem Nanotech Start-up. „Dort habe ich verstanden, dass man für ein erfolgreiches Geschäft nicht nur die Technik beherrschen muss, sondern auch das richtige Geschäftsmodell und eine überzeugende Strategie haben muss.“ So wird wiederum ihre Neugier geweckt und es folgt nach der Promotion der Schritt zur Boston Consulting Group in Zürich. „Ich ha[1]be dort in Projekten für Versicherungen bis hin zu Consumer Electronics Herstellern erfahren, wie erfolgreiche Strategien und Geschäftsmodelle gestaltet werden – eine hervorragende Vorbereitung auf alles, was später kam“, erklärt sie.
Anschließend wechselt Hein zur BASF, wo sie zunächst als Innovation Scout arbeitet und neue Technologien und deren Potenzial für Kommerzialisierung bewertet. Bald darauf kommt sie mit der Lack-Welt in Berührung, als sie in die Dispersions and Pigments Division wechselt und Strategien für Harze und Additive für Klebstoffe und Beschichtungen erstellt. Ein besonderer Karriereschritt folgt mit der Entsendung nach Hongkong, wo Hein dazu beiträgt, ein neues Headquarter des Bereichs in Asien aufzubauen. „Meine Kollegen und ich waren der Brückenkopf zwischen Ludwigshafen und dem neuen Headquarter in Hongkong“, erinnert sie sich. „Das war eine tolle Zeit voller Aufbruchsstimmung, in der ich verschiedene asiatische Kulturen kennen und schätzen gelernt habe.“
Wechsel zu Henkel
Zurück in Deutschland übernimmt Kathrin Hein die Leitung der Strate[1]gieeinheit bei BASF Coatings in Münster, gefolgt von der Position als Vice President Marketing und Portfolio Management im Bereich Rohstoffe für die Konsumgüterindustrie. 2020 kommt das Angebot, zu Henkel zu wechseln und das Marketing für das Industrieklebstoffgeschäft zu leiten. Für sie ein attraktiver Schritt in Richtung Anwendung und Endkunden. „Die Chemie mit den Kolleg:innen bei Henkel hat einfach gestimmt.“ Auch heute schätzt sie die gelebte Teamkultur im Unternehmen. Seit ihrem Einstieg bei Henkel hat Hein verschiedene Geschäftsbereiche geleitet, vom globalen Klebstoffgeschäft für Möbel und Bauelemente bis hin zu ihrem heutigen Verantwortungsbereich Konsumgüterklebstoffe Europa und Middle East. „Klebstoff steckt in fast allen Produkten unseres Alltags – es macht mich stolz, wenn ich unsere Lösungen beim Kunden im Einsatz sehe.“ Mit einem Lachen fügt sie hinzu: „Und ich mag die ‘Sendung mit der Maus’-Elemente in meinem Job – zu sehen, wie Dinge entstehen, und hinter die Kulissen zu schauen.“ Für die Rolle bei Henkel ist die gebürtige Fränkin mit ihrem Mann vor drei Jahren nach Düsseldorf gezogen und schätzt die rheinische Kultur. „Die Menschen sind hier sehr offen, was das Ankommen leicht macht. Und auch die Umgebung von Düsseldorf gefällt Hein sehr.
Während beruflich viele Fernreisen anstehen, setzt sie privat auf Ausgleich bewegt sich am liebsten in der Natur. Vor einigen Jahren hat sie das Motorradfahren für sich entdeckt. „Es fordert die volle Aufmerksamkeit und bringt mich sofort auf andere Gedanken.“ Oft führen ihre Touren ins Bergische Land – kurze Auszeiten vom dichten Terminkalender.
Vorstandsvorsitzende über Nacht
Seit letztem Jahr ist Kathrin Hein Vorsitzende des Vorstands des Industrieverbands Klebstoffe (IVK). Als sie gefragt wird, ob sie Henkel im IVK-Vorstand vertreten möchte, war das für sie eine ganz neue Herausforderung und zugleich eine hervorragende Möglichkeit, sich für den nachhaltigen Erfolg der Klebstoffindustrie in Deutschland zu engagieren. „Dass ich kurz nach meinem Eintritt in den Vorstand zur Vorsitzenden gewählt wurde, sehe ich als Vertrauensbeweis. Ein großer Auftrag, meine Erfahrung entlang der Wertschöpfungskette zum Wohl der Klebstoffindustrie einzubringen.“
Ihren Posten versteht sie vor allem als Moderatorin: „Ich möchte Diskussionen anregen und auch einmal Etabliertes in Frage stellen, so dass wir im Vorstand die richtigen Schwerpunkte für den Erfolg unserer Mitgliedsunternehmen setzen.“ Zentrale Themen, die die Vorstandsvorsitzende besonders beschäftigen, sind die Herausforderungen durch Regulatorik und den Fachkräftemangel sowie die Chancen, die sich aus der Nachhaltigkeit ergeben. „Nachhaltigkeit ist Chance und Risiko zugleich, letzteres, wenn sie falsch verstanden wird“, betont sie. „Klebstoffe sind Teil der Lösung – sie ermöglichen Ressourceneffizienz. Das immer wieder deutlich zu machen und klar zu kommunizieren, ist enorm wichtig.“