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„Wir stellen immer wieder fest, dass Normen nicht richtig genutzt werden“
Ernst-Hermann Timmermann, Geschäftsführer der Deutschen Forschungsgesellschaft für Oberflächenbehandlung e.V. (DFO), sprach mit FL-Redakteurin Kirsten Wrede über den DIN Normausschuss Beschichtungsstoffe und Beschichtungen (NAB), der im vergangenen Jahr sein 75-jähriges Jubiläum hatte, und seine langjährige Mitarbeit in weiteren Normungsgremien.
Welche Funktionen haben der DIN NAB bzw. generell Normausschüsse?
Normausschüsse sollen Normen überarbeiten und neugestalten. Generell schauen wir in den Ausschüssen, wie man eine Prüfung so gestalten kann, dass sie auch angewendet werden kann, dass man z.B. definierte Prüfverfahren hat.
Alle fünf Jahre wird eine Norm dahingehend überprüft, ob sie angepasst werden muss. Außerdem erstellen wir auch teilweise neue Normen, z.B. die Norm für die Überführung des VDA-Korrosionswechseltest VDA 233-102 in eine DIN-Norm. Das ist eine Norm der Automobilindustrie, die man neugestaltet hat, weil man festgestellt hat, dass die alte Norm nicht mit der Realität übereinstimmte. Hier hat ein Gremium aus Automobilleuten und Zulieferern einen neuen Wechseltest entwickelt, der der Realität näherkommt. Derartige Normen werden typischerweise auch in DIN EN ISO-Normen umgesetzt, so ist es hier auch passiert.
Wir als Verein bringen in den Normgremien die Ideen unserer Mitglieder ein. Dafür sind Organisationen wie die DFO notwendig, um Forschungsbedarf aus dem Normgremium heraus in Forschungsprojekte zu überführen.
Welche für den DIN NAB wichtigen Normen hat es im Laufe der zurückliegenden 75 Jahre gegeben?
Eine meiner Lieblingsnormen ist die Gitterschnittprüfung. Ich denke, nur die wenigsten, die diese Prüfung durchführen, haben die Norm auch vor der Anwendung gelesen, denn hier passieren immer wieder viele Fehler.
Dann gibt es gibt z.B. eine Prüfung, bei der es um Waschkratzerbeständigkeit für Beschichtungen geht. Es hat im letzten Jahrhundert viele Automobilspezifikationen geben, daraus hat die DFO damals ein Projekt geformt und eine einheitliche Norm entwickelt, die die Automobilhersteller europaweit nutzen.
Die Bleistifthärte dagegen ist eine der unnützlichsten Normen, die es gibt. Sie ist besonders im asiatischen Bereich beliebt. Dabei ist die Streubreite bei dieser Norm extrem groß. Wir als DIN würden sie lieber herausnehmen. Aber es handelt sich um eine ISO-Norm, die weltweit angewendet wird. Eine „nette“ Norm, die man nicht wirklich gebrauchen kann.
Ich finde es spannend, wenn sich aus einer Norm auch etwas entwickelt. Das gilt für ganz viele Normen.
Warum halten Sie persönlich es für wichtig und auch spannend, sich mit Prüfnormen zu beschäftigen?
Wir stellen immer wieder fest, dass Normen nicht richtig genutzt werden, auch von Experten. Man muss Normen richtig einsetzen und Begrifflichkeiten korrekt verwenden. Beispiele für gängige Verwechslungen sind hier Schichtdicke und Schichtstärke oder Deckvermögen und Deckkraft, um nur einige zu nennen.
Wir als DFO hoffen, dass wir alle Begrifflichkeiten richtig gebrauchen. Das vermitteln wir auch in unseren Seminaren. Deswegen ist es wichtig, in solchen Normgremien mitzuarbeiten.
Ein weiterer Grund, der mich zur Mitarbeit antreibt, ist das Netzwerken. Denn man trifft in diesen Gremien Leute, mit denen man sein Netzwerk erweitern kann.