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Pigmentpasten: „Biozidfreiheit über kurz oder lang Standard in unserer Branche“

Guido Strauch von Dörken geht davon aus, dass biozidfreie Produkte bald der Standard sein werden. Im folgenden Interview spricht er über die Herausforderungen beim Entwickeln biozidfreier Pigmentpasten und aktuelle Trends. Interview von Silke Karl

Was sind die Trends bei Pigmentpasten?
Was sind die Trends bei Pigmentpasten? Bildquelle: Quelle: Robert Kneschke – stock.adobe.com.

Mit welchen Herausforderungen und Trends sind Sie bei der Entwicklung neuer Pigmentpasten konfrontiert?

Guido Strauch: Wir befinden uns in unserer Branche schon seit Jahren in einem Umfeld sich stetig wandelnder Marktanforderungen. An erster Stelle ist die weltweit zunehmende chemikalienrechtliche Regulierung zu nennen, z. B. ausgelöst durch den Green Deal, aber auch durch nationale Richtlinien und Gesetze. Damit einhergehend werden Biozide, die in Beschichtungsprodukten – und damit auch in Tönpasten – für die Konservierung eingesetzt werden, immer mehr eingeschränkt oder sogar ganz verboten.

Parallel dazu beobachten wir eine zunehmende Sensibilisierung der Endkunden für „grüne“, man kann auch sagen „wohngesunde“ Lösungen. Farben, Lacke, Putze und andere Beschichtungen sollen dabei möglichst komplett biozidfrei sein – natürlich ohne die bisherigen Eigenschaften des Produktes einzubüßen. Eine Farbe, ob weiß oder bunt getönt, soll insbesondere nicht schimmeln – sei es im Gebinde als auch im verarbeiteten Zustand nach der Anbringung. Diese Anforderung gilt übrigens sowohl für uns als Pastenhersteller als auch für unsere direkten Kunden, nämlich den Anwendern flüssiger Pasten in Mischanlagen am POS. Hier sollen trotz Biozidfreiheit die komplexen Eigenschaften einer Tönpaste erhalten bleiben (Mischanlagentauglichkeit, Farbtongenauigkeit, breite Verträglichkeit mit Basen, Rüttelbarkeit etc.), ohne aber Verunreinigungen, Schimmelbildung oder Sporen in den Tönpastenbehältern aufzuweisen.

Untermauert werden diese Trends immer deutlicher durch Zertifikate und Labels, die auf dem Endprodukt angebracht sind. Dazu gehören z. B. Blauer Engel, Ecolabel, Nordic Swan oder aber Allergierichtlinien, die sich europaweit gerade verschärfen oder neu etablieren. Wir als Pastenhersteller müssen diesen Anforderungen ebenfalls Rechnung tragen, da unsere Tönpasten zu einem gewissen Prozentsatz immer Anteil der Endbeschichtung sind, für die ein Zertifikat oder Label gilt. Am stärksten sehen wir diese Trends im DIY-Sektor, vorzugsweise in der DACH-Region. Allerdings scheinen sich diese inzwischen auch in den Profi-Sektor zu verlagern. Immer mehr öffentliche Ausschreibungen setzen Angebote mit biozidfreien Beschichtungslösungen voraus. Wir gehen davon aus, dass Biozidfreiheit über kurz oder lang Standard in unserer Branche werden wird.


Veranstaltungstipp: Innovative Bautenfarben

Die FARBE UND LACK // KONFERENZ „Bautenfarben – Innovative Lösungen“ am 26. und 27.06.2025 in Essen wird die neuesten Trends und Technologien im Bereich der Bautenfarben beleuchten, wobei der Fokus darauf liegt, welche Materialien und Methoden am vielversprechendsten sind und welche Herausforderungen bestehen bleiben. Die Teilnehmer erhalten Einblicke in neue Alternativen und Innovationen, die darauf abzielen, den Anforderungen an verbesserte Leistung, Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Umweltstandards gerecht zu werden.


Welchen Einfluss haben die zunehmenden Vorschriften darauf?

Guido Strauch, Sales Director Colorants and Components, Dörken
Guido Strauch, Sales Director Colorants and Components, Dörken

Strauch: Wir beobachten in unserer Branche eine Reihe Lösungsansätze, um alternative Tönkonzepte zu etablieren, die trotzdem ausreichend Topf- und Filmkonservierung bieten sollen. So z. B. chemische Ansätze durch Anhebung der pH-Werte der Tönpasten und ggf. Basen, i.d.R. flankiert durch zusätzliche und aufwändige Maßnahmen an den Mischanlagen wie ergänzende Besprühung oder UV-Bestrahlung, oder aber ganz andere eher physikalische Konzepte wie Trockentönung unter Vermeidung von Wasser.

All diese Ansätze beinhalten aus unserer Sicht diverse Kompromisse – wenn sie z. B. nur für wässrige Produkte anwendbar sind. Zusätzlich zu den technischen Kompromissen benötigen diese Ansätze hohe Investitionen in die Hardware. Deshalb stellen wir uns bei Dörken zukunftssicher auf und setzen weiterhin auf biozidfreie, flüssige Pasten mit all seinen Vorteilen!

Wie wirken sich Trends in der Architektur und Innenarchitektur auf die Auswahl der Farben für Ihre Pigmentpasten aus?

Strauch: Auf die coloristische Auswahl unserer etablierten konservierten Pasten, als auch der neu entwickelten biozidfreien Pasten, hat dies keine bis wenig Auswirkung. Der Trend hin zu biozidfreien Produkten bietet uns vielmehr zusätzliche strategische Chancen. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, mit einem ersten Pilotkunden zusammen ein biozidfreies, flüssiges, rein wässriges Pastensystem auf inzwischen über 500 Mischanlagen zu etablieren. Alle am Markt etablierten Flüssigpastentechnologien werden wir biozidfrei verfügbar machen.

Darüber hinaus vermarkten wir die dahinterstehende Technologie in Form von Halbfabrikaten. Dies ist nur mit neu etablierten Serviceleistungen zu realisieren, z. B. Mikrobiologie als Service, Unterstützung in Formulierung durch unsere R&D und Innovation als strategischer Vorteil für unsere Kunden, oder auch Farbmetrik Know-How mit erweiterten Softwarepaketen.

Mit unserer Expertise in diesen Bereichen schaffen wir maßgeschneiderte Lösungen, die unseren Kunden nicht nur Produkte, sondern technologischen Vorsprung bieten. Die Kunden profitieren hierbei von einem Wettbewerbsvorteil durch Technologieführerschaft und Kostenersparnis durch leichte Integration der technologischen Lösungen. Um dieser erweiterten Ausrichtung bei Dörken Rechnung zu tragen und diese sichtbar zu machen, treten wir seit März 2025 unter der neuen Bezeichnung „Colorants & Components“ auf. Damit setzen wir ein klares Zeichen für die Verbindung von zukunftsweisender Forschung und erfolgreicher Anwendung – mit dem Ziel, gemeinsam mit unseren Kunden neue Technologien in marktführende Produkte zu verwandeln.