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Interview: „Korrosion verursacht eine große, aber oft verborgene Umweltbelastung“

Korrosionsbedingte Abfallströme tragen erheblich zu Umweltbelastungen bei: Rund 40 % der weltweiten Stahlproduktion werden benötigt, um bereits korrodierte Metalle zu ersetzen. In diesem Interview erläutert Jorrit van Rijn, Marketing Director bei AkzoNobel Powder Coatings, wie moderne Pulverbeschichtungstechnologien und Prüfmethoden dazu beitragen können, diese Auswirkungen zu verringern – indem sie Produktlebenszyklen verlängern und die Nachhaltigkeit verbessern.

Korrosionsbedingte Abfälle tragen erheblich zu Umweltbelastungen bei.
Korrosionsbedingte Abfälle tragen erheblich zu Umweltbelastungen bei. Quelle: beugdesign – stock.adobe.com

Wie groß ist die Umweltbelastung durch korrosionsbedingte Abfallströme und welche weitergehenden ökologischen Auswirkungen hat dies?

Jorrit van Rijn, Marketing Director bei Akzo Nobel Powder Coating
Jorrit van Rijn, Marketing Director bei AkzoNobel Powder Coatings

Jorrit van Rijn: Korrosion verursacht eine große, aber oft verborgene Umweltbelastung. Weltweit werden rund 40 % der neu produzierten Stahlmengen eingesetzt, um bereits korrodierte Metalle zu ersetzen. Das führt zu unnötigem Energieverbrauch, Emissionen und Abfällen. Dieser Ersatzkreislauf wird auf etwa 3,2 % der globalen CO₂-Emissionen geschätzt, die durch besseren Korrosionsschutz vermieden werden könnten.

In Europa wird dieses Thema zunehmend sichtbarer, da sich Vorschriften immer stärker auf gebundenen Kohlenstoff, Dauerhaftigkeit und Produktlebensdauer konzentrieren. Korrosionsbedingter frühzeitiger Ersatz führt nicht nur zu mehr Abfall und Deponierung, sondern auch zu höheren CO₂-Fußabdrücken und Compliance-Risiken. Die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten durch besseren Korrosionsschutz ist daher eine der wirksamsten Maßnahmen, um sowohl Umweltbelastungen als auch Ressourcenverbrauch zu reduzieren.

Welche Rolle spielen Beschichtungen und wie können Formulierer technisch dazu beitragen, die im Bericht aufgezeigten Umweltabfälle zu reduzieren?

Van Rijn: Beschichtungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Verlangsamung von Korrosion und der Verlängerung der Produktlebensdauer, was direkt Ausschuss, Nacharbeit und vorzeitigen Ersatz reduziert. Ihr Umweltwert liegt in der Dauerhaftigkeit: Je länger ein Produkt hält, desto weniger Ressourcen und Energie werden für Ersatz benötigt.

  • Beschichtungsformulierer können beitragen, indem sie:
  • Höhere Schutzstufen liefern: Da Umgebungen immer anspruchsvoller werden und die Anforderungen an die Lebensdauer steigen, wechseln viele Anwendungen vom ISO-12944-Schutzstandard „mittel“ C3 zu „hoch“ C4 oder sogar „sehr hoch“ C5, um die erwartete Dauerhaftigkeit zu erreichen.
  • Kantenkorrosion reduzieren: Korrosion beginnt häufig an scharfen Kanten, an denen Beschichtungen während des Aushärtens natürlicherweise dünner werden. Formulierer können den Pulverfluss so anpassen, dass auch an diesen Stellen ausreichend Beschichtung verbleibt – ein entscheidender Faktor für eine hohe Dauerhaftigkeit in C4-/C5-Umgebungen.
  • Ein-Schicht- oder Dünnschichtsysteme entwickeln, die ihre Leistung beibehalten und gleichzeitig Materialeinsatz und Abfall reduzieren.

Angesichts von bis zu 875 Mrd. US-Dollar vermeidbarer Korrosionskosten: Wie können moderne Prüfmethoden Beschichtungsanbietern helfen, langfristige Umweltvorteile besser zu belegen?

