Nachrichten Markt & Branche

EU‑Antidumpingzölle mindern Entlastung durch stabilisierte Titandioxidpreise in China

Die Titandioxidpreise in China haben sich nach einem Jahr des Rückgangs stabilisiert, bei rund 2,00 EUR/kg im Inland und 1,80 EUR/kg im Export. Für europäische Lackhersteller bedeutet das jedoch keine Entlastung.

Trotz stabilisierter Titandioxidpreise in China bleibt die erhoffte Entlastung für Europas Lack- und Farbenindustrie aus – EU-Antidumpingzölle und hohe Produktionskosten verhindern sinkende Preise. Quelle: Anastasiia - stock.adobe.com

Nach einem Jahr rückläufiger Preise hat der chinesische Markt für Titandioxid (TiO₂) offenbar einen Boden gefunden. Laut Marktdaten von Fibre2Fashion lagen die Inlandspreise Ende 2025 bei durchschnittlich 2,15 US‑Dollar / kg (≈ 2,00 Euro / kg), während Exportpreise bei etwa 1,94 US‑Dollar / kg (≈ 1,80 Euro / kg) stagnierten. Die Stabilisierung folgt auf eine Phase schwacher Nachfrage, hoher Lagerbestände und sinkender Margen bei den Produzenten.

Für europäische Farben‑ und Lackhersteller ist das jedoch keine wirklich positive Nachricht. Ein weiterer Preisrückgang wäre deutlich vorteilhafter gewesen. TiO₂ zählt zu den kostenrelevantesten Rohstoffen in der Lackherstellung – weniger wegen seines Stückpreises, sondern wegen der großen Einsatzmengen und fehlender technischer Alternativen. Mit der eingetretenen Preisstabilität ist daher kaum noch mit weiteren Kostenvorteilen zu rechnen.


Lesetipp: Titandioxid

Titandioxid-Pigmente machen rund 60 % der weltweiten Pigmentproduktion aus – ihre Bedeutung ist also enorm. Die zweite, überarbeitete Auflage des Lehrbuchs „Titandioxid: Produktion, Eigenschaften und effektiver Einsatz“erklärt komplexe Zusammenhänge verständlich und praxisnah. Es bietet fundiertes Wissen zu Eigenschaften, Anwendungen und Substitutionsstrategien sowie zu Titandioxid als UV-Absorber und Effektpigment.


Zudem verhindern die Antidumpingzölle der EU auf chinesisches Titandioxid, dass die günstigeren asiatischen Preise in Europa ankommen. Europäische Produzenten bleiben somit von den globalen Preisbewegungen weitgehend abgekoppelt – geschützt, aber auch ohne Zugang zu günstigeren Rohstoffen.

Die Übernahme des Venator‑Werks in Greatham (UK) durch die chinesische LB Group zeigt, dass asiatische Hersteller versuchen, über lokale Produktionsstandorte im europäischen Markt präsent zu bleiben. Kurzfristig dürfte dies aber kaum zu niedrigeren Preisen führen.

Für Europas Lackindustrie ist die Stabilisierung der TiO₂‑Preise eher ein Zwischenstopp als eine Entlastung. Sie verhindert zwar neue Preisschübe, bietet aber keine echte Kostenreduktion. Solange Handelszölle bestehen und Produktions‑ sowie Energiekosten hoch bleiben, hängt die Wettbewerbsfähigkeit künftig stärker von Effizienz, angepasster Rezeptur‑Entwicklung und breiter aufgestellter Beschaffung ab, nicht von günstigen Pigmentpreisen am Weltmarkt.