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Interview: Nanomaterialien als Schlüssel zu nachhaltigen Beschichtungslösungen

Nanomaterialien sind keine Modeerscheinung, sondern bieten konkrete Ansätze für umweltfreundlichere Beschichtungssysteme. Dr. Juliana Sousa vom International Iberian Nanotechnology Laboratory erläutert, warum ihre Einführung zwar komplex ist, die langfristigen Vorteile jedoch deutlich überwiegen.

Dr. Juliana Sousa erforscht am INL umweltfreundliche Nanomaterialien für nachhaltige Beschichtungssysteme. Quelle: Joker D Silverino - stock.adobe.com / INL

Nanomaterialien und deren Funktionen: komplett in der Industrie angekommen, Trend oder Hype?

Juliana Sousa: Nanomaterialien sind nicht nur ein vorübergehender Trend oder technologischer Hype – sie sind vielmehr konkrete Lösungen für viele der Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen. Endlich beginnen verschiedene Branchen, die grundlegende Rolle zu erkennen, die Nanomaterialien spielen können, und den tatsächlichen Einfluss, den sie auf unser tägliches Leben haben können. Wir treten in eine neue Ära ein, in der die Gesellschaft beginnt, sich der Bedeutung ihrer Entscheidungen und deren möglichen Folgen bewusst zu werden. Ein deutliches Beispiel dafür ist die weit verbreitete Verwendung von fluorierten Verbindungen, die in der Vergangenheit in verschiedenen Bereichen eingesetzt wurden – von schmutzabweisenden Textilien bis hin zu korrosionsbeständigen Metallbeschichtungen. Heute beschäftigen wir uns mit den ökologischen Folgen dieser Verbindungen und suchen nach nachhaltigeren Alternativen.

In diesem Zusammenhang erweisen sich Nanomaterialien mit umweltfreundlichen Morphologien und chemischen Zusammensetzungen als vielversprechende Lösungen. Auch wenn ihre Einführung zunächst Herausforderungen mit sich bringen mag, überwiegen die langfristigen Vorteile eindeutig diejenigen herkömmlicher und kurzfristiger Ansätze. Daher sollten Nanomaterialien nicht nur als Trend oder technologische Modeerscheinung betrachtet werden, sondern als nachhaltiger, strategischer und unverzichtbarer Ansatz zur Lösung der Probleme unseres Alltags.

Wieviel Nachhaltigkeit, bzw. bio-basierte Rohstoffe ist im Bereich funktionelle Beschichtungen möglich oder wird schon realisiert?

Sousa: Derzeit werden verschiedene Anstrengungen unternommen, um Prozesse im Bereich der Beschichtungen nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten. Dies ist jedoch eine komplexe Herausforderung. Sie erfordert eine Neuformulierung bestehender Zusammensetzungen, indem herkömmliche Lösungsmittel durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt und Polymere aus nachhaltigen Quellen verwendet werden. Dieser Übergang muss jedoch sorgfältig geplant werden. Er darf nicht übereilt durchgeführt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die entwickelten Beschichtungen nicht den erforderlichen technischen Standards entsprechen.

Dies würde zu ihrer vorzeitigen Ersetzung führen, was noch mehr Abfall und Umweltbelastung zur Folge hätte – genau das, was wir vermeiden wollen. Obwohl Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit erzielt werden, ist es daher unerlässlich, dass dieser Wandel verantwortungsbewusst, bewusst und auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage erfolgt. Anstatt einfach nur Trends zu folgen oder auf unmittelbaren gesellschaftlichen Druck zu reagieren, müssen wir Lösungen entwickeln, die sowohl kurz- als auch langfristig einen echten Respekt vor der Umwelt gewährleisten.