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Wer wird BASF Coatings übernehmen? Einschätzungen zu möglichen Käufern neben Carlyle
Investor Carlyle gilt laut aktuellen Berichten von Reuters und Financial-Times (FT) als führender Bieter für die Lacksparte von BASF- geschätzt mit einem Preis von rund 7 Mrd. EUR. Doch Brancheninsider halten strategische Käufer wie Sherwin-Williams, PPG, Akzo Nobel, Nippon Paint oder Axalta ebenfalls für mögliche Kandidaten. Hier ist eine Übersicht ihrer Chancen und warum ein Investor wohl doch die wahrscheinlichste Lösung sein könnte.
Laut Reuters und Financial Times steht Private-Equity-Firma Carlyle an vorderster Front beim Bieterwettbewerb um die Coatings-Sparte von BASF. Der Geschäftszweig setzte im letzten Jahr etwa 4,3 Mrd. EUR um und beschäftigt knapp 12.000 Mitarbeitende laut dem aktuellen Top 25 Ranking von FARBE UND LACK.
Die Redaktion der FARBE UND LACK hat mit verschiedenen Personen aus der Lackindustrie gesprochen. Ihre Meinungen lauten:
- Ein Insider bei BASF Coatings betont, dass ein Investor derzeit als naheliegendste Möglichkeit angesehen wird; ein schneller Abschluss ist intern gewünscht und erwartet.
- Andere meinen, Sherwin-Williams wäre „der ideale strategische Käufer“: Sie hätten schon lange Interesse an Standorten in Europa und verfügten über das Kapital, um die Übernahme zu stemmen.
- PPG wird häufig ausgeschlossen — in Gesprächen hieß es, Kartellrechtsprobleme würden einen strategischen Erwerb durch PPG nahezu unmöglich machen, denn das Unternehmen hat bereits mehrere Automobillackhersteller übernommen.
- Akzo Nobel wird als finanziell weniger wahrscheinlich bewertet: Die aktuelle Kapitalallokation und Restrukturierungsmaßnahmen lassen wenig Spielraum für eine so große Übernahme zu.
Wer hat welche Chancen?
Hier ist eine Einschätzung zu strategischen Käufern aus der Lackindustrie. Die sechs Untenehmen liegen im globalen Ranking aller Lackhersteller – gemessen am Umsatz – vor der BASF Coatings.
| Unter- nehmen | Pro | Contra | Wahrscheinlich-keit* |
| Sherwin-Williams | Großes Eigenkapital, starke Position im dekorativen Lackbereich, schon jetzt aktiv in Brasilien und Nordamerika. | Hohes Risiko bei Regulierung; hoher Preis; Integration über große Distanz. | 15-25 % |
| PPG Industries | Industrie-Fokus; Technologie- und Automobilkompetenz; ausgewiesene Erfahrung mit großen Käufen. | Kartellrechtliche Hindernisse; Überlappungen in OEM/Automotive; Belastung der Bilanz. | 10-20 % |
| Akzo Nobel | Europäische Präsenz, Erfahrung mit Akquisitionen; starker Markenwert. | Finanzielle Belastung; laufende Konsolidierungs- und Kostenprogramme; mögliche Beschränkungen durch Aktionäre/regulierende Instanzen. | 10-15 % |
| Nippon Paint | Kapitalstärke; strategischer Wille zur Expansion; bereits aktiv bei Übernahmen. | Große Distanz; regulatorische Komplexität; Währungsrisiken bei Erwerb großer europäischer/US-Assets. | 10-20 % |
| RPM International | Erfahrung mit Bolt-on-Akquisitionen; Flexibilität; Mittelstandsorientierung. | Kein Unternehmen der Größenordnung eines 7 Mrd. EUR-Deals; mangelnde Skalierung; nicht alle Segmente passen. | 5-10 % |
| Axalta Coating Systems | Spezialist im Automotive/Refinish-Segment; neue Technologien in Entwicklung. | Marktwert und Bilanz sind relativ klein im Vergleich zu einem Deal in BASF-Größe; Fremdkapitalkosten würden hoch sein. | sehr gering, 1-5 % |
*Hinweis: Diese Einschätzungen basieren auf Gesprächen mit Brancheninsidern und den aktuell verfügbaren öffentlichen Informationen.
Warum ein Investor derzeit favorisiert wird?
Finanz und Geschwindigkeit: Private-Equity-Firmen wie Carlyle können schneller handeln als strategische Käufer, ohne dass komplexe Produkt- oder Standort-Synergien bereits detailliert verhandelt werden müssen.
Risikoverteilung: Ein Investor kann BASF erlauben, Teile (z. B. Standorte) zu veräußern, ohne langfristige Verpflichtungen gegenüber Kunden, Technologien oder Arbeitsplätzen eingehen zu müssen, die strategische Käufer oft übernehmen müssen.
Finanzielle Notwendigkeit bei BASF: BASF könnte die Mittel aus dem Verkauf nutzen, um die Dividendenpolitik früher zu stabilisieren und sich auf Kerngeschäfte zu konzentrieren. Reuters zufolge verschiebt BASF mit einem Abschluss ein mögliches Aktienrückkaufprogramm vor. (reuters.com)
Fazit
Auf Basis der verfügbaren Informationen steht Carlyle aktuell im Mittelpunkt des Interesses und scheint der wahrscheinlichste Käufer zu sein. Strategische Käufer wie Sherwin-Williams oder Nippon Paint haben realistische Chancen, aber nur unter bestimmten Bedingungen (exklusive Verhandlungen, regulatorische Zustimmung, hoher Preis). PPG scheidet in den Augen vieler Insider aus kartellrechtlichen Gründen nahezu aus, Akzo Nobel wird als finanziell weniger wahrscheinlich angesehen. Diese Einschätzungen sind vorläufig — sie basieren auf internen Gesprächen und ersten Recherchen.