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Glanz beeinflusst Farbwahrnehmung bei Volltonlacken stärker als gedacht

Eine neue Studie zeigt, dass auch klassische Volltonfarben deutliche winkelabhängige Farbverschiebungen aufweisen – insbesondere bei niedrigen Glanzgraden. Unterhalb von 40 Glanzeinheiten nimmt die Farbstabilität sprunghaft ab, was etablierte Messmethoden in Frage stellt.

Multi-Winkel-Spektralphotometrie offenbart: Auch Volltonfarben verändern ihren Farbeindruck je nach Betrachtungswinkel und Glanzgrad erheblich. Quelle: Kwangmoozaa - stock.adobe.com

Goniochromatische Effekte – also Farbveränderungen in Abhängigkeit vom Betrachtungswinkel – wurden bislang vor allem Effektpigmenten zugeschrieben. Eine aktuelle Untersuchung von Ameri und Safi widerlegt diese verbreitete Annahme: Auch typische Volltonfarben zeigen erhebliche winkelabhängige Farbvariationen, insbesondere bei reduzierten Glanzgraden. Für die Studie analysierten die Forscher 42 Proben in sieben unterschiedlichen Farbtönen (Grün, Gelb, Rot, Blau, Grau, Schwarz und Weiß) mit einem Multi-Winkel-Gonio-Spektralphotometer.

Die Messungen ergaben eine starke inverse Korrelation zwischen Glanzgrad und winkelabhängiger Farbkonsistenz: Je niedriger der Glanz, desto größer die Farbabweichungen bei verschiedenen Betrachtungswinkeln. Besonders dunkle und gesättigte Farben wie Schwarz und Rot zeigten eine deutlich höhere Variabilität als helle Töne wie Weiß und Gelb.


Lesetipp:

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Kritische Schwelle bei 40 Glanzeinheiten

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Identifikation einer kritischen Glanzschwelle bei rund 40 Glanzeinheiten. Unterhalb dieses Wertes nimmt die Farbstabilität über verschiedene Winkel hinweg deutlich ab. Die vergleichende Analyse bei mehreren Referenzwinkeln (20°, 45°, 75° und 110°) bestätigte die Robustheit dieser Beobachtung.

Die Ergebnisse stellen die übliche Praxis der Farbbewertung anhand eines einzigen Messwinkels in Frage. Insbesondere bei matten und seidenmatten Beschichtungen ist eine Multi-Winkel-Messung erforderlich, um die tatsächliche Farbwahrnehmung zuverlässig abzubilden.

Konsequenzen für die Qualitätssicherung

Für Industrien mit hohen Anforderungen an die Farbqualität – etwa im Automobilbereich, bei Industrielacken oder Bautenfarben – ergeben sich daraus konkrete Konsequenzen. Bestehende Spezifikationen und Messverfahren müssten überarbeitet werden, um langfristig eine konsistente Farbqualität sicherzustellen. Die Studie liefert damit eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung normgerechter Prüfprotokolle in der Lack- und Beschichtungsindustrie.

Quelle: Ameri, F. & Safi, M., Exploring gloss-dependent color shifts in solid samples: a multi-angle spectrophotometer analysis. J. Coat. Technol. Res. 23, 1553–1564 (2026).