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Bautenfarben: Ein Markt im Wandel
Die Branche für Bautenfarben, die Farben, Grundierungen, Versiegelungen, Beizen und Lacke für Innen- und Außenanwendungen umfasst, ist nach wie vor eine dominierende Kraft auf dem globalen Markt für Farben und Beschichtungen. Die Chem Quest Group schätzt, dass der weltweite Markt für dekorative Bautenanstrichmittel im Jahr 2024 ein Volumen von 27,7 Milliarden Litern im Wert von 81 Milliarden Euro erreichen wird. Von Kirsten Wrede.
Das Segment der Bautenfarben macht fast die Hälfte des gesamten Lack- und Beschichtungsmarktes aus. Die wichtigsten regionalen Anteile verteilen sich wie folgt:
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Asien-Pazifik: 52 %
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Europa: 16 %
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Lateinamerika: 12 %
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Nordamerika: 11 %
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Mittlerer Osten und Afrika: 9 %
Für den Zeitraum 2024–2029 wird eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 2,8 % im Volumen und 5,0 % im Wert erwartet. Haupttreiber sind zunehmende Nachhaltigkeitsbestrebungen, Urbanisierung und wirtschaftliche Expansion.
Führende Marktakteure
Der Markt für Bautenfarben wird von global aufgestellten, diversifizierten Konzernen dominiert. Sherwin-Williams ist derzeit der weltweit größte Anbieter. Weitere bedeutende Unternehmen sind Akzo Nobel, Asian Paints, Axalta, Jotun, Kansai, Nippon Paint, PPG/Versaflex und BASF. Auffällig ist, dass PPG sein Nordamerika-Geschäft für Bautenfarben kürzlich an American Industrial Partners verkauft hat.
Malte Nitz, Head of Global Strategy, Sustainability & Market Intelligence – BASF Dispersions & Resins, erklärt:
„Die aktuelle wirtschaftliche Lage – geprägt von Inflation und anhaltend hohen Zinsen – führt zu Unsicherheit in der Branche. Infolgedessen steigt der Wunsch nach zuverlässigen und resilienten Lieferketten sowie nach lokaler Beschaffung mit vertrauenswürdigen Partnern, um Stabilität zu gewährleisten.“
Laut dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) werden Bautenfarben im Jahr 2024 etwa 47 % des Gesamtmarktes für Farben und Lacke ausmachen.
Dr. Nicole Borho, Manager Portfolio Sustainability bei DAW, ergänzt: „Weltweit erwarten wir bis 2025 ein leichtes Wachstum des Marktvolumens um rund 2 %. Bautenfarben folgen dabei dem allgemeinen Marktentwicklungstrend und weichen nicht signifikant vom Gesamtmarkt ab – ihr Marktanteil bleibt damit stabil.“
Auch Henrik Bergstrom, Senior Vice President Architectural Coatings bei PPG für Lateinamerika, EMEA und Asien-Pazifik, schätzt den weltweiten Markt für Bautenfarben auf etwa 85,5 Milliarden Euro – rund die Hälfte des Gesamtmarktes. „Die Nachfrage nach Bautenfarben folgt im Allgemeinen dem BIP, da sie eng mit wirtschaftlichen Aktivitäten wie Wohn- und Gewerbebau sowie Renovierungen verknüpft ist.“
Veranstaltungstipp: Innovative Bautenfarben
Die FARBE UND LACK // KONFERENZ „Bautenfarben – Innovative Lösungen“ am 26. und 27.06.2025 in Essen wird die neuesten Trends und Technologien im Bereich der Bautenfarben beleuchten, wobei der Fokus darauf liegt, welche Materialien und Methoden am vielversprechendsten sind und welche Herausforderungen bestehen bleiben. Die Teilnehmer erhalten Einblicke in neue Alternativen und Innovationen, die darauf abzielen, den Anforderungen an verbesserte Leistung, Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Umweltstandards gerecht zu werden.
Wachstumsfaktoren
Laut Chem Quest ist die Bautätigkeit der Haupttreiber für das Marktwachstum bei Bautenfarben. Steigende BIP-Werte fördern Wohnungsbau, staatlich finanzierte Projekte und Renovierungen. Während globale Anbieter den Markt dominieren, behaupten sich regionale Unternehmen erfolgreich in ihren Märkten. Wasserbasierte Systeme gelten weiterhin als technologisch führend – auch wegen ihrer Nachhaltigkeitsvorteile.