Van Rijn: Moderne Prüfmethoden helfen Beschichtungsanbietern nachzuweisen, dass langlebiger Korrosionsschutz reale Umweltvorteile bringt. Historisch stützte sich die Branche auf kontinuierliche Salzsprühnebeltests, heute liegt der Fokus jedoch auf zyklischen Korrosionsprüfungen, wie sie beispielsweise in ISO 12944 beschrieben sind. Diese kombinieren Salzeinwirkung mit Trocknungsphasen, Feuchtigkeit und UV-Licht. Solche realistischeren Zyklen spiegeln die tatsächliche Bewitterung besser wider und geben Herstellern mehr Vertrauen in die tatsächliche Lebensdauer einer Beschichtung.

Das ist wichtig, da Korrosionskosten als vermeidbar gelten. Die Vermeidung vorzeitiger Ausfälle reduziert den Bedarf an Ersatzmaterialien, Energieeinsatz und Emissionen. Aussagekräftige Prüfungen unterstützen zudem europäische regulatorische Anforderungen und Kundenerwartungen, indem sie glaubwürdige Nachweise für langfristige Dauerhaftigkeit liefern.

In welchem Umfang können moderne Pulverbeschichtungstechnologien den ökologischen Fußabdruck der Produktion senken, indem sie Produktlebenszyklen verlängern und den Ressourcenverbrauch reduzieren?

Van Rijn: Moderne Pulverbeschichtungstechnologien können die Umweltbelastung erheblich senken, indem sie Produktlebenszyklen verlängern und die Fertigungseffizienz verbessern. Umfragedaten zeigen, dass 76 % der Hersteller sagen, Pulverbeschichtungen verlängern die Lebensdauer von Produkten, während 74 % glauben, dass sie die Umweltbelastung reduzieren, und 68 % angeben, dass Pulverbeschichtungen die besten Produktionseffizienzen bieten. Dies unterstreicht den direkten Zusammenhang zwischen Dauerhaftigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit.

Durch die Verlängerung der Nutzungsdauer tragen Pulverbeschichtungen dazu bei, den Bedarf an Ersatzstahl und Neuproduktion zu reduzieren – ein wichtiger Faktor angesichts des Ausmaßes korrosionsbedingter Materialverluste. Gleichzeitig ermöglichen Innovationen wie Ein-Schicht-Systeme und dünnere Schichten einen geringeren Materialeinsatz bei gleichbleibender Leistung, was Abfall und Ressourcenverbrauch weiter reduziert.

Wie treiben sich wandelnde Umwelt- und Leistungsstandards Innovationen im nachhaltigen Korrosionsschutz auf globalen Fertigungsmärkten voran?

Van Rijn: Weltweit ermutigen Umweltvorschriften und steigende Anforderungen an die Dauerhaftigkeit Hersteller dazu, Produktlebensdauer, Materialeffizienz und CO₂-Transparenz stärker in den Fokus zu rücken. Langlebiger Korrosionsschutz wird zunehmend als Möglichkeit gesehen, Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen und gleichzeitig die Zuverlässigkeit von Anlagen zu verbessern. Zur Unterstützung dieser Bestrebungen nutzt die Branche verstärkt Umweltproduktdeklarationen (EPDs), die unabhängig verifizierte Daten zum gebundenen Kohlenstoff von Beschichtungen liefern. Dies hilft Herstellern, die vollständigen Lebenszyklusauswirkungen fertiger Produkte zu berechnen und fundiertere, nachhaltigkeitsorientierte Entscheidungen zu treffen.

Gleichzeitig greifen Hersteller vermehrt auf Leistungszertifizierungen durch Dritte zurück, etwa Qualisteelcoat im Stahlbereich, um die langfristige Korrosionsbeständigkeit von Pulverbeschichtungen zu belegen. Diese Zertifizierungen geben Sicherheit, dass Beschichtungssysteme auch in anspruchsvollen Umgebungen eine nachgewiesene Dauerhaftigkeit bieten.

Gemeinsam treiben diese Entwicklungen Innovationen bei Beschichtungen voran, die die Produktlebensdauer verlängern, den Ressourcenverbrauch senken und zu einer nachhaltigeren Fertigung beitragen.