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„Eine der größten Herausforderungen ist die Transformation eines energieintensiven Produktionsnetzwerks“

Die Nachhaltigkeitsleistung von Lanxess wurde im Dow Jones Best-in-Class Index gewürdigt. Mit seinem Klimatransformationsplan will das Unternehmen bis 2040 klimaneutral werden und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen. Sebastian Röhrig, Head of Corporate Responsibility, erläutert die Strategien hinter diesen Zielen sowie Maßnahmen in den Bereichen Klima, Wassermanagement und Produktverantwortung und die Hürden auf dem Weg dorthin. Interview von Vanessa Bauersachs

Quelle: Proxima Studio – stock.adobe.com

Die Dow-Jones-Bewertung hob besonders starke Ergebnisse in den Bereichen Klimastrategie, Wasser, Menschenrechte und Produktverantwortung hervor. Beginnen wir mit dem Klima: Welche konkreten Maßnahmen haben Sie bislang in Ihren Produktionsbetrieben umgesetzt, und wo steht Lanxess aktuell auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040?

Sebastian Röhrig, Head of Corporate Responsibility bei Lanxess. Quelle: Lanxess
Sebastian Röhrig, Head of Corporate Responsibility bei Lanxess. Quelle: Lanxess

Sebastian Röhrig: Der Klimatransformationsplan von Lanxess basiert auf drei operativen Hebeln: Prozessexzellenz, nachhaltige Dampferzeugung und saubere Elektrizität. In unseren Produktionsbetrieben setzen wir bereits eine Vielzahl von Maßnahmen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen um. Dazu zählen Wärmerückgewinnung in thermischen Oxidationsanlagen, energieoptimierte Motoren, verbesserte Isolierung, die Elektrifizierung der Dampferzeugung, industrielle Wärmepumpen, Brüdenverdichtung und Elektroboiler. Ein Beispiel für Prozessexzellenz ist unser Standort in El Dorado in den USA: Dort gewinnen wir Wärme aus heißen Prozessströmen zurück und nutzen sie zum Vorwärmen kälterer Ströme. Dadurch sparen wir rund 5.300 Tonnen CO₂ pro Jahr ein.

Unser Ziel ist es, bis 2040 bei den Emissionen der Kategorien Scope 1 und 2 klimaneutral zu werden und bis 2050 für Scope 3 Netto-Null zu erreichen. Im Jahr 2025 lagen die Scope-1- und Scope-2-Emissionen bei 1.731 Kilotonnen CO₂-Äquivalenten. Zum Vergleich: Im Jahr 2004, als Lanxess gegründet wurde, betrug das entsprechende Emissionsniveau rund 6.500 Kilotonnen CO₂-Äquivalente.

Wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser in Ihrer chemischen Produktion konkret aus, und welche Maßnahmen hatten bislang den größten Effekt?

Röhrig: Für Lanxess bedeutet ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser, Wasser strukturiert und standortspezifisch zu managen. Dafür nutzen wir unser Water Stewardship Framework. Dazu gehören Risikoanalysen für einzelne Standorte, Wasserbilanzanalysen, lokale Aktionspläne, der Dialog mit Stakeholdern und die Überwachung der Leistung. Einer unserer Schwerpunkte ist die Verringerung der Wasserentnahme an Produktionsstandorten in Regionen mit Wasserknappheit oder Wasserrisiken. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen die Optimierung von Kühltürmen in Latina in Italien, wassersparende Maßnahmen in Qingdao in China sowie ein Produktionsstandort ohne Abwassereinleitung und Regenwasserprojekte gemeinsam mit lokalen Gemeinden in Indien. Ende 2025 hatten wir zehn Standorte mit Wasserrisiken identifiziert, gegenüber 14 im Jahr 2019. An diesen Standorten konnten wir die Wasserentnahme im Vergleich zu 2019 um 41 % reduzieren. Zudem haben wir uns ein neues Ziel gesetzt: Bis 2028 soll die absolute Wasserentnahme an Standorten mit Wasserrisiken um weitere 9 % sinken.

