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„Durch den Verzicht von Additiven verkleinern wir den ökologischen Fußabdruck“

Das Unternehmen Zuelch Industrial Coatings arbeitet an einem additivfreien Lack. Damit trägt der Lackhersteller einerseits dem Green Deal in mehrfacher Hinsicht Rechnung, macht sich aber auch unabhängiger vom Thema Rohstoffknappheit, wie Samuel Menacher erklärt. Interview von Damir Gagro
Samuel Menacher, Labormitarbeiter bei Zuelch Industrial Coatings.
Samuel Menacher, Labormitarbeiter bei Zuelch Industrial Coatings. Quelle: Zuelch Industrial Coatings

Sie arbeiten derzeit an der Entwicklung eines additivfreien Lacks. Wie kam es zu diesem Schritt und wer ist beteiligt?

Samuel Menacher: Im Rahmen des Partnerschaftsprogramms „Plasma for life“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Kunst (HAWK) entstand die Idee, die Plasmatechnologie und die Beschichtung von Kinderspielzeug zu kombinieren. Der Effekt von Plasma auf Holz war zu dem Zeitpunkt bereits Gegenstand der Forschung und neben der sehr guten Benetzung mit Wasser wurden auch Ergebnisse zu verbesserten Haftungseigenschaften von Klebstoffen publiziert. Nun sollte der Einfluss einer Plasmavorbehandlung auf die Beschichtung mit Lacksystemen näher untersucht werden.

Seit Ende 2022 läuft das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt (Az.: 38039/01) mit dem Titel „PlasmAdd – Entwicklung eines innovativen Lacksystems mit Hilfe einer Plasmavorbehandlung zur Substitution konventioneller Additive“ in Kooperation mit der HAWK. Übergeordnetes Projektziel ist dabei die Entwicklung eines nachhaltigen Lacksystems für die industrielle Beschichtung von Kleinteilen, ohne die Verwendung von chemischen Additiven, welche durch plasmatechnologische Verfahren substituiert werden.

Sowohl durch die Wahl der Bindemittel als auch durch den Verzicht von Additiven verkleinern wir so den ökologischen Fußabdruck und erhöhen gleichzeitig die Akzeptanz der Endverbraucher, auch hinsichtlich der Gesundheitsbelastungen, die von einigen Additiven ausgehen können. Der additivfreie Lack soll idealerweise nur noch aus einem biobasierten Bindemittel und Wasser bestehen. Eine ebenso additivfreie Beize enthält noch zusätzlich Pigmente. Die geringe Anzahl an benötigten Rohstoffen reduziert auch das Risiko, von Lieferengpässen betroffen zu sein, welches im Rahmen von Corona-Krise, Ukraine-Krieg und Konflikten am Roten Meer jüngst sehr real wurde.

Inwiefern trägt ein additivfreier Lack dazu bei, Ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und Ihre Prozesse effizienter zu gestalten?

Menacher: Additive sind sehr spezielle chemische Verbindungen, die zum einen in der Produktion sehr energieintensiv sind und zum anderen in der Regel aus petrochemischen Grundchemikalien hergestellt werden. Der Wegfall von Additiven schont also direkt fossile Ressourcen. Daneben entfallen Transportwege der gesamten Lieferkette aus dem Additivsegment und reduzieren den CO2-Ausstoß. In der Lackproduktion selbst fallen zusätzliche Arbeitsschritte weg und es wird kein Lagerplatz für die Additive benötigt. Für eine höhere Nachhaltigkeit sorgen auch die beiden Nebenziele im Projekt, regionale Rohstoffe zu verwenden und – soweit möglich – auf biobasierte Bindemittel zu setzen.

Weshalb haben Sie sich entschieden mit diesem Lack für Holzspielzeuge zu beginnen?

Menacher: Wir sind neben den Bereichen der Industrie- und Abziehlacke sowie Sonderprodukte auf die Spielzeuglackierung spezialisiert. Im Bereich der Massenbeschichtung von Kleinteilen bietet die Firma spezielle Lacke und Beizen für die Trommellackierung an, dabei macht die Kalttrommel zur Lackierung von kleinteiligem Holzspielzeug, wie z.B. Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren oder Holz-Perlen einen großen Teil aus. Holzspielzeuge eignen sich aufgrund ihrer strengen Anforderungen an Umweltfreundlichkeit und Sicherheit ideal als Testobjekte. Durch die innovative Plasmavorbehandlung können die hohen Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und gesundheitlicher Unbedenklichkeit erfüllt werden, was Holzspielzeuge zu einem sinnvollen Startsegment macht.

Lesetipp

Das gesamte Interview finden Sie in der Februarausgabe der FARBE UND LACK, die Sie auch bei FARBE UND LACK 360 lesen können. Hier gibt Menacher Einblicke, wann der Lack marktreif sein wird und ob das Unternehmen noch in weiteren Segmenten auf Additive verzichten möchte.

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