Strengere Umweltvorgaben und veränderte Kund:innenerwartungen fördern den Wandel zu nachhaltigen und bio-basierten Alternativen.Dr. Borho betont den Einfluss des EU Green Deals: „Der Green Deal sorgt in der EU für einen Paradigmenwechsel bei der Entwicklung neuer Materialien – Nachhaltigkeitskriterien werden bereits im Produktdesign berücksichtigt, Materialien am Lebensende gelten nicht mehr als Abfall, sondern als neue Rohstoffe (‚Urban Mining‘).“ Neben emissionsarmen und konservierungsmittelfreien Innenfarben liegt der Fokus auf der Entwicklung wirtschaftlich wettbewerbsfähiger Materialien mit reduziertem CO₂-Fußabdruck. „Dazu können bio-basierte oder Sekundärrohstoffe eingesetzt werden, wie z. B. Camelinaöl oder Kunststoffverpackungen mit Post-Consumer-Rezyklat (PCR).“
Dr. Robert Heger, Vice President – BASF Polymer Dispersions for Architectural Coatings & Construction, EMEA, erläutert: „Wir konzentrieren unsere Nachhaltigkeitsstrategie auf zwei Hebel: unsere eigenen CO₂-Emissionen zu reduzieren und unseren Kund:innen zu ermöglichen, ihre Emissionen zu reduzieren.“ In Europa entwickelt BASF nachhaltige, CO2-reduzierte und biobasierte Lösungen für Bautenfarben, die den gesetzlichen Anforderungen der REACH-Verordnung und des europäischen Green Deal entsprechen.
Auch PPG investiert in nachhaltige Alternativen, wie Bergstrom erklärt: „Auch ohne verbindliche Vorschriften prüfen wir intensiv bio-basierte oder bio-massenbasierte Lösungen.“ Ihr europäisches Bautenfarbengeschäft habe großes Potenzial erkannt: „Mit der Einführung CO₂-reduzierter Farben haben wir breiten Marktzugang zu bio-basierten Produkten mit hoher Leistung und attraktiven Preisen geschaffen.“
Klimawandel und Spezialbeschichtungen
Der Klimawandel beeinflusst die Nachfrage nach Bautenfarben – insbesondere im Außenbereich. Hitzewellen, Starkregen oder Frost steigern den Bedarf an kühlenden und besonders widerstandsfähigen Beschichtungen. Dr. Borho: „Die Zunahme extremer Wetterlagen führt zu wachsender Nachfrage nach Beschichtungen mit kühlender Wirkung.“ BASF bietet hierzu passende Lösungen, wie Dr. Heger erläutert: „Wir liefern weltweit verschiedene Produkte für Außenanwendungen, die auf unterschiedliche Wetterbedingungen zugeschnitten sind – von starkem Regen über Hagel und Frost bis hin zu starker UV-Strahlung und Luftverschmutzung.“
PPG entwickelt sogenannte Smart Coatings, die über reine Dekoration hinausgehen. Bergstrom: „Beschichtungen mit zusätzlicher Funktionalität wie Temperaturregulierung im Gebäudeumfeld bieten der Branche enormes Innovationspotenzial.“
Geopolitische Faktoren und Lieferketten
Globale Spannungen beeinflussen die Verfügbarkeit und Preise von Rohstoffen. Der Russland-Ukraine-Krieg und Handelskonflikte führen insbesondere in Europa zu höheren Energie- und Rohstoffkosten. Dr. Borho: „Energieintensive Rohstoffe sind in Europa deutlich teurer geworden. Handelskonflikte erhöhen zusätzlich das Risiko für Strafzölle, etwa auf Titandioxid.“ Sie erwartet mittelfristig eine wirtschaftliche Erholung – besonders im Infrastrukturbereich: „Resilienzstrategien könnten Investitionen in erneuerbare Energien und Produktionsstandorte für energieintensive Materialien umfassen.“ Malte Nitz unterstreicht: „Mit einem globalen Produktionsnetzwerk und einem umfassenden Portfolio CO₂-reduzierter, zirkulärer Produktlösungen unterstützen wir unsere Kund:innen weltweit – selbst in geopolitisch unsicheren Zeiten.“ Auch PPG sieht Folgen durch Zölle, so Bergstrom: „Bautenfarben werden in der Regel lokal produziert und sind weniger von Zöllen betroffen. Anders sieht es bei global gehandelten Rohstoffen wie Titandioxid aus.“ Aktuell betreffen Anti-Dumping-Zölle auf chinesisches Titandioxid den europäischen Markt: „Das beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produzenten gegenüber Anbietern außerhalb der EU.“
Fazit
Bautenfarben bleiben ein zentrales Segment der Lack- und Beschichtungsindustrie – getrieben durch Konjunktur, Nachhaltigkeitsdruck und den Klimawandel. Während internationale Unternehmen den Markt prägen, sind regionale Anbieter starke Wettbewerber. Die Branche reagiert auf regulatorische und geopolitische Herausforderungen mit bio-basierten Innovationen, CO₂-armen Produkten und resilienten Lieferketten.
