Nachrichten Lacktechnologien

Korrosionsschutzlacke aus Schweinegülle entwickelt

Die Farbenfabrik Oellers und die Hochschule Niederrhein gewinnen Phytinsäure aus landwirtschaftlichen Reststoffen für den Einsatz in Korrosionsschutzlacken. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur besuchte das Projekt vor Ort.

Biobasierte Lackproduktion: Die Farbenfabrik Oellers erprobt Phytinsäure aus Schweinegülle als Funktionsstoff für Korrosionsschutzlacke. Quelle: Farbenfabrik_OELLERS

Die Farbenfabrik Oellers aus Aldenhoven hat gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein (HSNR) und dem Sondermaschinenbauer 3WIN ein Verfahren entwickelt, bei dem wichtige Funktionsstoffe für Korrosionsschutzlacke aus landwirtschaftlichen Reststoffen gewonnen werden. Im Mittelpunkt steht die enzymatische Extraktion von Phytinsäure vorwiegend aus Schweinegülle, deren Phosphorgehalt als Bindemittelkomponente nutzbar gemacht wird. Die resultierenden Lacke sollen bei gleicher Qualität und Leistungsfähigkeit deutlich nachhaltiger sein als konventionelle Produkte auf fossiler Basis.

Seit 2024 arbeiten die Partner in den Forschungsprojekten „P-REx“ und „BioPhosCoat“ zusammen. Derzeit erproben die Lackingenieure von Oellers im hauseigenen Labor verschiedene Modifikationen der Phytinsäure, um die besten Ergebnisse in ihren Lackformulierungen zu erzielen, wie Geschäftsführer Paul Oellers berichtet.


Lesetipp: Lacksysteme

Heutige Lacksysteme müssen eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen: vom stabilen Farbeffekt bis hin zum Korrosionsschutz. Ein umfassendes Verständnis, sowohl über die in einer Formulierung verwendeten Komponenten als auch über die Wechselwirkungen dieser untereinander, ist dazu unabdingbar. Auch der Produktionsprozess, das Beschichtungsverfahren und die Bedingungen bei der Filmbildung bestimmen das Eigenschaftsprofil der Beschichtung. In dem Buch „“Leistungsstarke Lacke formulieren„“ werden Lackchemikern oder Formulierungsspezialisten Prinzipien an die Hand gegeben, wie die Eigenschaften einer Beschichtung gezielt beeinflusst werden können. Ebenso soll dieses Wissen dazu dienen, Fehler zu vermeiden oder diese schnell zu korrigieren.


NRW-Ministerin überzeugt sich vor Ort

Im Februar besuchte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur im Rahmen ihrer „NRW Innovation Tour“ die Farbenfabrik Oellers und tauschte sich mit den Projektverantwortlichen aus. Die vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund geförderten Projekte bezeichnete die Ministerin als Beispiel dafür, wie aus Erfindungen marktfähige Lösungen entstehen. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauchen wir Menschen und Unternehmen, die sich trauen, neue Wege zu gehen“, so Neubaur.

Die Forschungsprojekte reihen sich in die Nachhaltigkeitsstrategie des traditionsreichen Unternehmens ein. Geschäftsführer Paul Oellers, der den Betrieb in zweiter Generation leitet, setzt bereits seit Jahren auf nachwachsende Rohstoffe regionaler Zulieferer – darunter Alkydharze und Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen.

Biobasierte Rohstoffe als Zukunftskonzept

Das Verfahren nutzt massenhaft vorhandene landwirtschaftliche Reststoffe und könnte damit einen Beitrag zur Reduzierung fossiler Rohstoffe in der Lackproduktion leisten. Die Kombination aus wissenschaftlichem Fundament der Hochschule Niederrhein und industrieller Anwendungskompetenz der Farbenfabrik Oellers zielt darauf ab, eine marktfähige Lösung für biobasierte Korrosionsschutzlacke zu entwickeln.

Quelle: Oellers Immex Produktions- und Vertriebs-GmbH & Co. KG, Pressemitteilung, März 2026.