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Asien: Vorsichtiger Optimismus trotz Unsicherheit

Steigende Rohstoffkosten, geopolitische Verwerfungen und regulatorische Anforderungen setzen Lackhersteller in ganz Asien unter Druck. Gleichzeitig bietet die Region weiterhin große Wachstumschancen und beschleunigt ihren Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. Dies waren zentrale Botschaften des jüngsten Online-Meetings des Asia Pacific Coatings Industry Council (APIC). Von Vanessa Bauersachs

Lackhersteller in Asien bewegen sich in einem Umfeld aus Lieferkettenrisiken, Nachhaltigkeitsanforderungen und sich wandelnden Marktbedingungen.
Lackhersteller in Asien bewegen sich in einem Umfeld aus Lieferkettenrisiken, Nachhaltigkeitsanforderungen und sich wandelnden Marktbedingungen. Quelle: Generiert mit ChatGPT

Das Online-Meeting des Asia Pacific Coatings Industry Council wurde in diesem Jahr von der Philippine Paint and Coatings Association (PPCAI) ausgerichtet. Ursprünglich war die Veranstaltung als Präsenztreffen in Manila geplant, wurde jedoch aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage online durchgeführt. Nach einer Begrüßung durch Reginald Yu, Präsident der PPCAI, stimmte eine Videopräsentation des World Coatings Council auf die Diskussion ein. Dessen Präsident Tom Bowtell betonte: „Wenn man betrachtet, wie sich das Jahr entwickelt hat, begann es zunächst recht optimistisch. Nach den Ereignissen in der Straße von Hormus und den Herausforderungen für die Lieferketten infolge des US-Iran-Kriegs wurde die globale Industrie jedoch eindeutig stark von diesen Störungen getroffen. Es war eine sehr schwierige Zeit für die Branche, die sich auch auf Verbraucher und unsere Volkswirtschaften auswirkt.“Bowtell verwies auf die gestiegene globale Unsicherheit und die anhaltend schwache Nachfrage. Zudem warnte er, dass steigende Kosten die Margen im Jahr 2026 weiter unter Druck setzen dürften. Dennoch bleibe Asien die weltweit am schnellsten wachsende Region für die Lackindustrie; sechs der zwölf am stärksten wachsenden Märkte befinden sich dort. „Asien ist mit großem Abstand die weltweit größte Region für die Farben- und Lackindustrie und größer als Europa und Nordamerika zusammen – eine außergewöhnliche Entwicklung“, sagte Bowtell.

Lieferengpässe und Kostendruck bleiben zentrale Herausforderungen

Mehrere Verbände berichteten, dass geopolitische Spannungen und Störungen in den Lieferketten die Verfügbarkeit und Preise von Rohstoffen erheblich beeinflusst hätten. Mark Chang von der Taiwan Paint Industry Association (TPIA) unterstrich die Folgen des Iran-Konflikts und der Sperrung der Straße von Hormus: „Asien und insbesondere Taiwan sind dieser Situation stark ausgesetzt, da der Großteil unserer Ölversorgung aus dem Nahen Osten stammt.“ Rund einen Monat lang konnten Lackunternehmen wichtige Lösemittel nicht beziehen. Inzwischen habe sich die Lage zwar entspannt, die Preise blieben jedoch auf hohem Niveau. Gleichzeitig verzeichnete Taiwan 2025 ein besonders starkes Wachstum, angetrieben durch den Boom bei künstlicher Intelligenz und Halbleitern.

Auch die Japan Paint Manufacturers Association (JPMA) berichtete während der Krise von ähnlichen Lieferengpässen bei wichtigen Rohstoffen und Lösemitteln. Zwar habe sich die Situation stabilisiert und die Produktionsvolumina seien wieder hochgefahren worden, doch bei einigen Harzen bestünden weiterhin Sorgen hinsichtlich der Verfügbarkeit. Die Philippinen meldeten ebenfalls erhebliche Auswirkungen: Stark steigende Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten, eine sinkende Kaufkraft der Kunden und die Abwertung der Landeswährung hätten die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Da das Land stark von importierten Rohstoffen abhängig ist, hätten Preisentwicklung und Verfügbarkeit einen besonders großen Einfluss auf den Markt. In Vietnam kam es nach Ausbruch des Konflikts zu Panikkäufen. Vuong Bac Dau, stellvertretender Vorsitzender der Vietnam Paint & Printing Ink Association (VPIA), erklärte: „Die Preise für Infrastruktur- und baubezogene Materialien stiegen stark an; der durchschnittliche Preisanstieg wird auf rund 30 % geschätzt.“

