Nachrichten Markt & Branche

M&A-Stimmung in der Lackindustrie: Strategische Deals trotz globaler Unsicherheiten

Die weltweiten M&A-Aktivitäten in der Farben- und Lackindustrie bleiben im ersten Halbjahr 2025 verhalten, aber stabil. Während Europa unter strukturellem Druck steht, investieren US-amerikanische Unternehmen gezielter. Der Artikel in der aktuellen Juli-/August-Ausgabe von FARBE UND LACK von Ben Scharff, Geschäftsführer bei Grace Matthews, analysiert die Marktdynamiken und zeigt, wo sich neue Chancen abzeichnen.

Trotz globaler Unsicherheiten bleibt der M&A-Markt für Farben und Lacke in Bewegung – mit Fokus auf Kernmärkte und strategische Restrukturierungen. Bildquelle: tiquitaca - Adobe.Stock.com

Nach einem optimistischen Start ins Jahr 2025 hat sich die Stimmung auf dem weltweiten Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) deutlich eingetrübt. Insbesondere europäische Unternehmen der Chemie- und Lackindustrie sehen sich mit strukturellen Herausforderungen wie hohen Energiekosten, wachsender Konkurrenz aus Asien sowie regulatorischen Unsicherheiten konfrontiert. Zahlreiche Konzerne prüfen aktuell die Veräußerung nicht rentabler Standorte. Im Gegensatz dazu entwickelt sich der US-Markt dank günstiger Rohstoffpreise, Reindustrialisierung und gezielter Industriepolitik zur bevorzugten Wachstumsregion.

Trotz makroökonomischer Unsicherheiten verzeichnen M&A-Berater einen Anstieg strategischer Restrukturierungen. Besonders aktiv sind Käufer, die ihr Technologieportfolio erweitern oder neue Märkte erschließen wollen. Rund 40 % der Transaktionen von Grace Matthews, einer auf Chemie und Spezialmaterialien spezialisierten M&A-Beratung, betrafen in den letzten fünf Jahren Ausgliederungen – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Auch der Private-Equity-Sektor zeigt grundsätzlich Investitionsbereitschaft, doch hohe Finanzierungskosten und Bewertungsdifferenzen hemmen derzeit die Abschlussaktivität.

Konsolidierungen, Zölle und geopolitische Spannungen prägen das Marktumfeld

Zölle und geopolitische Unsicherheiten beeinflussen die geografische Ausrichtung von M&A-Strategien maßgeblich. Unternehmen verlagern ihre Aktivitäten zunehmend in „freundliche“ Märkte, um tarifbedingte Margeneinbußen zu vermeiden. Die Folge: Lokale Produktionsstandorte gewinnen an strategischer Bedeutung, auch bei Transaktionen. Käuferinnen und Käufer achten bei der Due Diligence inzwischen verstärkt auf Zollrisiken, was Prozesse verlängert oder zu Nachverhandlungen führt.

Auch die Bewertungskennzahlen spiegeln die angespannte Marktlage wider: Der Grace Matthews Paint & Coatings Index liegt aktuell bei einem EBITDA-Multiple von 11,7x – deutlich unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 13,7x. Der historische Bewertungsaufschlag der Lackindustrie gegenüber dem breiteren Chemiesektor ist nahezu verschwunden. Diese Entwicklung macht insbesondere europäische Unternehmen zu attraktiven Übernahmezielen für ausländische Investoren mit langfristigem Fokus.

Ausblick: Moderate Erholung und gezielte Akquisitionen erwartet

Bemerkenswerte Aktivitäten im Lackmarkt zeigen eine zunehmende Konsolidierung bei Bautenfarben. So veräußert BASF sein brasilianisches Geschäft für rund 1,07 Mrd. EUR an Sherwin-Williams, PPG trennt sich von seinem US- und Kanada-Geschäft, und auch Akzo Nobel prüft den Rückzug aus Südasien. Gleichzeitig nutzen Staatsfonds aus dem Nahen Osten oder US-amerikanische Private-Equity-Firmen das Bewertungsniveau für gezielte Zukäufe.

Trotz eines insgesamt rückläufigen Transaktionsvolumens zeigt sich die M&A-Aktivität im Bereich Farben und Lacke vergleichsweise stabil. Vor allem mittelständische und ergänzende Akquisitionen nehmen weiter zu. Die Industrie fokussiert sich zunehmend auf margenstarke Nischen wie industrielle und korrosionsbeständige Beschichtungen. Auch wenn Mega-Deals selten bleiben, dürften strategische Neuausrichtungen und Investoreninteressen für einen moderaten Aufschwung bis Anfang 2026 sorgen.

Weitere Inhalte zum M&A-Markt in der aktuellen FARBE UND LACK

Den ausführlichen Beitrag von Ben Scharff, Geschäftsführer von Grace Matthews, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe Juli/August der FARBE UND LACK. Abonnent:innen erhalten dort zusätzliche Einblicke zu folgenden Themen:

  • Welche Rolle Zölle künftig für die Bewertung und strategische Ausrichtung von M&A-Zielen spielen

  • Wie sich die Anzahl der angekündigten und abgeschlossenen Transaktionen seit Mitte 2024 entwickelt hat

  • Warum insbesondere europäische Unternehmen als attraktive Übernahmeziele gelten und wo Potenziale liegen