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Von Thüringen an die Spitze der Lackindustrie: Dr. Harald Borgholte, BASF & VdL im Porträt

Mehrfach fällt das Wort glücklich im Gesprächwenn es um seine Frau geht, aber auch im Zusammenhang mit seinem beruflichen Werdegang. Dr. Harald Borgholte ist mit sich im Reinen. Und seine ausgeglichene Ausstrahlung ist ansteckend. Von Kirsten Wrede

Dr. Harald Borgholte, Präsident des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) und Vice President Coatings Innovation bei BASF, schätzt die Balance zwischen internationalen Projekten und seiner Heimat in Norddeutschland. Quelle: privat

Seit Mai 2024 ist der 61-Jährige Präsident des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL). Beruflich kann er mit einem beeindruckenden Titel aufwarten: Er ist Vice President Coatings Innovation, Divisional Technology Officer & Divisional Digital Officer bei BASF Coatings in Münster. Seit 34 Jahren ist er in der Branche unterwegs. 1991 war sein Start bei der BASF Coatings, direkt nach dem Studium der Chemie mit anschließender Promotion in Marburg.

Von Theologieplänen zur Chemiebranche

Zwar interessierte sich Borgholte schon immer für Naturwissenschaften, doch sein Berufswunsch sah ursprünglich etwas anders aus: Er wollte eigentlich evangelische Theologie studieren und mit Menschen arbeiten. Wer ihn im Umgang mit anderen erlebt, merkt schnell, dass eine seiner Stärken genau darin liegt: in der Kommunikation.

Letztlich hat er sich gegen ein Theologiestudium entschieden. Er hatte zunächst die Realschule und dann das Gymnasium besucht und hätte anschließend noch die „alten Sprachen“ lernen müssen. Aber auch nach dem Chemiestudium war ihm klar, dass er später nicht allein im Labor stehen, sondern mit anderen im Team arbeiten wollte. Einen Widerspruch sieht der Manager darin nicht: „Chemie findet ja nicht in einem rauchenden Labor statt.“

Karriereweg bei BASF Coatings

Dabei war es damals gar nicht so einfach, als junger Chemiker in der Industrie Fuß zu fassen. Rund 100 Bewerbungen habe er damals geschrieben, erinnert sich Borgholte. Doch schließlich klappte die Jobsuche, er zog von Marburg nach Münster und stieg bei der BASF ein. Dort hat er im Laufe der Jahre verschiedene Positionen durchlaufen, vom Laborleiter, Technology Manager über Business Development und Marketing bis hin zu seinem heutigen Aufgabengebiet Digitalisierung/ Nachhaltigkeit/ Forschung.

Ausgetretene Pfade sind seine Sache nicht: „Es hat mich immer begeistert, mich auf neue Themen einzulassen“, sagt der promovierte Chemiker. Gemeinsam mit Hochschulen neue Impulse und technologische Lösungen zu finden, um nachhaltige Produkte für die Autolackindustrie zu entwickeln, macht ihm Spaß.

Blick auf Zukunftsthemen und Branchenherausforderungen

Den Megatrend Künstliche Intelligenz sieht er als großes Thema an, das die Arbeitswelt verändern wird. Er empfindet KI aber auch als Chance, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Denn dieses Problem, auch in der Farben- und Lackbranche nur allzu bekannt, treibt ihn um. Hier habe der VdL bereits einige gute Initiativen gestartet, betont er.

In seinem Digitalisierungsteam ist er von jungen Mitarbeiter:innen umgeben, was er als große Bereicherung empfindet. Auch das Thema Weiterbildung zu digitalen Inhalten und Fertigkeiten gehört zu seinen Schwerpunkten.

Nachhaltigkeit als Leitmotiv

Bei allen Projekten stehen die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens für ihn an erster Stelle. Dabei geht es ihm nicht um Verbote, sondern darum, was getan werden kann, um durch nachhaltige Lösungen die Nachhaltigkeit unserer Industrie und Anwender zu verbessern.

Daneben engagiert sich der Wahl-Münsteraner auch schon seit vielen Jahren in Verbänden.

Engagement in Verbänden

Von 2000 bis 2020 war er Mitglied des europäischen Lackverbandes CEPE und arbeitete dort zunächst in der technischen Arbeitsgruppe der Autoreparaturlacke mit. Von 2017 bis 2020 war er CEPE-Präsident. Auch im VdL, dem er sich sehr verbunden fühlt, engagiert sich Borgholte schon seit vielen Jahren. Vorstandsmitglied ist er seit 2019. Als neuer VdL-Präsident sieht er sich großen Herausforderungen gegenüber. „Deutschland muss industriefreundlichere Rahmenbedingungen schaffen“, betont er. Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist einer seiner Antriebe. Hierfür sieht er sich beim VdL gut aufgehoben: „Gute Verbandsarbeit ist für mich eine starke Vertretung gegenüber der Politik und anderen Interessengruppen. „Es ist entscheidend, die Interessen der Industrie zu vertreten, aber auch den Mitgliedsunternehmen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man sich weiterentwickeln kann. Ich glaube, dass der VdL hier sehr stark aufgestellt ist.“

Andere Sichtweisen und Interessen verstehen, Dinge in Frage stellen, vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen finden – darum geht es dem VdL-Präsidenten. „Es lohnt sich, sich zu engagieren“, findet er. Die ehrenamtliche Tätigkeit macht ihm Freude, denn die Farben- und Lackbranche sei eine lebendige Industrie mit guten Arbeitgebern, die es zu erhalten gelte. Und außerdem ist er begeistert von der „Schönheit des Lacks“, wie er sagt.

Internationale Erfahrungen und Privatleben

Seine früheren Dienstreisen, insbesondere nach Südkorea und China, möchte Harald Borgholte nicht missen. Er fand es schon immer spannend, Menschen und ihre Kulturen kennen zu lernen. Dennoch ist er froh, dass er heute – bedingt durch die Digitalisierung und sein neues Aufgabenfeld – nicht mehr ganz so viel auf Achse sein muss. So hat er neben beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit auch Zeit für seine privaten Interessen.

Harald Borgholte hat seine Wurzeln in Nordhessen und Thüringen. Mit seiner Frau, die aus Norddeich stammt, teilt er die Liebe zum Meer. Gern verbringt das Paar, das seit 2012 verheiratet ist, seinen Urlaub an Nord- oder Ostsee. Borgholte kann sich auch vorstellen, später einmal mehr Zeit in der Heimat seiner Frau zu verbringen, Lebensmittelpunkt ist aber vorerst Münster, wo sich das Paar sehr wohl fühlt: „Münster ist eine schöne, lebenswerte Stadt mit einer offenen Atmosphäre.“

Persönliche Interessen

Borgholte ist ein Genussmensch, der gerne isst, gerne erzählt und es gesellig mag. Derzeit durch eine Verletzung etwas ausgebremst, treibt er gerne Sport. Schwimmen und Radfahren sind ihm dabei die liebsten Disziplinen. Außerdem beschäftigt er sich mit Geschichte und Philosophie, besucht Lesungen und Veranstaltungen, wenn es die Zeit erlaubt.

Da er beruflich nicht mehr ganz so viel unterwegs ist, hofft er, in Zukunft wieder mehr Zeit für ein weiteres Hobby zu haben: das Laienschauspiel.