Nachhaltigkeit treibt Technologie und Regulierung voran

Nachhaltigkeit war eines der wichtigsten Themen des Meetings. Die einzelnen Länder verfolgen dabei sowohl technologische Innovationen als auch regulatorische Maßnahmen. Singapur entwickelt seine Nachhaltigkeitsstandards kontinuierlich weiter. Zu den technologischen Trends zählen wärmereflektierende Beschichtungen, wasserbasierte und VOC-arme Systeme sowie Lösungen zur Verbesserung der Raumluftqualität, berichtete Pamela Phua, Präsidentin des lokalen Verbands SPACA. Auch der passive Brandschutz spielt eine wichtige Rolle – insbesondere in einem Markt mit vielen Hochhäusern. Auf den Philippinen werden Nachhaltigkeitsstrategien zunehmend durch Green Building Codes, die erweiterte Herstellerverantwortung sowie ein verbessertes Management von Lackabfällen geprägt.

Die Australian Paint Manufacturers’ Federation (APMF) berichtete über Fortschritte bei ihrer Paintback-Initiative. Das Programm wurde ursprünglich entwickelt, um die ordnungsgemäße Sammlung und Entsorgung von Farbresten sicherzustellen. Inzwischen liegt ein zunehmender Schwerpunkt auf dem Recycling: Neben Verpackungen werden auch Farbreste zu neuen Beschichtungen weiterverarbeitet. Malaysia konzentriert sich auf die Eliminierung von Blei aus Farben und Lacken. Die Malaysian Paint & Coating Manufacturer’s Association (MPCMA) hatte sich bereits 2018 zu diesem Ziel verpflichtet; inzwischen besteht ein freiwilliger nationaler Standard. Der Verband setzt sich nun dafür ein, diesen in einen verbindlichen Rahmen zu überführen.

Regulierung und Fachkräftemangel prägen die Prioritäten

Auch neue regulatorische Vorgaben stellen Lackhersteller in Asien vor wachsende Herausforderungen. In Korea wurde im vergangenen Jahr das Regelwerk für „toxische Substanzen“ unter K-REACH umfassend überarbeitet. Die Übergangsfrist endete Anfang Juli. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen insbesondere UVCB-Stoffe – Stoffe unbekannter oder variabler Zusammensetzung, komplexe Reaktionsprodukte oder biologische Materialien. Cumol steht derzeit besonders im Fokus, da es in Solventnaphtha enthalten sein kann und möglicherweise gesondert deklariert werden muss. Auch das neue Chemikaliengesetz in Vietnam, das zu Beginn des Jahres in Kraft trat, dürfte erhebliche Auswirkungen haben. Die Vorschriften sind deutlich strenger als zuvor.

In Indonesien bleibt die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ein zentrales Thema. Der nationale Verband APCI reagiert darauf mit Schulungsseminaren und dem weiteren Ausbau seiner Paint School, die inzwischen von zwei auf vier Klassen erweitert wurde. Zu den regulatorischen Schwerpunkten zählen persistente organische Schadstoffe sowie Vorschriften zur Umwelt- und Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen.

Ausblick: Vorsichtiger Optimismus trotz Unsicherheit

Die Perspektiven in der Region bleiben insgesamt uneinheitlich. Singapur erwartet ein moderates Wachstum, auch wenn Lieferkettendruck, Inflation und Margenerosion den Markt weiterhin belasten. Trotz der Herausforderungen wird die Lackindustrie auf den Philippinen als widerstandsfähig eingeschätzt. Zwar wird kein nennenswertes Wachstum erwartet, der Markt dürfte jedoch stabil bleiben. Malaysia rechnet für 2025 mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr, das Marktniveau soll jedoch weiterhin über dem von 2023 liegen. Vietnam erwartet nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2025 eine leichte Abschwächung im dritten Quartal.

Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheit, regulatorischer Herausforderungen und Kostendruck bleibt die Lackindustrie in Asien vorsichtig optimistisch. Wachstumschancen, technologische Innovationen und Nachhaltigkeitsinitiativen stützen weiterhin die langfristige Entwicklung der Region.