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Interview: „Der Markt für Holzlacke ist sehr herausfordernd“

Der Holzlacksektor bewegt sich in einem komplexen Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, Kostendruck und veränderten Kundenanforderungen geprägt ist. Dr. Marcello Vitale, Technical Manager Innovative Research – Coatings bei IVM Chemicals, erläutert, wie Digitalisierung, Beschaffungsstrategien und Nachhaltigkeitsanforderungen die Branche verändern, während Konsolidierung und Individualisierung zugleich Herausforderungen und Chancen schaffen. Interview von Vanessa Bauersachs

Wie ist die aktuelle Lage im Bereich Holzbeschichtungen?
Wie ist die aktuelle Lage im Bereich Holzbeschichtungen? Quelle: ImageSine – stock.adobe.com

Wie würden Sie den aktuellen Zustand des Marktes für Holzbeschichtungen beschreiben?

Dr. Marcello Vitale, Technical Manager Innovative Research – Coatings bei IVM Chemicals
Dr. Marcello Vitale, Technical Manager Innovative Research – Coatings bei IVM Chemicals

Dr. Marcello Vitale: Der Markt für Holzlacke ist sehr herausfordernd. Die Folgen des Iran-Kriegs sind spürbar: Der intensive Wettbewerb, der unsere Branche prägt, erschwert es Beschichtungsherstellern, die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie weiterzugeben. Das steht im deutlichen Gegensatz zu den Gewinnen, die den vorgelagerten Chemieproduzenten dadurch entstanden sind. Die Nachfrage steigt und fällt schnell, da Kunden ihre Lagerbestände entweder vorsorglich auffüllen – in Erwartung von Kostensteigerungen – oder sich gegen mögliche Produktengpässe absichern wollen.

Jetzt sind Investitionen in die Digitalisierung von Produktion sowie Forschung und Entwicklung erforderlich, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen und nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zudem zwingen die geopolitischen Turbulenzen dazu, das Gleichgewicht bei Beschaffungsentscheidungen neu zu bewerten: Eine sichere, langfristige Versorgung gewinnt gegenüber dem niedrigsten kurzfristigen Preis an Bedeutung. Es gibt viele Faktoren, die sowohl Risiken als auch Chancen bergen.

Wie stark hat sich der Holzlacksektor in den vergangenen Jahren strukturell verändert?

Vitale: Die Konsolidierung der Beschichtungshersteller durch die Übernahme erfolgreicher kleinerer Wettbewerber durch Großunternehmen hat auch den Nebeneffekt, dass für andere kleinere Unternehmen Raum zum Wachstum entsteht. Sie können ihre größere Flexibilität nutzen. Der Wettbewerb nimmt dadurch kaum ab.

Der Markt verlangt eine immer stärkere Individualisierung von Effekten und Leistungsmerkmalen. Einige große Industriebetriebe erzielen diese Effekte durch Digitalisierung mit wenigen Beschichtungsformulierungen. Die meisten anderen benötigen dafür kleine, maßgeschneiderte Chargen von Beschichtungen.

Welche aktuellen Entwicklungen erfordern im Holzlacksektor ein grundlegendes Umdenken?

Vitale: Immer häufiger möchte ein Kunde zunächst nicht den Farbeimer sehen, sondern Dokumentationen und Zertifikate. Das gilt sowohl für die Nachhaltigkeit – etwa für den CO₂-Fußabdruck, der trotz gegenteiliger medialer und politischer Stimmen zunehmend zur Standardanforderung wird – als auch für Leistungsparameter. Vorgaben bei der öffentlichen Beschaffung folgen der Verbreitung privater Qualitätskennzeichnungssysteme. Qualität wird zunehmend gleichgesetzt mit Gesundheit, Sicherheit, Langlebigkeit und Umweltschutz.

Andererseits stellt das ständige Auf und Ab bei Verfügbarkeit und Kosten von Rohstoffen eine stabile Produktion vor Herausforderungen. Die einzig mögliche Lösung für Beschichtungshersteller besteht darin, Formulierungen und Produktionsbedingungen immer besser zu kontrollieren und ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie diese sämtliche Eigenschaften der Beschichtung beeinflussen.

Sie halten die Keynote „Adapt or die: crises are great at focusing minds“ auf der European Coatings Conference „Frontiers in Wood Coatings“, die am 6. und 7. Oktober in Amsterdam stattfindet. Was können Teilnehmende erwarten?

Vitale: Ich hoffe, dass sie einige Denkanstöße dazu mitnehmen, was der europäische Holzlacksektor – sowohl als einzelne Unternehmen als auch als Wertschöpfungskette – tun muss, um trotz der bereits bekannten Herausforderungen technisch und wirtschaftlich an der Spitze zu bleiben. Gleichzeitig muss er sich darauf vorbereiten, künftig neuen Herausforderungen zu begegnen, die uns überraschen können oder werden.

Veranstaltungstipp

Die EC Conference Frontiers in Wood Coatings, früher unter dem Namen Wood Coatings Congress bekannt, hat sich als internationale Referenzplattform für den wissenschaftlichen und technischen Austausch im Bereich Holzbeschichtungen etabliert. Im Verlauf von zwei Tagen in Amsterdam bringt die Konferenz Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammen – von Herstellern von Harzen und Additiven über führende Forschungsinstitute und Beschichtungshersteller bis hin zu Anwenderbranchen. Im Mittelpunkt stehen die neuesten Fortschritte bei Formulierungen, Applikationsverfahren und nachhaltigen Lösungen.

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