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Interview: Geobasierte Rohstoffe als nachhaltige Alternative zu fossilen Ressourcen

Nanomaterialien sind längst fester Bestandteil industrieller Beschichtungssysteme. Dr. Frank Groß von Nano-X erklärt, wie geobasierte Rohstoffe wie Silane und Siloxane nicht nur funktionelle, sondern auch nachhaltige Lösungen ermöglichen – frei von PFAS, Mikroplastik und aromatischen Verbindungen.

Dr. Frank Groß forscht bei Nano-X an nachhaltigen Silan-Beschichtungen, die ohne PFAS, Mikroplastik und Lösungsmittel auskommen. Quelle: saha - stock.adobe.com / Nano-X

Nanomaterialien und deren Funktionen: komplett in der Industrie angekommen, Trend oder Hype?

Frank Groß: Hochleistungsbeschichtungen auf Basis der Nanotechnolgie sind in der Industrie angekommen. Mit den sogenannten Nanomaterialien lassen sich funktionelle Beschichtungen herstellen, die sich durch hohe Härte, sehr gute Kratzfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit auszeichnen. Darüber hinaus sind wichtige Eigenschaften wie IR-Reflektion, Abgas-Katalyse oder Photokatalyseeigenschaften möglich. Aber es können auch superhydrophobe oder superhydrophile Oberflächen eingestellt werden.
Auf diese Weise können Boden- oder Fassadenoberflächen erhalten werden, die sich nicht nur besser reinigen lassen, sondern in der Sonnenhitze auch kühler bleiben.

Umweltfreundliche Solarkraftwerke, deren Spiegel selbst nach starken Wüsten-sandstürmen hochglänzend bleiben, sind Stand der Technik. Nano-X ist schon seit über 25 Jahren in diesem Markt tätig. Unsere Industriebeschichtungen auf Basis der Nanotechnologie sind wasserbasiert oder nutzen nur so wenig Lösungsmittel wie nötig. Wir haben dieses Jahr eine blitzschnell über UV-Licht härtende, lösungsmittelfreie an-organisch-organische Silan-Beschichtung vorgestellt, die kein schädliches PFAS, kein Mikroplastik oder keine giftigen Aromaten, z.B. Bisphenole, enthält. Bei der Anwendung der Nanomaterialien sollte der Kunde die gesamten Prozesskosten unter die Lupe nehmen und nicht nur auf den Einkaufspreis schauen. Unsere Technologie ist nachhaltig, klima- und umweltfreundlich und spart im industriellen Herstellungsprozess Kosten und Energie ein.

Wieviel Nachhaltigkeit, bzw. bio-basierte Rohstoffe ist im Bereich funktionelle Beschichtungen möglich oder wird schon realisiert?

Groß: Vor ein paar Jahren sah ich eine Umfrage, da lag das Thema „biobasiert“ noch auf den hinteren Plätzen. Seitdem hat sich viel jedoch getan und der Druck durch den fortschreitenden Klimawandel wächst stetig. Der gezielte Einsatz biobasierter und geobasierter Rohstoffe trägt wesentlich zu Nachhaltigkeit, Rohstoffeffizienz und dem Schutz der Umwelt bei. Biobasierte Materialien werden aus nachwachsenden Ressourcen gewonnen und helfen uns somit, die Abhängigkeit von fossilen Kohlenstoff aus Erdöl und Erdgas zu verringern. Geobasierte Rohstoffe wie etwa siliciumhaltige Silane und Siloxane, stellen zusätzlich eine breit verfügbare Alternative dar. Beide Rohstoffklassen werden bereits bei uns und in der verarbeitenden Industrie eingesetzt. Während aus biobasierten Beschichtungen bei der Zersetzung wieder CO, als Treibhausgas frei wird, wandelt sich bei unseren Silan-beschichtungen ein Großteil in festes SiO, um, das nicht zum Treibhauseffekt beiträgt.

Wir bieten in unserem Portfolio neben fertigen Industriebeschichtungen auch silicium-funktionelle Rohstoffe für innovative Farben- und Lackhersteller unter dem Markennamen „SiliXan“ an. Die Kombination biobasierter und geobasierter Rohstoffe ermöglicht demnach innovative Materialkonzepte mit optimiertem Energieeinsatz über den gesamten Lebenszyklus hinweg. In den Zeiten des globalen Wandels gewinnen solche rohstoffstrategischen Lösungen zunehmend an Bedeutung, da sie ökologische und ökonomische Herausforderungen miteinander vereinen. Diese beiden Rohstoffklassen werden langfristig zu einer anpassungs- und zukunftsfähigeren Gesellschaft und Industrie beitragen.