Nachrichten Markt & Branche

Evonik schließt Polyester-Geschäft und streicht Stellen

Der Chemiekonzern Evonik stellt bis 2027 sein globales Polyester-Geschäft ein und streicht weltweit 3.200 Stellen. Die Restrukturierung des Unternehmens hat nicht nur interne Auswirkungen, sondern betrifft auch die Rohstoffversorgung der Farben- und Lackindustrie.

Die Schließung des Polyester-Geschäfts durch Evonik markiert einen strukturellen Wandel, der auch die Farben- und Lackindustrie beeinflusst. Quelle: nmann77 - stock.adobe.com

Evonik Industries hat angekündigt, bis Ende 2029 weltweit 3.200 Stellen abzubauen und sein Polyester-Geschäft vollständig einzustellen. Der betroffene Geschäftsbereich, der zuletzt einen Jahresumsatz von rund 150 Mio. EUR erzielte, konnte wirtschaftliche Herausforderungen wie strukturelle Nachteile in Europa und eine sinkende Marktdynamik nicht überwinden. Die Entscheidung betrifft die Standorte Witten, Marl und Shanghai, wobei 266 Stellen in Witten, 45 Stellen in Marl und 35 Stellen in Shanghai wegfallen werden.

„Das Polyester-Geschäft zu beenden und die Produktion zu schließen, ist ein wirtschaftlich alternativloser Schritt“, erklärte Lauren Kjeldsen, Vorstandsmitglied bei Evonik. Vorstandschef Christian Kullmann ergänzte: „Die weltpolitische Lage ist unsicher, und das wirtschaftliche Wachstum bleibt anhaltend schwach.“ Evonik hat zugesagt, den Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten. Maßnahmen wie Frühverrentung und interne Stellenvermittlung sollen die sozialen Folgen abmildern.

Folgen für die Farben- und Lackindustrie

Die Schließung des Polyester-Geschäfts ist nicht nur ein Einschnitt für Evonik selbst, sondern auch für die Farben- und Lackindustrie. Polyesterharze sind ein essenzieller Rohstoff für viele industrielle und dekorative Anwendungen, da sie hervorragende Haftungs- und Filmeigenschaften bieten. Ein Rückgang der verfügbaren Rohstoffe könnte Hersteller vor Herausforderungen stellen, alternative Lieferanten zu finden oder auf andere Bindemittel umzusteigen.

Besonders kleinere und mittelständische Unternehmen könnten durch steigende Rohstoffpreise und reduzierte Lieferkapazitäten unter Druck geraten. Die Entscheidung von Evonik verdeutlicht zudem die zunehmenden strukturellen Probleme der europäischen Chemieindustrie. Hohe Energiekosten, regulatorische Belastungen und der internationale Wettbewerbsdruck machen es schwierig, bestimmte Geschäftsfelder wirtschaftlich zu betreiben.

Langfristige Umstrukturierung und Ausblick

Evonik verfolgt mit der Restrukturierung eine strategische Neuausrichtung. Im Rahmen des Effizienzprogramms „Tailor Made“ sollen durch Digitalisierung, Outsourcing und Offshoring Einsparpotenziale genutzt werden. Zudem setzt der Konzern auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Für die Farben- und Lackindustrie könnte dieser Wandel auch Chancen bieten. Die Entwicklung neuer Alternativen zu Polyesterharzen oder innovative Bindemitteltechnologien könnten die Branche langfristig voranbringen. Gleichzeitig wird die Konsolidierung des Marktes kleinere Anbieter herausfordern, die sich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Evonik bleibt weiterhin ein globaler Player mit einem Umsatz von 14,1 Mrd. EUR im Jahr 2025 und einer Präsenz in über 100 Ländern. Die Transformation des Konzerns zeigt jedoch, wie stark sich die Chemieindustrie an ein verändertes globales Umfeld anpassen muss.