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„Es gibt keine Einheitslösung“ – Biozide im Spannungsfeld von Regulierung und Produktsicherheit

Strenge gesetzliche Vorgaben und steigende Anforderungen an Produktsicherheit stellen die Entwicklung wirksamer Biozidstrategien vor große Herausforderungen. Nicolas Gallacier, Global Business Director bei Lanxess, erklärt, worauf es bei der Konservierung wasserbasierter Beschichtungen ankommt – und warum Standardlösungen nicht ausreichen.

Nicolas Gallacier, Global Business Director bei Lanxess, spricht über die Herausforderungen bei der Konservierung wasserbasierter Beschichtungssysteme. Quelle: plysuikvv - stock.adobe.com / Lanxess

Was ist der Haupttreiber für F&E bei Bioziden?

Nicolas Gallacier: F&E im Bereich Biozide wird stark durch den regulatorischen Druck in Europa beeinflusst. Es gibt einige technisch getriebene Entwicklungen wie Slow-Release-Technologien, aber die hohen Kosten und strengen Datenanforderungen im Rahmen der Biozidprodukte-Verordnung (BPR) hemmen Innovationen. Die sich ständig ändernden Regularien machen Investitionen in neue Wirkstoffe riskant und unvorhersehbar. Das wiederholt verschobene Review-Programm verzerrt den Wettbewerb – manche Wirkstoffe befinden sich seit über 15 Jahren in der Bewertung, und nur wenige Unternehmen tragen die finanziellen Lasten. Dennoch richten einige Unternehmen der Farbenindustrie ihre Einkaufsstrategie zunehmend an F&E- und regulatorischen Interessen aus, was Partnerschaften mit BPR-Review-Teilnehmer:innen für eine nachhaltige Entwicklung fördert.


Veranstaltungstipp: Biozide

Das Webinar „Biozide gezielt einsetzen“ am 23.06.2025 vermittelt Ihnen essenzielles Wissen über den Einsatz, die Wirkung und die gesetzlichen Vorgaben von Bioziden in Beschichtungssystemen. Erfahren Sie, welche Materialien eingesetzt werden, welche Eigenschaften aber auch Risiken diese mit sich bringen und wie man effektive und trotzdem unbedenkliche Biozid-Lacke formuliert. Tauchen Sie in das Thema ein und stellen Sie Ihre Fragen.

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Wie sicher und zuverlässig sind wasserbasierte Beschichtungen heute noch vor Mikroben geschützt?

Gallacier: Die reduzierte Zahl zugelassener Wirkstoffe und niedrigere Konzentrationsgrenzwerte werfen Fragen zur Qualität der Konservierungssysteme auf. Hier ist ein ganzheitlicher Blick gefragt – etwa auf den Einsatz von Bioziden in der Lackfabrik und entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Welches Konservierungssystem nutzt der Emulsionslieferant? Wie ist die Wasserqualität? Welche Hygienemaßnahmen werden in der Produktion ergriffen? Es gibt keine Lösung von der Stange. Ein effizientes Konservierungssystem muss Maßnahmen zur Anlagensauberkeit, kontinuierliches Monitoring, effektive Reinigung und eine frühzeitige Erkennung von Kontaminationen umfassen – vom Wassertank über Rohstoffe bis hin zu Misch- und Abfülllinien. Unser „Control, Detect, Prevent“-Ansatz unterstützt die Industrie dabei, ein hohes Schutzniveau gegen Mikroorganismen entlang der gesamten Produktionskette sicherzustellen – unter Berücksichtigung von Markt- und Regulierungsanforderungen.

Wie kann künftig mikrobieller Resistenz begegnet werden?

Gallacier: Durch zunehmende Einschränkungen bei Bioziden suchen einige Anwender nach Alternativen oder versuchen, den Einsatz ganz zu vermeiden – zum Beispiel durch hochalkalische DIY-Produkte oder Zusätze ohne deklarierte antimikrobielle Wirkung. Solche Ansätze bergen Risiken: entweder hinsichtlich der sicheren Anwendung oder der langfristigen Wirksamkeit gegen Mikroorganismen. Gerade bei wasserbasierten Industrieprodukten sind durchdachte und nachhaltige Konservierungssysteme essenziell. Nur Lösungen, die unter der BPR geprüft und zugelassen sind, bieten nachgewiesene Wirksamkeit und Sicherheit für Mensch und Umwelt. Unser bewährter Ansatz: Konservierung von Rohstoffen und Zwischenprodukten während der Produktion, kombiniert mit einem sanfteren Nachkonservierungssystem für den Endverbrauch.