Auch die Produktverantwortung war ein Bereich, der in der Bewertung besonders gut abschnitt. Was bedeutet das in der Praxis für die beschichtungsrelevanten Teile Ihres Portfolios – etwa im Hinblick auf bedenkliche Stoffe oder Reformulierungen?

Röhrig: Für unsere beschichtungsrelevanten Produkte bedeutet Produktverantwortung sichere Inhaltsstoffe, regulatorische Konformität, geringere Produkt-CO₂-Fußabdrücke und gegebenenfalls Reformulierungen. Mit unserem Product Sustainability Monitor identifizieren wir Produkte, die kritische Stoffe enthalten, darunter besonders besorgniserregende Stoffe (Substances of Very High Concern, SVHC) in Konzentrationen von mehr als 0,1 %. Auf Grundlage dieser Analyse definieren wir Aktionspläne für Substitution, Reformulierung oder Ausphasung. Ein Beispiel sind Phthalat-Weichmacher, die Lanxess 2022 vollständig aus dem Sortiment genommen hat. Heute bieten wir mit „Mesamoll“ eine phthalatfreie Weichmacher-Alternative für PVC, PUR, Acrylate und Kautschuk an. Das Produkt wird auch in Beschichtungen und beschichteten Textilien eingesetzt. Mehr als 30 % der eingesetzten Rohstoffe stammen aus vollständig nachhaltigen Quellen, was ebenfalls zur Verringerung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks beiträgt.

Darüber hinaus haben wir unter dem Label Scopeblue ein Portfolio nachhaltiger Produkte aufgebaut. Im Vergleich zu konventionellen Produkten müssen Scopeblue-Produkte entweder mindestens 50 % nachhaltige Rohstoffe enthalten oder einen mindestens 50 % niedrigeren CO₂-Fußabdruck aufweisen. Ein Beispiel ist Trimethylolpropan, das in Beschichtungen, Schäumen, Klebstoffen und Schmierstoffen verwendet wird und ebenfalls als Scopeblue-Produkt erhältlich ist.

Was waren auf diesem Weg die größten technischen oder organisatorischen Hürden?

Röhrig: Eine der größten Herausforderungen besteht darin, ein energieintensives Produktionsnetzwerk umzugestalten und gleichzeitig Produktqualität, Zuverlässigkeit und Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Besonders schwierig ist dies im aktuellen Umfeld, in dem wir die Kosten genau im Blick behalten müssen. Die chemische Industrie ist mit einer schwachen wirtschaftlichen Lage, geopolitischen Spannungen, starkem Preisdruck und Überkapazitäten konfrontiert – insbesondere in Asien und China. In Europa stellen zudem Bürokratie, hohe Energiekosten und der Emissionshandel große Herausforderungen dar. Das gilt insbesondere deshalb, weil sich die regulatorischen Rahmenbedingungen und die CO₂-Kostenstrukturen von Region zu Region erheblich unterscheiden. Eine weitere Herausforderung ist die begrenzte Verfügbarkeit biobasierter oder zirkulärer Rohstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen und in gleichbleibender Qualität. Hier sind wir auf zuverlässige und zertifizierte Lieferketten angewiesen.

Veranstaltungstipp

Die European Coatings Sustainable Coatings Conference, die am 3. und 4. November 2026 in Amsterdam, Niederlande, stattfindet, vermittelt praxisnahe Einblicke in CO₂-arme Technologien, Ansätze der Kreislaufwirtschaft, biobasierte und wasserbasierte Systeme sowie belastbare Bewertungsmethoden wie Ökobilanzen (Life Cycle Assessment, LCA) und Massenbilanzierung. Erfahren Sie, wie die Branche auf regulatorischen Druck, Kundenerwartungen und Materialengpässe reagiert – und wie Nachhaltigkeit zu einem messbaren Geschäftsvorteil statt zu einer reinen Compliance-Belastung werden kann.

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