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„Vietnam stärkt unsere Präsenz in Asien, Österreich unsere technologische Kompetenz“

Mit neuen Standorten in Österreich und Vietnam setzt die Peter-Lacke-Gruppe ihre Internationalisierungsstrategie konsequent fort. Im Interview erklärt der geschäftsführende Gesellschafter David N. Peter, warum das Unternehmen auf technologische Vielfalt sowie lokale Produktion setzt und wie der Mittelständler damit seine globale Wettbewerbsfähigkeit sichert. Interview von Damir Gagro

Peter Lacke expandiert in Vietnam und Österreich.
Peter Lacke expandiert in Vietnam und Österreich. Quelle: lantapix - StockAdobe.com

Mit Vietnam und Österreich haben Sie zwei wesentliche Schritte zur internationalen Expansion gesetzt – was ist die strategische Klammer dahinter?

David N. Peter: Wir wollen die Peter-Lacke Gruppe breiter aufstellen, im Hinblick auf Technologien und Kundengruppen (Marktsegmente und Regionen). So hat Vietnam für uns einen geographischen Hintergrund, um unsere Präsenz in Südostasien zu verstärken. Unser Engagement in Österreich ist hingegen vor allem technologisch motiviert.

Fangen wir mit der Expansion in Europa an. Welche Rolle spielt der Standort Österreich im europäischen Produktionsnetzwerk von Peter Lacke?

David Peter, geschäftsführender Gesellschafter bei der Peter-Lacke-Gruppe
David Peter, geschäftsführender Gesellschafter bei der Peter-Lacke-Gruppe

Peter: Es geht uns bei diesem neuen Standort nicht so sehr um die Erschließung des Marktes der Alpenregion. In Wels, Österreich ist unser Kompetenzzentrum für Pulverlacke. Wir können dort neue Technologien entwickeln, testen und auch produzieren. Größere Mengen werden wir aber – wie üblich – kundennah in unseren Werken in Osteuropa, Asien und Nordamerika produzieren.

Peter Lacke bietet jetzt Flüssig- und Pulverlacke an – wie verändert das Ihre Marktposition?

Peter: Einige Kundengruppen wollen gerne Flüssiglacke und Pulver aus einer Hand beziehen. Wir wollen diesen Kunden beides anbieten können und gemeinsam mit dem Kunden entscheiden welche Technologie für sein jeweiliges Bauteil / Projekt besser ist (abhängig von Geometrie, Substrat, Design, Beständigkeit, Kosten etc.) Es ist für diese Kunden vorteilhaft, einen verantwortlichen Ansprechpartner zu haben (bzgl. Farbtonharmonie, Anwendungstechnik und Kombinationsaufbauten)

Sie haben in Vietnam die Produktion im neuen Werk aufgenommen. Welche Besonderheiten sehen Sie im südostasiatischen Markt, insbesondere für Farben und Lacke?

Peter: Wir sehen in Vietnam ein aufstrebendes Land mit einer Arbeitskultur, die unseren preußischen Tugenden recht ähnlich ist. Außerdem profitiert das Land von der „China-plus-one“ Strategy vieler Firmen. Die bedeutet, dass diese Firmen einen weiteren Produktionsstandort in Asien aufbauen, der nicht in China ist – oftmals fällt die Wahl auf Länder in Südostasien.

Welche Branchen oder Kundensegmente sind in Südostasien für Sie derzeit am wichtigsten?

Peter: Vor allem Flüssiglacke für diverse Lifestyle Products, aber auch für die Automotive Industrie. Die Nachfrage entspricht weitgehend dem Produktportfolio, dass wir auch in China verkaufen.

Europa ist ein reifer Markt – welche Unterschiede im Nachfrageverhalten erkennen Sie im Vergleich zu Asien?

Peter: Die ASEAN-Staaten haben in etwa die gleiche Wirtschaftskraft wie Europa. Sie bestehen aus verschiedenen Staaten, mit wirtschaftlichen und kulturellen Unterschieden. Die meisten dieser Länder haben aber eine junge Bevölkerung und den Willen wirtschaftlich voranzukommen gemeinsam. So haben wir es in SEA mit wachsenden Märkten und einer insgesamt positiven Wirtschaftsentwicklung zu tun.

Sehen Sie Ihre internationale Expansion eher als Wachstumsstrategie oder als Antwort auf globalen Wettbewerbsdruck?

Peter: Beides! Deshalb versuchen wir uns in unseren globalen Zielmärkten möglichst gut zu lokalisieren, um auch gegenüber den lokalen Marktbegleitern wettbewerbsfähig zu sein. So haben wir in unseren chinesischen Werken bspw. Eine Lokalisierungsquote von 94% erreicht. Dieser Anspruch ist seit nunmehr 25 Jahren Kern unserer Internationalisierungsstrategie und wird dies auch zukünftig sein.

Welche weiteren Märkte oder Regionen haben Sie im Blick für eine internationale Expansion?

Peter: Ein weiterer wichtiger Meilenstein für uns ist unser neues Werk in Mumbai, Indien. Hier sind wir zwar seit 2008 mit lokaler Produktion vertreten, jedoch bislang nur in gemieteten Werken. Wir freuen uns nun unser eigenes, auf Lack spezialisiertes Werk zu haben. Es bietet tatsächlich fast die gleiche Wertschöpfungstiefe wie unser Headquarter in Deutschland.

Wo sehen Sie die Lackindustrie in den nächsten Jahren – mehr Konsolidierung oder stärkere Spezialisierung?

Peter: Aufgrund der leider weiter voranschreitenden De-Industrialisierung in Deutschland, wird es wichtig sein, die eigenen Lacke in den internationalen Märkten lokal und wettbewerbsfähig anbieten zu können. Gerne helfen wir hierbei anderen Lackfabriken mit unserem globalen Footprint. Wir wollen uns in absehbarer Zukunft jedenfalls weiter diversifizieren, sowohl bei den Lacktechnologien, als auch bei den Abnehmerbrachen und -ländern.