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„Wenn man etwas bewegen will, muss man mitmachen“, Rob Hilgers, Geschäftsführer von Siegwerk Schweiz im Interview

Rob Hilgers, Geschäftsführer von Siegwerk Schweiz, wurde kürzlich in den Vorstand des Verbands der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie (VSLF) gewählt. Im Interview mit FARBE UND LACK-Redakteurin Kirsten Wrede spricht er über regulatorische Herausforderungen der Branche, die Besonderheiten des Schweizer Marktes und die Zukunft der Druckfarben für Verpackungen.

Rob Hilgers, Geschäftsführer von Siegwerk Schweiz, ist neues Vorstandsmitglied des Verbands der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie (VSLF). Quelle: Siegwerk

Herr Hilgers, Sie wurden vor Kurzem in den Vorstand des Schweizer Verbands VSLF gewählt. Was hat Sie dazu bewogen, diese Position anzunehmen? 

Rob Hilgers: Als Geschäftsführer von Siegwerk Schweiz bin ich bereits seit mehreren Jahren im Geschäftsführerkreis des VSLF aktiv und mit den Themen und Herausforderungen des Verbands gut vertraut. Als sich nun die Gelegenheit ergab, in den Vorstand einzutreten, und ich gefragt wurde, ob ich mir diese Rolle vorstellen könnte, habe ich nicht lange gezögert. Ich bin überzeugt, dass Siegwerk als international aufgestellter Hersteller von Druckfarben und Lacken mit starker Präsenz in der Schweiz einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der Branche leisten kann. 

Für mich persönlich gilt der Grundsatz: Wer etwas bewegen will, muss sich aktiv einbringen. Die Vorstandsarbeit bietet genau diese Möglichkeit – nämlich nicht nur zuzuhören, sondern mitzugestalten. Mit der Erfahrung und dem Know-how, das ich aus meiner Tätigkeit bei Siegwerk mitbringe, möchte ich Impulse setzen und gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern die Zukunft der Schweizer Farb- und Lackindustrie mitgestalten. Es ist mir ein Anliegen, die Interessen der Branche zu vertreten, den Dialog zu fördern und den Verband als starke Stimme in einem sich wandelnden Marktumfeld weiter zu stärken. 

Haben Sie sich konkrete Ziele für Ihre Amtszeit vorgenommen? 

Hilgers: Für meine Amtszeit habe ich mir bislang noch keine festen, konkreten Ziele gesetzt. Dennoch gibt es Themen, die ich als besonders dringlich und richtungsweisend betrachte. An erster Stelle stehen dabei die zahlreichen regulatorischen Veränderungen, die unsere Branche aktuell und in den kommenden Jahren stark prägen werden. Die Anforderungen an Produktsicherheit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Konformität steigen kontinuierlich – sowohl auf europäischer Ebene als auch in nationalen Gesetzgebungen. Diese Entwicklungen betreffen nahezu alle Bereiche der Wertschöpfungskette und erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Behörden und Verbänden. 

In diesem Zusammenhang sehe ich eine zentrale Aufgabe des Verbands darin, seine Mitglieder frühzeitig, klar und verständlich über bevorstehende Änderungen zu informieren. Darüber hinaus ist es wichtig, praxisnahe Unterstützung bei der Umsetzung zu bieten – sei es durch Leitfäden, Schulungen oder den direkten Austausch mit Experten. Ziel muss es sein, die Branche nicht nur auf neue Anforderungen vorzubereiten, sondern sie auch aktiv dabei zu begleiten, diese effizient und zukunftsorientiert umzusetzen. Nur so können wir gemeinsam sicherstellen, dass unsere Industrie auch unter sich wandelnden Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig und innovationsstark bleibt. 

Welche regulatorischen Vorgaben sind derzeit besonders relevant? 

