Die deutsche Wochenzeitschrift „Die ZEIT“ schrieb diese Woche „ein kleiner Umweltverein entlarvt die Machenschaften von VW – und eine ganze Industrie gerät ins Zwielicht“. Ja, ich finde es auch schlimm, dass ein Unternehmen wie VW offenbar betrogen hat, um Normen zu erfüllen und dann noch damit wirbt, dass sie die Normen erfüllen. VW feierte einen Achtungserfolg mit der „clean diesel technology“ in den USA und verhalf der dort als dreckig geltenden Technologie zu einem besseren Image. Das ist jetzt allerdings wieder dahin. Diese Krise wird sicher Auswirkungen auf die Automobilbranche haben und eventuell ein schlechtes Licht auch auf die deutsche Ingenieursgilde werfen, deren Können weltweit anerkannt wird. Aber wird es auch drastische Auswirkungen für die Lackindustrie haben? Ich glaube eher nicht, jedenfalls nicht langfristig. Wenige Dieselfahrzeuge in den USA Dazu einige Zahlen: Im Jahr 2014 wurden in den USA 16,44 Mio PKW neu zugelassen (Quelle: VDA). Der Anteil an Dieselfahrzeugen ist marginal. Es wurden von VW, General Motors, BMW und Daimler im selben Jahr gerade mal 102.203 Dieselfahrzeuge in den USA zu gelassen. Davon der größte Anteil (80.441) mit der „clean diesel“ Technologie von Volkswagen. Weltweit hat VW 2014 nahc eigenen Angaben 10,14 Millionen Autos ausgeliefert und ist damit hinter Toyota der zweitgrößte Automobilhersteller. Der Marktanteil von VW an der globalen Autoproduktion beträgt 13,55 %. VW verliert an Glaubwürdigkeit, aber weniger Autos werden weltweit sicher nicht gebaut Die Märkte in Westeuropa und USA sind relativ gesättigt und das prognostizierte Wachstum für OEM Autolacke bis 2018 liegt bei knapp 5%. Die Musik spielt in China, auch wenn dort das Wachstum zurzeit nicht mehr ganz so rasant ist. Zum Vergleich: In den USA besitzen 918 Menschen von Tausend ein Auto, in Deutschland immerhin noch 614. In Brasilien haben 176 von Tausend ein Auto und in China sind immer 86 von Tausend Autobesitzer. Wenn China das Niveau von Brasilien erreichte wären das zirka 120 Millionen Fahrzeuge und die müssen alle lackiert werden! Nicht umsonst haben immer mehr global agierende Lackhersteller auch Produktionsstätten in China. Kurzzeitige Einbußen möglich Sollten die Absätze von VW durch diese Krise tatsächlich zurückgehen, hat das natürlich direkt Auswirkungen auf die Lackhersteller, die VW beliefern. Aus der Lackherstellerbranche höre ich zurzeit vornehmlich, dass erst mal abgewartet werden müsse. Andere Kenner der Branche meinen, dass die Absätze vermutlich nicht so stark zurückgehen werden, da beispielsweise in Deutschland die Dieselfahrzeuge steuerlich begünstigt sind und weniger verbrauchen. Mein Zwischenfazit lautet: Großer Imageschaden für VW und ein Dämpfer für die Automobilbranche, aber Autos sind und bleiben ein beliebtes Luxusgut auf der ganzen Welt. Die Anzahl der Fahrzeuge wird weiter steigen, aber der Anteil von VW wird sicher eine Zeit lang etwas geringer werden.
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