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Fraunhofer IPA: Was macht eigentlich Dr. Ulrich Christ?
Nach mehr als 20 Jahren F&E-Tätigkeit in der Lack- und Chemieindustrie leitete Dr. Ulrich Christ über zwölf Jahre die Lackchemische Anwendungstechnik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Von 2008 bis 2020 prägte er dort Forschung und Praxis der Lacktechnologie. Doch auch nach dem Eintritt in die reguläre Rente 2020 war für ihn noch lange nicht Schluss. Von Kirsten Wrede.
Bis Ende 2025 blieb Christ dem IPA in Teilzeit verbunden. In dieser Zeit betreute er unter anderem die Rubrik „Neue Technologien“ der Fachzeitschrift „besser lackieren“ von Vincentz Network: Er koordinierte Themen mit Kolleg:innen, redigierte Beiträge und wählte Bildmaterial aus. Daneben beriet er Projektteams am Institut und war als Gerichtsgutachter für lacktechnologische Schadensfälle tätig. Auch in Fachgremien – bei der DFO, beim DIN, bei der Gesellschaft für Korrosionsschutz und im Ausschuss für Fotokatalyse – brachte er seine Expertise ein. Als Mitautor des FARBE UND LACK-Fachbuchs „Epoxidharze“ und als Referent für Themen wie Polymerdispersionen, Korrosionsschutz und Vorbehandlung von Metalloberflächen setzte er weitere Akzente. Sieben Jahre lang hielt er zudem die Vorlesung „Pigmente“ an der Hochschule Esslingen – inklusive der herausfordernden Umstellung auf digitale Lehre im Corona-Jahr 2020, als gut 1.000 Folien vertont werden mussten.
Heute hält Ulrich Christ noch eine Vorlesung zur Lacktechnologie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. „Das mache ich, solange ich gefragt bin und es mir Spaß macht“, sagt der 71-Jährige. Fachlich bleibt er am Ball, liest weiterhin die FARBE UND LACK und trifft sich regelmäßig mit ehemaligen Kolleg:innen zum Austausch am Institut.
Der Ruhestand ist alles andere als ruhig
Abseits der Fachwelt ist Christs Ruhestand alles andere als ruhig. Zweimal pro Woche trifft er sich mit Freunden zum Sport, im Sommer kommen Radtouren und mehrtägige Bergwanderungen in den Alpen dazu. Als Sänger in zwei Chören widmet er sich anspruchsvollen Projekten – aktuell Rossinis „Petite Messe solennelle“. Konzerte und Opernbesuche u.a. in Stuttgart runden sein kulturelles Programm ab. Besonders am Herzen liegt ihm die Familie: Mit drei Kindern und fünf Enkelkindern in der Nähe seines Wohnorts Donaueschingen und in Tübingen ist immer etwas los. Und als Vorstandsmitglied der örtlichen Bürgerstiftung engagiert er sich ehrenamtlich für Kultur, Bildung und Jugend.
In ein Loch gefallen? „Überhaupt nicht“, sagt der Ruheständler und lacht. „Manchmal denke ich sogar, es ist ein bisschen viel.“