Hilgers: Derzeit sind mehrere regulatorische Vorgaben besonders relevant, insbesondere für Unternehmen, die im Bereich Verpackung, Druckfarben und Lebensmittelsicherheit tätig sind. Eine der zentralen Entwicklungen ist die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR – Verordnung (EU) 2025/40), die am 22. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Sie ersetzt die bisherige Richtlinie 94/62/EG und zielt auf eine europaweit einheitliche Regelung für Verpackungen ab. Die Verordnung fordert unter anderem verpflichtende Wiederverwendungsquoten, Designanforderungen zur Recyclingfähigkeit, Einschränkungen für bestimmte Verpackungsarten sowie eine verpflichtende Kennzeichnung und Dokumentation. Die Übergangsfrist beträgt 18 Monate, sodass viele Bestimmungen ab Mitte 2026 verbindlich werden. Bis 2030 müssen alle Verpackungen recycelbar sein und die Zielvorgaben für recycelten Inhalt erfüllen. Einhaltung der Design-for-Recycling-Kriterien (DfR) (veröffentlicht 2028) ist verpflichtend bis 2030. Ab 2030 gelten Wiederverwendungsziele, einschliesslich digitaler Kennzeichnungspflichten 

Ein weiterer zentraler Punkt ist die sogenannte German Ink Ordinance (GIO), die ab dem 1. Januar 2026 nach vierjähriger Übergangsfrist in Kraft tritt. Diese Verordnung bezieht nicht auf die Druckfarben selbst, sondern auf bedruckte Lebensmittelverpackungen – sowohl bei direktem als auch indirektem Lebensmittelkontakt. Sie enthält eine Positivliste zulässiger Stoffe, spezifische Migrationsgrenzwerte und schließt CMR-Stoffe (krebserregend, erbgutverändernd) aus. 
Damit ist die German Ink Ordinance weiterführend und restriktiver als andere seit Jahren angewandte Regularien in der Verpackungs- und Etikettendruckindustrie wie z. B. die «Swiss Ordinance 817.023.21».

Bei Siegwerk haben wir seither alles darangesetzt, unseren Beitrag zum GIO zu leisten. Auch wenn viele wichtige Rohstoffe zur Farbherstellung auf der derzeitigen Liste fehlen und unsere Entwicklungsteams und PSR/HSE-Experten vor größere Herausforderungen stellen, so waren unsere Spezialisten in der Lage, eine neue Generation unserer UV-härtenden SICURA Nutriflex 10-Serie auszuarbeiten, die das Bedrucken einer «GIO»-konformen Lebensmittelverpackung ermöglicht. Auch die LED-UV-härtende SICURA Nutriflex LEDTec-Serie erfüllt diese neuen strengeren Anforderungen. 

Wie unterscheidet sich der Schweizer Farben- und Lackmarkt von anderen europäischen Märkten? 

Hilgers: Der Schweizer Markt ist vergleichsweise klein, und die Zahl der produzierenden Unternehmen ist begrenzt. Die größte Herausforderung besteht im hohen Kostenniveau des Standorts, was es erschwert, im Wettbewerb mit Nachbarländern oder anderen Regionen zu bestehen. Um dennoch konkurrenzfähig zu bleiben, ist es entscheidend, sich durch außergewöhnliche Qualität und einen herausragenden Kundenservice klar vom Wettbewerb abzuheben. 

Wie sehen Sie aktuell den Markt und die Herausforderungen für Druckfarben und Lacke in der Verpackungsindustrie? 

Hilgers: Die aktuelle Marktsituation für Druckfarben in der Verpackungsindustrie ist von mehreren tiefgreifenden Herausforderungen geprägt. In Europa ist das Wachstum derzeit verhalten, was den Wettbewerb deutlich verschärft. Gleichzeitig beobachten viele Unternehmen eine geografische Verschiebung ihrer Kundschaft in Richtung Osten. Diese Entwicklung erfordert eine hohe Agilität und die Fähigkeit, kurze Lieferzeiten zu garantieren – was wiederum neue logistische Anforderungen mit sich bringt. Hinzu kommen umfassende regulatorische Veränderungen, allen voran die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und die German Ink Ordinance (GIO), die strengere Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialtransparenz und Migrationsgrenzwerte stellen. Parallel dazu gewinnt das Thema Kreislaufwirtschaft an Bedeutung: Neue Druckfarbensysteme müssen so konzipiert sein, dass sie mit recyclingfähigen Verpackungsmaterialien kompatibel sind.
Trotz all dieser Herausforderungen ergeben sich auch Chancen – insbesondere für Unternehmen, die frühzeitig in nachhaltige Innovationen, Digitalisierung und partnerschaftliche Kundenbeziehungen investieren. Die Fähigkeit, regulatorische Anforderungen in marktfähige Lösungen zu übersetzen, wird dabei zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.