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„Herausforderung liegt in der Balance zwischen globaler Standardisierung und lokalen Gegebenheiten“
Nach einem Monat als Chief Operations Officer der Beckers Group gibt Dr. Susanne Goldammer im Gespräch mit FARBE UND LACK Einblicke in ihre Vision für die 24 Produktionsstandorte des Unternehmens in 18 Ländern. Mit ihrer umfangreichen Erfahrung in der Prozessindustrie will sie die „Green Lights“-Strategie vorantreiben und dabei besonders auf Sicherheit, Modernisierung und Nachhaltigkeit setzen. Das Interview führte Kirsten Wrede.
Welche kurz- und langfristigen Ziele verfolgen Sie in Ihrer neuen Rolle bei Beckers?
Dr. Susanne Goldammer: Kurzfristig konzentriere ich mich auf zwei Hauptthemen: Arbeitssicherheit und Gesundheit sowie die Modernisierung unserer Werke. Bei der Sicherheit arbeiten wir an einer verbesserten Sicherheitskultur, insbesondere durch eine verbesserte Führung und Vorbildfunktion in den Werken. Unser Ziel ist die kontinuierliche Prävention und Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Bei der Modernisierung investieren wir 2025 etwa 5 % des Gesamtumsatzes in Infrastrukturverbesserungen, Sicherheitsmaßnahmen und Kapazitätserweiterungen. Langfristig streben wir nachhaltige Strukturen durch Harmonisierung und Standardisierung unserer Werke an, immer mit Blick auf unser „Paint Plant of the Future“-Konzept.
Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Industrie aktuell konfrontiert?

Goldammer: Für Beckers, als mittelständisches Unternehmen, liegt die größte Herausforderung in der Balance zwischen globaler Standardisierung und lokalen Gegebenheiten an unseren 24 Standorten in 18 Ländern. Die Anforderungen variieren stark je nach Region, Kundenstruktur und Produktportfolio. Hinzu kommt die Notwendigkeit, bestehende Werke zu modernisieren und gleichzeitig neue Standorte aufzubauen, um unser Wachstum zu unterstützen. Auch die Klimaanpassung der Arbeitsbedingungen wird angesichts steigender Temperaturen immer wichtiger.
Wie sehen Sie die Chancen von Digitalisierung und KI für Ihr Unternehmen?
Goldammer: Die Chancen sind heute noch unterbewertet und erheblich – sowohl bezüglich Effizienzsteigerung als auch Innovationskraft. Bei Beckers schaffen wir zunächst die Grundlagen mit einer einheitlichen digitalen Infrastruktur, etwa durch ein konzernweites ERP-System. In der Produktentwicklung nutzen wir bereits KI, beispielsweise zur Vorhersage der Witterungsbeständigkeit von Lacken. Das größte Potenzial sehe ich in der Produktion und Supply Chain: Prozessüberwachung, Sicherheitsanalysen, Vorhersage von Materialbedarfen und Steuerung von Beständen. Moderne Datenmanagement-Strukturen sind der Schlüssel, um zu automatisieren, zu digitalisieren und KI sinnvoll anzuwenden.
Wie wird das Thema Innovation im Unternehmen gefördert?
Goldammer: Innovation findet sowohl in großen Projekten als auch im täglichen Arbeiten statt. Bei der Produktinnovation entwickeln wir kontinuierlich Technologien wie UV/EB-Lacke weiter und kooperieren mit Startups wie Anodyne Chemistries. In meinem Operationsbereich sehe ich großes Potenzial in der systematischen Datennutzung, um Prozesse messbar zu verbessern. Wir wollen Daten zu Wissen machen und in konkrete Verbesserungen umsetzen. Dabei helfen modernes Datenmanagement und Cyber Security. Innovation ist Teil unserer Unternehmenskultur – unsere Werte „Shape and adapt“ fördern Kooperation, Offenheit und Experimentierfreude.
Wie beurteilen Sie die aktuellen Marktentwicklungen in der Industrie?
Goldammer: Das Marktumfeld ist volatil. Während Indien und der Mittlere Osten wachsen und wir dort erweitern wollen, stagnieren Europa und Nordamerika. Die geopolitische Situation ist angespannt, was Auswirkungen auf die Lieferkette hat. Hinzu kommen regulatorischer Druck und Zölle, die Unsicherheit schaffen. Dennoch halten wir an unserer Wachstumsstrategie „Green Lights 2030“ fest. Sie steht für nachhaltige Entwicklung und langfristige Wertschöpfung – auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen.
Was ist Ihre persönliche Motivation in Ihrer täglichen Arbeit?
Goldammer: Mich hat besonders Beckers‘ Leitbild „Be a force for good“ angezogen. Ich suche Sinn in meiner Arbeit und möchte etwas bewegen können. Dieses Leitbild eröffnet viele Möglichkeiten – für Mitarbeitende, Kund:innen und die Gemeinschaften, in denen wir produzieren. Mir gefällt, dass wir nicht nur auf Profit schauen, sondern auch den CO₂-Fußabdruck reduzieren und Arbeitsbedingungen verbessern wollen. Die Unternehmenskultur und Atmosphäre bei Beckers bringen mich jeden Tag dazu, mit Schwung aufzustehen.