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Wärmedämmende Farben unter der Lupe: VdL und VDPM warnen vor irreführenden Versprechen

Untersuchungen zeigen, dass sogenannte Energiesparfarben keine messbare Wärmedämmwirkung haben. Fachverbände und Experten fordern klare Prüfstandards, um Verbraucher vor unrealistischen Werbeversprechen zu schützen.

Die Untersuchung an der Universität Hannover zeigt: „Bauter Nano-Dämmung“ bietet keine messbare Wärmedämmwirkung. Quelle: VDPM

Die Werbung für „wärmedämmende Farben“ und „energiesparende Anstriche“ hat in den vergangenen Monaten wieder an Sichtbarkeit gewonnen. Hersteller versprechen weniger Heizkosten und einen Beitrag zum Klimaschutz. Doch eine wissenschaftliche Prüfung der Leibniz Universität Hannover, durchgeführt im Auftrag des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) und des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V. (VdL), widerlegt diese Behauptungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Energiesparfarben wie die „Bauter Nano-Dämmung“ zeigen keine messbare wärmedämmende Wirkung.

Die „Bauter Nano-Dämmung“, vermarktet von der Bauter Deutschland GmbH, besteht nach Herstellerangaben aus vakuumierten Polymer-Mikrokugeln, die Wärme reflektieren und die Wärmeleitfähigkeit des Anstrichs auf λ = 0,0000877 W/(m·K) reduzieren sollen. Dieser Wert ist jedoch unrealistisch, wie Dr. Ing. Ayman Bishara, Professor für Bauphysik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), betont: „Selbst die besten Vakuumisolationspaneele (VIP) erreichen nur Werte zwischen λ = 0,002 und 0,006 W/(m·K). Der von Bauter angegebene Wert liegt nahezu auf dem Niveau eines physikalischen Vakuums und ist für eine Beschichtung aus organischen Bindemitteln und Pigmenten nicht erreichbar.“

Wissenschaftlicher Nachweis: Keine Energieeinsparungen durch Energiesparfarben

In Klimakammer-Tests an der Leibniz Universität Hannover wurden Versuchskörper mit „Bauter Nano-Dämmung“, herkömmlicher Fassadenfarbe und klassischer Wärmedämmung aus EPS 032 (20 cm Dicke) verglichen. Dabei wurden die Energieverbräuche gemessen, die erforderlich sind, um eine konstante Innenraumtemperatur von 40 °C bei Außentemperaturen von 5 °C, 10 °C und 15 °C aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis: Die „Bauter Nano-Dämmung“ wies keine messbare wärmedämmende Wirkung auf und zeigte sich energetisch wirkungslos, ähnlich wie herkömmliche Fassadenfarbe. Lediglich die EPS-Dämmung erzielte eine signifikante Reduktion des Energieverbrauchs.

Die Verbände VDPM und VdL sehen die Ergebnisse als Bestätigung ihrer Verantwortung gegenüber Verbrauchern und Fachbetrieben. „Innovative Produkte müssen sich an objektiven Prüfstandards messen lassen“, so Antje Hannig, Geschäftsführerin des VDPM. Zudem betonen die Verbände, dass zur Berechnung des Energiebedarfs von Gebäuden ausschließlich nationale Bemessungswerte für Bauprodukte und Dämmstoffe genutzt werden dürfen.

Klare Standards für Verbraucherschutz

Die Studienergebnisse tragen dazu bei, irreführende Werbeversprechen zu entlarven und Verbraucher vor Fehlinvestitionen zu schützen. Der VDPM und der VdL haben ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht, das auf ihren Webseiten verfügbar ist. Die Verbände appellieren an die Politik, unseriöse Zuschüsse für vermeintliche Energiesparprodukte zu verhindern und klare Prüfstandards für Bauprodukte zu etablieren.