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PFAS: „Klarer Auftrag für die Industrie: Jetzt umstellen, nicht später“

Angesichts der zunehmenden regulatorischen Kontrolle von PFAS sowohl in den USA als auch in Europa stehen Hersteller von Beschichtungen unter wachsendem Druck, auf konforme Alternativen umzusteigen. Lane Lundeby, Business Manager bei Indovinya, erläutert, wie frühe Investitionen in PFAS-freie Tenside und digitale Entwicklungswerkzeuge Kunden dabei helfen, den sich wandelnden Anforderungen einen Schritt voraus zu sein. Interview von Damir Gagro

Unternehmen suchen angesichts des wachsenden regulatorischen Drucks nach Ersatzstoffen für PFAS.
Unternehmen suchen angesichts des wachsenden regulatorischen Drucks nach Ersatzstoffen für PFAS. Quelle: Frank H. – stock.adobe.com

Wie beeinflusst die sich entwickelnde regulatorische Landschaft in den USA und Europa die Dringlichkeit von PFAS-freien Lösungen in der Beschichtungsindustrie?

Lane Lundeby, Business Manager bei Indovinya. Quelle: Indovinya
Lane Lundeby, Business Manager bei Indovinya. Quelle: Indovinya

Lane Lundeby: Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa nimmt der regulatorische Druck auf PFAS in bislang beispiellosem Tempo zu. Europa treibt weitreichende Beschränkungen voran, die den Einsatz von PFAS in Beschichtungen erheblich einschränken oder sogar schrittweise beenden werden. Gleichzeitig verschärfen US-Behörden die Anforderungen an Compliance und Überwachung. Das schafft einen klaren Auftrag für die Industrie: jetzt umstellen, nicht später.

Bei Indovinya, dem Geschäftsbereich für Spezialchemikalien und Tenside von Indorama Ventures, haben wir diese Entwicklung früh erkannt. Die Innovation PFAS-freier Tenside ist seit Langem eine strategische Priorität. So können wir unseren Kunden leistungsstarke und regulatorisch zukunftssichere Lösungen anbieten, die ihnen einen sicheren Übergang ermöglichen.

Wie einfach können Hersteller von Beschichtungen diese PFAS-freien Tenside in bestehende Produktionslinien integrieren, ohne umfangreiche Reformulierungen vornehmen zu müssen?

Lundeby: Unsere Produktlinie „Oxitive“ bietet PFAS-freie Tensidlösungen, die so entwickelt wurden, dass sie sich in den meisten bestehenden Formulierungen problemlos integrieren lassen und in der Regel nur geringfügige Anpassungen erfordern. Ein direkter Eins-zu-eins-Ersatz ist zwar nicht immer möglich, da Leistungseigenschaften wie Glanz, Benetzung oder Schaumkontrolle gegebenenfalls fein abgestimmt werden müssen. Dennoch müssen Hersteller ihre Produktionsprozesse nicht grundlegend neu gestalten. Unser Ansatz kombiniert Formulierungskompetenz mit prädiktiven Werkzeugen, um Alternativen zu entwickeln, die Störungen minimieren und eine gleichbleibende Produktqualität gewährleisten. Ziel ist es, den Übergang technisch zuverlässig, betrieblich effizient und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Wie kann simulationsgestützte Entwicklung kleineren Unternehmen mit begrenzten F&E-Ressourcen helfen, mit regulatorischen Veränderungen Schritt zu halten?

Lundeby: Simulationsgestützte Entwicklung ist ein wirkungsvoller Gleichmacher. Durch die computergestützte Modellierung kritischer Parameter – etwa des Oberflächenspannungsverhaltens, der Harzkompatibilität oder der Adsorptionsmechanismen – können Entwickler vielversprechende Kandidaten identifizieren, bevor Laborversuche beginnen. Das reduziert Kosten, Entwicklungszeit und die Anzahl experimenteller Testzyklen.

Zwar bleibt die vollständige Simulation eines Lacksystems aufgrund der Vielzahl wechselwirkender Faktoren eine komplexe Aufgabe. Dennoch ist der Aufbau solcher prädiktiven Fähigkeiten heute entscheidend, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Simulationen sollen Laborvalidierungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie helfen Unternehmen, Entwicklungsprozesse zu verschlanken, den Aufwand durch Versuch und Irrtum zu verringern und Innovationen zu beschleunigen. Angesichts immer engerer regulatorischer Zeitpläne werden digitale Werkzeuge zu strategischen Instrumenten für Agilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Sehen Sie diesen simulationsbasierten Ansatz auch für andere Additivklassen in Lackformulierungen?

Lundeby: Absolut. Wir setzen Simulationen bereits ein, um Pigmentdispergiermittel zu optimieren, indem wir ihre Wechselwirkungen an der Pigmentoberfläche modellieren. Dieselbe Methodik lässt sich ebenso auf Additive wie Entschäumer, Netzmittel, Filmbildehilfsmittel (Coaleszenzmittel) und sogar auf bestimmte Aspekte der Harzentwicklung anwenden.

Jede Komponente, deren Zusammenhang zwischen Struktur und Leistung mathematisch modelliert werden kann, profitiert von diesem Ansatz. Da Simulationswerkzeuge zunehmend zugänglicher und benutzerfreundlicher werden, erwarten wir, dass sie sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Beschichtungsindustrie als Standard etablieren. Sie ermöglichen schnellere Entwicklungen, eine präzisere Ausrichtung auf gewünschte Leistungseigenschaften und mehr Sicherheit bei der Erfüllung sich wandelnder regulatorischer Anforderungen und Nachhaltigkeitsziele.

Veranstaltungstipp

Auf der European Coatings Conference „PFAS-free Coatings“ am 5. November 2026 in Amsterdam (Niederlande) haben Sie die Möglichkeit, fundierte Einblicke zu gewinnen und sich aktiv mit führenden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Industrie auszutauschen. Im Mittelpunkt stehen nicht nur bereits verfügbare PFAS-Alternativen und ihre Eigenschaften, sondern auch die zugrunde liegenden Materialien sowie die sich weltweit weiterentwickelnde regulatorische Landschaft.