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Pulverbeschichtungen: Fortschritte bei Additiven und Nachhaltigkeit

Innovationen für Effizienz und Umweltfreundlichkeit: Andreas Schneider, Senior Scientist am Europäischen Zentrum für Dispersionstechnologien SKZ, spricht über technologische Fortschritte bei Additiven und nachhaltigen Konzepten für Pulverbeschichtungen.

Quelle: Natalia - stock.adobe.com

Wo sehen Sie große Innovationen bei Additiven für Pulverbeschichtungen?

Andreas Schneider: Abgesehen von der Polymerseite gibt es zahlreiche andere Innovationsbereiche für Pulverbeschichtungen, die die Branche vorantreiben. Ein Hauptfokus liegt auf der Nachhaltigkeit und der Leistung von Additiven und Pigmenten. So werden zum Beispiel biobasierte oder aus recyceltem Material hergestellte Pulverlacke entwickelt, die den CO2-Fußabdruck reduzieren. Ein weiterer entscheidender Bereich ist die Prozesstechnik. Hierzu gehören Innovationen, die eine Aushärtung bei niedrigeren Temperaturen oder kürzeren Zeiten ermöglichen. Dies ermöglicht die Beschichtung von temperaturempfindlichen Substraten wie Holz, Kunststoffen und bestimmten Verbundwerkstoffen. Zusätzlich gibt es Entwicklungen im Bereich der Dünnschichtpulverlacke, die den Materialverbrauch und das Gewicht der Beschichtung reduzieren.

Auch bei den Additiven gibt es bemerkenswerte Fortschritte. Neue Additive verbessern die Kratz- und Korrosionsbeständigkeit der Beschichtungen, wirken antiviral und können sogar selbstheilende Eigenschaften verleihen, die kleine Risse automatisch verschließen. Durch spezielle Additive wie z.B. Infrarotabsorber oder induktiv aktive Materialen können Pulverlacke gezielter und schneller ausgehärtet werden, so dass temperaturempfindliche Materialien beschichtet werden können.

Wie können Pulverbeschichtungen nachhaltiger werden? Ist biobasiert eine Option?

Schneider: Pulverbeschichtungen können auf verschiedene Weisen nachhaltiger gestaltet werden, indem die gesamte Prozesskette optimiert wird. Ein entscheidender Aspekt ist die Senkung des Energieverbrauchs, beispielsweise durch die Verwendung von Pulvern, die bei niedrigeren Temperaturen einbrennen. Hierzu ermöglichen ebenfalls wie oben beschrieben spezielle Additive eine schnelle Aushärtung. Ebenso trägt die Reduzierung der Schichtdicke des Pulvers dazu bei, Material zu sparen und den Energieaufwand zu minimieren.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Wiederverwendung von Overspray, also überschüssigem Pulver, welches nahezu verlustfrei in den Beschichtungsprozess zurückgeführt werden kann, was den Abfall deutlich reduziert. Die Langlebigkeit der Beschichtung selbst ist ebenfalls nachhaltig, da sie Produkte vor Korrosion schützt und so ihre Lebensdauer verlängert. Die Pulverbeschichtung ist von Natur aus umweltfreundlicher als Nasslacke, da sie ohne Lösungsmittel und flüchtige organische Verbindungen (VOC) auskommt. Für nicht ableitfähige Substrate sind in der Regel Nasslackprimer nötig, um diese pulverbeschichten zu können. Hier wird an der Applikation von pulverförmigen, ableitfähigen Primern geforscht, um Lösemittel- und VOC-frei applizieren zu können. Des Weiteren kann man hier den Energieaufwand im Vergleich zu wasserbasierten Primern, die getrocknet werden müsen, erheblich verringern.