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125 Jahre VdL: Zwischen Krisenmodus und Zukunftsoptimismus

Die diesjährige Mitgliederversammlung des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) war ein besonderes Ereignis: Zum 125-jährigen Bestehen kehrte die Branche an ihren Gründungsort Berlin zurück. Doch gefeiert wurde nicht nur die Geschichte – im Zentrum standen die Herausforderungen der Gegenwart und die gemeinsame Entschlossenheit, diese aktiv anzugehen. Von Damir Gagro

125 Jahre VdL: Bei der Mitgliederversammlung 2025 in Berlin kamen Vertreterinnen und Vertreter der Lack- und Druckfarbenbranche zum Austausch zusammen. Quelle: VdL

Die feierliche Kulisse des Jubiläums bildete den Rahmen für eine Versammlung, die von Nachdenklichkeit ebenso geprägt war wie von Entschlossenheit. VdL-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Kanert eröffnete die Tagung am 23. Mai vor rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 72 Mitgliedsunternehmen. In seiner Ansprache sprach er von einer „Dauerkrise“, in der sich die Industrie seit Jahren bewege – ob Pandemie, Lieferkettenprobleme, geopolitische Unsicherheiten oder Inflation. Besonders die neuen Antidumpingzölle auf Titandioxid aus China, die schwierige Lage der Bauwirtschaft und die Belastungen durch hohe Energiepreise beschäftigen die Branche aktuell stark.

Ein konkretes Beispiel für erfolgreiches Engagement auf Verbandsebene betrifft die weiße Druckfarbe: Dank des intensiven Einsatzes der betroffenen Hersteller konnten hier Ausnahmeregelungen erreicht werden – die Zölle greifen in diesem Segment nicht. Dr. Kanert hob diesen Fall als positives Vorbild hervor, wie gezielte Interessenvertretung auf europäischer Ebene Wirkung entfalten kann.

Verband fordert schnelleren Bürokratieabbau 

Dennoch: Es gibt auch positive Signale. Aus der Politik mehren sich Hinweise auf mögliche Entlastungen, insbesondere beim Bürokratieabbau. Genau hier setzt der VdL an. Die ausufernden Verwaltungsanforderungen behindern aus Sicht des Verbands dringend nötige Innovationen – vor allem kleine und mittelständische Unternehmen geraten hier zunehmend unter Druck. Statt personelle und finanzielle Ressourcen für Bürokratie zu binden, müsse es wieder mehr Freiräume für unternehmerische Entwicklung geben.

Gleichzeitig wurde ein realistischer Blick auf die wirtschaftliche Lage nicht ausgespart: Für 2025 hat der Verband seine Prognosen weiter nach unten korrigiert – nach Stagnation in den Jahren 2023 und 2024. Im vergangenen Jahr produzierte die deutsche Lackindustrie rund 1,4 Mio. Tonnen Farben und Lacke im Wert von 5,9 Mrd. EUR. Große Herausforderungen bestehen weiterhin im Bausektor, wo eine deutlich höhere Bautätigkeit erforderlich wäre. Auch hier sei die Politik gefordert, aktiv gegenzusteuern. 

Engagement aus der Mitte – die Mitglieder als Motor 

Auf der Mitgliederversammlung rief VdL-Präsident Dr. Harald Borgholte eindringlich zur aktiven Mitgestaltung auf. Der Verband lebe vom Engagement seiner Mitglieder – und gerade in ungewissen Zeiten müsse man zusammenstehen. Die Kraft des Netzwerks wurde im Jubiläumsjahr besonders spürbar. Auch Vertreter internationaler Verbände wie CEPE und des World Coatings Council gratulierten vor Ort und unterstrichen die internationale Bedeutung des VdL.

Ein Impuls kam von Stephan-Götz Richter, Chefredakteur von The Globalist, der in seiner Rede die Frage aufwarf, ob Deutschland noch reformfähig sei. Aus seiner Sicht habe sich die Bürokratie von der politischen Steuerung entfernt – die Folgen: eine zunehmende Deindustrialisierung und Demoralisierung. Richter zitierte dabei das Handelsblatt mit den Worten: „Wenn die Wirtschaft scheitert, scheitert auch die Demokratie.“ Seine zentrale Botschaft: Ohne wirtschaftliches Wachstum seien auch soziale Leistungen nicht mehr tragfähig – neue politische Optionen seien deshalb dringend nötig. 

Klartext aus der Chemie – Appell an die Politik 

VCI-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Große-Entrup betonte in seinem Vortrag die Systemrelevanz der chemischen Industrie. Energiepreise auf Rekordniveau, hohe Steuerlasten und wachsende regulatorische Anforderungen gefährdeten den Standort Deutschland massiv. Zwar habe das erste Quartal 2025 noch stabile Zahlen geliefert, doch der weitere Ausblick sei trübe. Der Appell an die Politik: Jetzt müsse entschieden gehandelt werden – „Wir haben einen Schuss, und der muss sitzen.“

Der VdL kündigte konkrete Maßnahmen an, um besser auf künftige Risiken reagieren zu können. Unter anderem soll ein Frühwarnsystem für internationale Handelsentwicklungen etabliert werden. Gleichzeitig diskutierten die Teilnehmer neue Kommunikationswege, um die Branche in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Die Idee, „Influencer für Lacke“ einzusetzen, wurde als innovativer Ansatz genannt. Denn oft werde die Leistung von Farben und Lacken erst dann wahrgenommen, wenn etwas schiefläuft. Dabei sei es an der Zeit, auch die positiven Effekte wie Schutz, Langlebigkeit und Ästhetik proaktiv ins Rampenlicht zu rücken. 

125 Jahre und kein bisschen leise – Ausblick auf 2026 

Die Mitgliederversammlung 2025 war geprägt von konstruktivem Austausch und einem klaren Blick nach vorn. Auch wenn die Herausforderungen groß sind, wurde eines deutlich: Die Branche hat den Willen, sich nicht nur durch Krisen zu manövrieren, sondern auch Impulse zu setzen. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 6. und 7. Mai 2026 in Aachen.