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„Biozidfreiheit wird bald zum Standard“: Über die Entwicklung moderner Tönpasten und neue Anforderungen im Farbenmarkt

Die Anforderungen an Pigmentpasten steigen: Sie sollen ohne Biozide auskommen, dabei farbstabil, schimmelfrei und anwendungssicher sein. Guido Strauch, Head of Tinting Technology bei Dörken, spricht im Interview über aktuelle Trends, regulatorische Hürden und darüber, wie Dörken seinen Kund:innen einen technologischen Vorsprung verschafft.

Guido Strauch, Dörken: „Wir bieten alle gängigen Flüssigpaste-Technologien ohne Biozide an.“ Quelle: heerim studio - stock.adobe.com / Dörken

Mit welchen Herausforderungen und Trends sind Sie bei der Entwicklung neuer Pigmentpasten konfrontiert?

Guido Strauch: Unsere Branche steht seit Jahren vor sich ständig ändernden Marktanforderungen, vor allem durch die zunehmende chemikalienrechtliche Regulierung, wie den Green Deal und nationale Gesetze. Dadurch werden Biozide, die in Beschichtungsprodukten und Tönpasten zur Konservierung genutzt werden, immer stärker eingeschränkt oder verboten. Parallel wächst das Bewusstsein der Endkund:innen für „grüne“ oder „wohngesunde“ Lösungen. Farben, Lacke und Putze sollen biozidfrei sein, ohne ihre Eigenschaften zu verlieren. Insbesondere sollen sie nicht schimmeln, weder im Gebinde noch nach der Anwendung.

Diese Anforderung betrifft uns als Pastenhersteller sowie unsere direkten Kund:innen, die flüssige Pasten in Mischanlagen nutzen. Trotz Biozidfreiheit müssen Tönpasten ihre komplexen Eigenschaften wie Farbtongenauigkeit und Verträglichkeit bewahren und dürfen keine Verunreinigungen oder Schimmelbildung aufweisen. Zertifikate wie Blauer Engel oder Ecolabel untermauern diese Trends, die sich zunehmend im DIY-Sektor und auch im Profisektor, insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen, durchsetzen. Wir erwarten, dass Biozidfreiheit bald Standard wird.


Veranstaltungstipp: Biozide

Das Webinar „Biozide gezielt einsetzen“ am 23.06.2025 vermittelt Ihnen essenzielles Wissen über den Einsatz, die Wirkung und die gesetzlichen Vorgaben von Bioziden in Beschichtungssystemen. Erfahren Sie, welche Materialien eingesetzt werden, welche Eigenschaften aber auch Risiken diese mit sich bringen und wie man effektive und trotzdem unbedenkliche Biozid-Lacke formuliert. Tauchen Sie in das Thema ein und stellen Sie Ihre Fragen.

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Welchen Einfluss haben die zunehmenden Vorschriften darauf?

Strauch: In unserer Branche gibt es verschiedene Ansätze für alternative Tönkonzepte, die Topf- und Filmkonservierung bieten, z. B. durch pH-Erhöhung der Tönpasten, Besprühung oder UV-Bestrahlung, oder physikalische Konzepte wie Trockentönung ohne Wasser. Diese Ansätze erfordern hohe Investitionen und beinhalten Kompromisse, da sie oft nur für wässrige Produkte anwendbar sind. Wir setzen weiterhin auf biozidfreie, flüssige Pasten.

Wie wirken sich Trends in der Architektur und Innenarchitektur auf die Auswahl der Farben für Ihre Pigmentpasten aus?

Strauch: Die Umstellung auf biozidfreie Produkte hat nur geringe Auswirkungen auf die coloristische Auswahl unserer etablierten und neuen Pasten. Der Trend bietet uns jedoch zusätzliche Chancen. In Zusammenarbeit mit einem Pilotkund:innen haben wir ein biozidfreies, flüssiges, wässriges Pastensystem auf über 500 Mischanlagen etabliert. Wir werden alle gängigen Flüssigpastentechnologien biozidfrei verfügbar machen.

Wir vermarkten die Technologie auch als Halbfabrikate, unterstützt durch Serviceleistungen wie Mikrobiologie als Service, Formulierungshilfe und Farbmetrik-Know-how. Unsere maßgeschneiderten Lösungen bieten Kund:innen technologischen Vorsprung. Durch Patente und kontinuierliche Weiterentwicklung erweitern wir unser Geschäftsmodell zu einem System- und Technologieangebot, das Wettbewerbsvorteile und Kostensparnisse bietet.