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Klebstoffe aus dem Hühnerstall: Wenn Federn zu Holzleim werden
Forschende vom Fraunhofer IFAM und der Universität Pau entwickeln biobasierte Klebstoffe aus Federabfällen. Das enthaltene Keratin zeigt vielversprechende Haftkraft – und könnte künftig synthetische Holzleime ersetzen.
Federn fallen in der Landwirtschaft in großen Mengen an. Während ein Teil als Füllmaterial für Textilien oder Dekoartikel dient, landen große Mengen ungenutzt auf Deponien – eine Folge ihrer schlechten Brennbarkeit und der schwierigen Verwertung. Dabei bestehen Federn aus Keratin, einem Protein, das auch in Haaren und Fingernägeln vorkommt und sich chemisch modifizieren lässt. Viele traditionelle Klebstoffe wie Knochen- oder Kaseinleim basieren ebenfalls auf Proteinen, weshalb Keratin eine interessante Basis für biobasierte Leime bietet.
Forschende des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen und der Universität Pau in Südfrankreich untersuchen nun, ob sich Keratin aus Federn für die Holzverleimung eignet. Als Ausgangsmaterial dienten Entenfedern aus der Bretagne. Entwickelt wurde ein wässriger, lösemittelfreier Klebstoff, da klassische Holzleime ohnehin häufig auf Proteinbasis formuliert werden.
Lesetipp: Klebstoffe und Dichtstoffe
Aus der „Sicht des Chemikers“ geschrieben, vermittelt „Formulierung von Kleb- und Dichtstoffen“ anhand von Grundlagen, Formulierungshinweise sowie Analysen bestehender Rezepte. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Zusammensetzung und Bestandteile der verschiedenen Klebstoffarten, deren chemische Strukturen und funktionellen Gruppen. Die daraus resultierenden Eigenschaften werden sowohl für die Endanwendung als auch für die Applikation der Systeme abgeleitet.
Gute Haftung und geringe Brennbarkeit
Nach Optimierung des Hydrolyseprozesses konnte das Keratin-Produkt gereinigt und direkt als Klebstoff eingesetzt werden. Holzproben, die mit dem Material verpresst wurden, zeigten in mechanischen Tests eine überzeugende Klebkraft – vergleichbar mit konventionellen Weißleimen. Besonders bemerkenswert: Der federbasierte Klebstoff ist schwer entflammbar. Diese Eigenschaft könnte künftig genutzt werden, um den Brandschutz im Holzbau zu verbessern.
Bis zur Marktreife ist jedoch noch Entwicklungsarbeit nötig. Die Forschenden wollen die Wasserbeständigkeit der Klebverbindungen erhöhen und die Brandhemmung gezielt untersuchen. Gelingt die Skalierung, könnten federbasierte Holzklebstoffe schon in wenigen Jahren eine nachhaltige, biologisch abbaubare Alternative zu synthetischen Leimen darstellen.
Quelle: Fraunhofer IFAM & Universität Pau et des Pays de l’Adour, 2025.