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Die Konsolidierungswelle rollt
Mega-Deals prägen den Markt. Strategische Neuausrichtung, globale Konsolidierung und wachsender Druck auf den Mittelstand bestimmen das Bild der Farben- und Lackindustrie in der DACH-Region. Von Markus Loy, Loy & Co Corporate Finance
Der M&A-Markt in der Farben- und Lackindustrie hat sich in den Jahren 2025 und 2026 grundlegend gewandelt. Nach einer Phase relativer Zurückhaltung, bedingt durch hohes Zinsniveau, schwächelnde Baukonjunktur und volatile Rohstoffmärkte, erleben wir nun eine Rückkehr der großen Transaktionen. Gleich mehrere Milliarden-Deals prägen das Bild: Der Verkauf der BASF-Lacksparte an den internationalen Finanzinvestor Carlyle und die Qatar Investment Authority, der geplante Zusammenschluss zwischen Akzo Nobel und Axalta sowie die Übernahme des Beschichtungsspezialisten Stahl durch Henkel. Der Mittelstand konsolidiert derweil weiter, wenn auch stiller und weniger spektakulär. Gleichzeitig gerät die Branche wirtschaftlich unter Druck: Laut dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) sank die Verkaufsmenge 2025 um 2,8 %. Besonders betroffen dabei Bauten- und Druckfarben. Dieses Zusammenspiel zeigt deutlich, dass gerade in Zeiten konjunktureller Schwäche, Unternehmen Skalierung, Synergien und strategische Neupositionierung suchen. Zudem und weiterhin, ist gerade im Mittelstand, das Thema Nachfolge omnipräsent.
Drei Transaktionen dominieren das Bild und werden die Branchenstruktur auf Jahre hinaus verändern. Allen gemeinsam ist das Motiv der strategischen Neuausrichtung; weg vom Konglomerat, hin zum fokussierten Spezialisten oder zur globalen Größe.
BASF Coatings: Carve-out für 7,7 Mrd. EUR
Die mit Abstand größte DACH-Transaktion im Bereich Farben und Lacke ist der Verkauf der BASF-Lacksparte an den US-amerikanischen Finanzinvestor Carlyle und den staatlichen Fonds Katar (QIA). Vertragsunterzeichnung erfolgte am 10. Oktober 2025. Die EU-Kommission erteilte am 4. Juni 2026 die Freigabe der Transaktion, unter der Auflage, dass Carlyle das weltweite Polysulfid-Geschäft seiner Bestandsbeteiligung Nouryon (Werk Greiz) veräußert. Nouryon ist einer von nur zwei globalen Polysulfid-Lieferanten, mit einem Schlüsselrohstoff für Aerospace-Sealants. Da BASF Coatings als Sealant-Hersteller ein bedeutender Polysulfid-Abnehmer ist, fürchtete Brüssel eine wettbewerbsschädliche vertikale Verzahnung im Carlyle-Portfolio.
Die Sparte umfasst Fahrzeugserienlacke (OEM), Autoreparaturlacke (Refinish) und Oberflächentechnik und beschäftigt rund 6.000 Mitarbeiter(innen). Der Umsatz liegt bei etwa 3,8 Mrd. EUR. BASF behält eine Beteiligung von 40 % und kassiert rund 5,8 Mrd. EUR in bar. Für BASF ist es ein strategischer Rückzug aus dem Commodity-nahen Lackgeschäft; für Carlyle ein klares Bekenntnis zur Farben- und Lackindustrie als attraktive Investmentklasse.
AkzoNobel und Axalta: Wenn der Defensiv-Merger zur Bieterschlacht wird
Noch aufsehenerregender ist die geplante Fusion von Akzo Nobel und Axalta Coating Systems, angekündigt am 18. November 2025. Als Merger of Equals konzipiert (Partnerschaft auf Augenhöhe), halten Akzo Nobel-Aktionäre 55 %, Axalta-Aktionäre 45 % am kombinierten Unternehmen. Mit einem gemeinsamen Umsatz von rund 17 Mrd. USD und einem Synergiepotenzial von geschätzten 600 Mio.USD entstünde ein echter Weltmarktführer in der Beschichtungsindustrie.
Im April 2026 versuchten Nippon Paint und Sherwin-Williams, die Fusion zu torpedieren: Mit zwei aufeinanderfolgenden Barangeboten (zuletzt 73 EUR je Akzo Nobel-Aktie, entsprechend einem 12,5 Mrd. EUR Cash-Offer) versuchte das Konsortium eine feindliche Übernahme. Geplant war, Akzo Nobel aufzuspalten: Nippon Paint hätte Dekofarben und Industrielacke übernommen, Sherwin-Williams die Automotive-, Marine- und Pulverlacke. Beide Angebote wurden vom AkzoNobel-Vorstand unter der Begründung, dass der der Preis den Wert unter Berücksichtigung der Axalta-Synergiepotenziale nicht angemessen abbilde, abgelehnt. Nippon Paint und Sherwin-Williams haben am 3. Juni 2026 offiziell verkündet, die Bemühungen um eine AkzoNobel-Übernahme zu beenden. Dieser Bieterwettbewerb zeigt eindrucksvoll, welchen strategischen Wert die großen börsennotierten Lackkonzerne für internationale Käufer haben und wie hoch die Bereitschaft ist, entsprechende Prämien zu zahlen.
Lesen Sie den vollständigen Artikel in FARBE UND LACK für eine detaillierte Analyse der Konsolidierungstrends, Bewertungsniveaus und aktiven Käufer, die die Farben- und Lackindustrie prägen. Erfahren Sie mehr über:
- die Übernahme von Stahl durch Henkel sowie die weniger sichtbare, aber strategisch bedeutende Konsolidierung unter mittelständischen Unternehmen in der DACH-Region;
- aktuelle Bewertungsniveaus bei großen Transaktionen und mittelständischen Lackunternehmen, einschließlich der Faktoren, die hohe EBITDA-Multiples ermöglichen;
- die aktivsten strategischen und finanziellen Käufer im DACH-Markt und warum die Jahre 2026 und 2027 für gut vorbereitete Verkäufer ein besonders attraktives Zeitfenster bieten könnten.
Lesetipp
Wie wird der Wert eines Unternehmens in der Farben- und Lackindustrie bestimmt? Im Artikel beschreibt Markus Loy, was entscheidend für die richtige Bewertung von Unternehmen aus der Farben- und Lackindustrie ist.