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Herausforderungen und Ausblick: Ein Update zum europäischen Markt für dekorative Farben

Der europäische Markt für dekorative Farben bleibt herausfordernd. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich das wirtschaftliche Umfeld verbessern könnte. Die Bauwirtschaft steht weiterhin unter Druck, und DIY-Verbraucher achten stärker auf Preise als vor der Pandemie. Für 2025 wird ein weitgehend stabiles Marktvolumen erwartet. Douglas Bohn, Orr & Boss Consulting

Nach Jahren des Wachstums steht der europäische Markt für dekorative Farben vor neuen Herausforderungen: Sinkende Bautätigkeit und ein sparsameres Verbraucherverhalten bremsen die Nachfrage. Quelle: Lubos Chlubny - stock.adobe.com

Im Jahr 2023 wird der europäische Farbenmarkt auf 4,5 Milliarden Liter und 21,1 Milliarden EUR geschätzt. Deutschland, Frankreich, Italien, das Vereinigte Königreich und Spanien zählen zu den führenden Märkten. Seit Anfang 2022 haben Rückgänge die Marktanteile der Länder verschoben. Deutschland bleibt der größte Markt für dekorative Farben in Europa, zeigt jedoch Schwächen, da der Bausektor stärker eingebrochen ist als in anderen Ländern. Italien und Spanien profitieren von einer robusteren Bautätigkeit und haben ihren Marktanteil gesteigert. Die fünf größten Märkte – Deutschland, Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich und Spanien – machen weiterhin über 50 % des Gesamtmarktes aus.

Der Anteil von DIY und Profi-Segmenten variiert je nach Land. Durchschnittlich liegt der DIY-Anteil bei 35 %, in Deutschland und Frankreich etwas höher, in Polen, Osteuropa und Ländern wie Portugal etwas niedriger. Die Marktbedingungen sind seit zweieinhalb Jahren schwierig. Seit dem Höchststand 2021 ist das Volumen um rund 15 % gesunken.

Bausektor

Der Rückgang verläuft regional unterschiedlich. Deutschland verzeichnet die stärksten Einbußen, während Italien, Spanien, Portugal und andere Länder stabiler sind. Der Rückgang ist vor allem auf eine rückläufige Bautätigkeit zurückzuführen. Ein Bauindex der EU zeigt einen nahezu kontinuierlichen Rückgang seit Februar 2022. In letzter Zeit ist eine Stabilisierung erkennbar, das Niveau liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem von Anfang 2022.

Entwicklung nach Ländern

Die Bauwirtschaft hat in Deutschland, Frankreich und Polen am stärksten gelitten, während Südeuropa mit Ländern wie Spanien, Portugal und Italien leichte Zuwächse zeigt. Neben Neubauten wirkt sich auch die Stimmung der Verbraucher auf den Markt für dekorative Farben aus. DIY- und Renovierungsarbeiten sind rückläufig, da Verbraucher wegen Inflation und hohen Zinsen Kosten einsparen und weniger Geld für Farben ausgeben.

Deutschland: Die Lage bleibt angespannt. Starkes Wachstum in den 2010er-Jahren führt nun zu einem stärkeren Rückgang. Hohe Preise und Zinsen dämpfen Verbraucherausgaben und Bautätigkeit. Das Marktvolumen wird auf rund 25 % unter dem Höchststand 2021 geschätzt.

Frankreich: Die Bauwirtschaft in Frankreich bleibt schwach. Weniger Neubauten und sinkendes Verbrauchervertrauen belasten Neubau- und Renovierungsprojekte. Für 2023 wird ein Rückgang von 2–4 % geschätzt, 2024 dürfte ähnlich ausfallen.

Spanien und Portugal: 2023 erholte sich der Markt auf der Iberischen Halbinsel leicht, nachdem es 2022 Rückgänge gab. Die Bauindizes zeigten moderates Wachstum, was auch dem Markt für dekorative Farben zugutekommt.

Italien: Die Entwicklung profitierte von staatlichen Förderungen für Fassadensanierungen. Diese liefen 2023 aus, dennoch zeigt der Markt einen leichten positiven Trend.

Vereinigtes Königreich: Das Volumen ging 2023 schätzungsweise um 2 % zurück und liegt 2024 bisher weitgehend stabil.

Ausblick

Die Inflation geht zurück, und erste Zinssenkungen wurden eingeleitet. Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen bereits einmal gesenkt, weitere Schritte werden erwartet. Dies könnte die Marktlage normalisieren und die Bautätigkeit allmählich wieder ankurbeln. Eine deutliche Erholung wird jedoch nicht erwartet, und es wird mehrere Jahre dauern, bis der seit 2021 verlorene Anteil von 15 % beim Volumen wieder erreicht wird. Unter der Annahme weiterer Zinssenkungen liegt die Prognose für das jährliche durchschnittliche Volumenwachstum bis 2029 bei rund 0,8 %.

Fazit

Die letzten drei Jahre waren für den Markt schwierig. Krieg in der Ukraine, die Energiekrise 2022 und gestiegene Zinsen führten zu einem Rückgang des Marktvolumens um 15 % gegenüber 2021. Der größte Teil des Abschwungs scheint jedoch überwunden zu sein. Südeuropäische Märkte wie Italien, Spanien und Portugal zeigen wieder leichte Wachstumsimpulse, während die Bauwirtschaft in Deutschland, Frankreich, Polen und anderen Ländern noch schwächelt. Weitere Zinssenkungen könnten hier eine Erholung unterstützen.