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Umfrageergebnisse: Beschichtungsindustrie unter Druck
67 % der teilnehmenden Unternehmen sehen sich erheblich belastet, mehr als sechs von zehn fürchten um ihre Margen. Eine aktuelle Online-Umfrage der Redaktion unter Branchenexperten dokumentiert, wo die größten Engpässe liegen, mit welchen Maßnahmen Hersteller gegensteuern – und warum die Innovationspipeline zum stillen Verlierer der Krise zu werden droht. Von Kirsten Wrede.
Die Beschichtungsindustrie bewegt sich weiterhin in turbulenten Gewässern. Eine von FARBE UND LACK durchgeführte Online-Umfrage unter Branchenexperten zeichnet ein klares Bild: Der kombinierte Druck aus Rohstoffknappheit und stark steigenden Energiekosten prägt die täglichen Geschäftsentscheidungen in der gesamten Branche. Mit gut 60 Teilnehmenden, die auf die Eingangsfrage geantwortet haben, bieten die Ergebnisse eine repräsentative Momentaufnahme der aktuellen Stimmung in der Branche.
Nahezu alle Unternehmen spüren die Belastung
Die Umfrage lässt kaum Zweifel an der Schwere der Lage. Beeindruckende 67 % der Befragten gaben an, dass sie in ihrem Tagesgeschäft erheblich von der aktuellen Rohstoff- und Energiekrise betroffen sind, weitere 29 % berichteten von einer gewissen Betroffenheit. Nur marginale 4 % gaben an, kaum oder gar nicht betroffen zu sein. Mit anderen Worten: 96 % der teilnehmenden Unternehmen befassen sich aktiv mit den Folgen der Krise.
Bindemittel und Lösungsmittel an der Spitze der kritischen Rohstoffe
Auf die Frage, welche Rohstoffgruppen derzeit besonders kritisch sind, verwiesen die Befragten auf ein breites Spektrum an Problemfeldern: Bindemittel: 57 %, Lösungsmittel: 51 %, Titandioxid/Pigmente: 41 %, Additive: 41 %, Spezialchemikalien: 33 %. Nur 10 % der Befragten berichteten von keinerlei kritischen Problemen mit einer dieser Rohstoffgruppen. Die Dominanz von Bindemitteln und Lösungsmitteln als Engpassmaterialien spiegelt bekannte strukturelle Abhängigkeiten in der globalen Lieferkette wider, während der hohe Anteil von Additiven und Pigmenten zeigt, dass sich die Krise weit über einige wenige isolierte Produktkategorien hinaus ausgebreitet hat.
Unternehmen reagieren mit Lageraufbau und Lieferantendiversifizierung
Die Branche bleibt nicht untätig. Auf die Frage, wie sie reagieren, nannten die Befragten eine Vielzahl von Maßnahmen – häufig parallel: Aufbau von Sicherheitsbeständen: 63 %, Qualifizierung alternativer Lieferanten: 55 %, Qualifizierung alternativer Rohstoffe: 45 %, Anpassung von Rezepturen: 39 %, Anpassung des Produktportfolios: 31 %. Nur 12 % haben bisher keine Maßnahmen ergriffen. Die klare Präferenz für Sicherheitsbestände und alternative Lieferanten deutet darauf hin, dass Unternehmen der kurz- bis mittelfristigen Versorgungssicherheit Priorität einräumen. Gleichzeitig zeigt der erhebliche Anteil von Firmen, die Rezepturen oder sogar ihr Produktportfolio anpassen, dass die Krise auch tiefergehende strategische und technische Veränderungen in der Branche auslöst.
Energiekosten: eine Bedrohung für Margen – und teils für die Rentabilität selbst
Steigende Energiekosten sind ein zweiter wesentlicher Belastungsfaktor. Laut Umfrage: 15 % bezeichnen sich als sehr stark betroffen und geben an, dass die Energiekosten ihre Rentabilität gefährden. 46 % berichten von erheblichen, spürbaren Auswirkungen auf die Margen. 33 % sehen die Auswirkungen als moderat und beherrschbar an. Nur 6 % der Befragten geben an, dass Energiekosten eine geringe oder gar keine Rolle spielen. Das bedeutet, dass für mehr als sechs von zehn Unternehmen die Energiekosten die Margen aufzehren oder sogar das Betriebsergebnis bedrohen.
Innovation: standhaft – doch erste Risse sind sichtbar
Die vielleicht wichtigste Frage für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Branche ist, wie sich die Krise auf die Innovationsaktivitäten auswirkt. Hier fallen die Ergebnisse gemischt aus: 51 % der Teilnehmenden berichten, dass Innovationsprojekte wie gewohnt fortgeführt werden. 29 % geben an, dass Innovationsprojekte verschoben werden. Jeweils 7 % berichten von erhöhten F&E-Investitionen, gekürzten Innovationsbudgets oder gar keinen Auswirkungen.
Dass mehr als die Hälfte der Unternehmen ihr Innovationstempo beibehält, ist ein ermutigendes Zeichen von Widerstandsfähigkeit. Da jedoch fast ein Drittel der Befragten Projekte verschiebt und weitere 7 % ihre Innovationsbudgets sogar kürzen, besteht das reale Risiko, dass die aktuelle Krise einen nachhaltigen Eindruck in der Innovationspipeline der Branche hinterlässt – insbesondere in Bereichen wie Nachhaltigkeit, biobasierten Rohstoffen und VOC-armen Technologien, in denen kontinuierliche Weiterentwicklung essenziell ist.
Fazit: Widerstandsfähigkeit unter Belastung
Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die europäische Beschichtungsindustrie an zwei Fronten gleichzeitig erheblich unter Druck steht: eingeschränkte Rohstoffversorgung und hohe Energiekosten. Die Unternehmen reagieren pragmatisch – durch den Aufbau von Puffern, die Diversifizierung von Lieferanten und die Anpassung von Rezepturen –, doch die Belastung beginnt sich in der Innovationstätigkeit zu zeigen, die der Wachstumsmotor der Branche für die Zukunft ist.
Die Umfrage zeigt, dass nahezu alle teilnehmenden Unternehmen die Auswirkungen der anhaltenden Rohstoff- und Energiekrise zu spüren bekommen.