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Interview: „Fortschritte im Markt für biobasierte Beschichtungen erfolgen oft in kleinen Schritten“
Der Markt für biobasierte Beschichtungen entwickelt sich rasant, doch Herausforderungen wie Leistungserwartungen, Preisgestaltung und Missverständnisse über Rohstoffe bestehen weiterhin. Karin van der Helm, Lead Applications Scientist bei Cargill Bioindustrial, gibt Einblicke in aktuelle Marktentwicklungen, regulatorische Einflüsse und Innovationsstrategien. Sie erklärt zudem, warum öffentliche Aufklärung und transparente Kommunikation entscheidend für den langfristigen Erfolg der Branche sind.
Wie würden Sie den aktuellen Markt für biobasierte Beschichtungen beschreiben?
Karin van der Helm: Der Markt für biobasierte Beschichtungen variiert stark je nach Region. Europa ist derzeit führend in der biobasierten Industrie – dank einer Kombination aus regulatorischer Unterstützung, Verbrauchererwartungen und einem starken Engagement für Nachhaltigkeit. Mit dem Wachstum des Elektronikmarktes, einschließlich der Elektromobilität, steigt das Interesse an biobasierten Beschichtungen für Hochleistungsanwendungen. In den USA wird dieses Interesse durch fortschrittliche technologische Möglichkeiten angetrieben. Bei Cargill beobachten wir mit unserer globalen Präsenz im Beschichtungsmarkt genau die Bedürfnisse unserer Kunden in verschiedenen Regionen. Deshalb entwickeln wir eine vollständige Palette von 100 % biobasierten, dimerbasierten Polyesterpolyolen, um den Marktanforderungen gerecht zu werden.
Sehen Sie Hindernisse für Fortschritte im Markt für biobasierte Beschichtungen?
Van der Helm: Leistung steht immer an erster Stelle bei der Entwicklung neuer Beschichtungen – auch bei solchen, die biobasierte oder recycelte Inhaltsstoffe enthalten. Allerdings kann der Preis eine große Hürde sein. Die Mineralölindustrie hatte Jahrzehnte Zeit, ihre Prozesse zu optimieren und zu skalieren, was es neuen Herstellern biobasierter Rohstoffe erschwert, wettbewerbsfähig zu sein. Dies führt zu einem Henne-Ei-Problem: Unternehmen könnten die Produktion einstellen, bevor sie sich am Markt etablieren können. Die Verfügbarkeit biobasierter Rohstoffe kann ebenfalls ein Hindernis sein, insbesondere wenn Unternehmen aus Sicherheitsgründen einen zweiten Lieferanten benötigen. Ein weiteres Problem ist das Missverständnis, dass biobasierte Rohstoffe für Beschichtungen mit Nahrungsmitteln konkurrieren. Diese Wahrnehmung kann die öffentliche Meinung negativ beeinflussen. Daher sind öffentliche Aufklärung und transparente Kommunikation über die Herkunft und Vorteile biobasierter Materialien entscheidend, um diese Hürde zu überwinden.
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Was könnte den Fortschritt beschleunigen?
Van der Helm: Nach der Pandemie sind sich sowohl Verbraucher als auch Unternehmen der Bedeutung sicherer und gesünderer Produkte bewusster geworden. Verschiedene Initiativen, wie Branchenvereinbarungen und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, ermutigen Unternehmen, ihre ESG-Strategien zu stärken. Allerdings spielen Regulierungen eine entscheidende Rolle bei der Beschleunigung des Wachstums der biobasierten Industrie. Wichtige regulatorische Rahmenbedingungen, die diesen Weg prägen, sind unter anderem REACH (EU), TSCA (USA), EPA (USA), das chinesische Luftverschmutzungskontrollgesetz und das Bureau of Indian Standards. Gleichzeitig sind Forschung und Entwicklung essenziell, um die einzigartigen Eigenschaften biobasierter Beschichtungen zu erschließen und durch verbesserte Leistung höhere Preise zu rechtfertigen. Innovationen im Bereich biobasierter Beschichtungen können Produkte mit überlegenen Eigenschaften hervorbringen, darunter bessere Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit.
Wo sehen Sie Chancen für biobasierte Beschichtungen?
Van der Helm: Es gibt erhebliche Chancen in Hochleistungsmärkten, die höhere Preise tolerieren können. Dazu gehören Beschichtungen, die:
- chemikalienbeständig sind,
- hart, aber gleichzeitig schlagfest sind,
- UV-beständig sind,
- extremen Temperaturen standhalten können.
Darüber hinaus müssen wir untersuchen, wie biobasierte Produkte mit anderen nachhaltigen Lösungen kombiniert werden können, um ihre Vorteile zu maximieren. Aus diesem Grund konzentriert sich eines unserer Innovationsprojekte auf die Kombination recycelter Rohstoffe mit biobasierten Inhaltsstoffen, um ein neuartiges Polyesterpolyol für den Einsatz in CASE-Anwendungen (Beschichtungen, Klebstoffe, Dichtstoffe und Elastomere) zu entwickeln.
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Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Van der Helm: Es ist wichtig, sich vor Greenwashing in Acht zu nehmen. Unternehmen müssen bei der Kommunikation mit Endverbrauchern ein Gleichgewicht zwischen Emotionen und Daten finden und transparent über ihre Ziele und Behauptungen sein. Greenwashing kann das Vertrauen der Verbraucher untergraben und die Glaubwürdigkeit tatsächlich nachhaltiger Produkte schädigen. Transparenz und Ehrlichkeit sind entscheidend, um Vertrauen in der Branche aufzubauen und zu erhalten. Fortschritte im Markt für biobasierte Beschichtungen erfolgen oft in kleinen Schritten, aber diese schrittweisen Verbesserungen sind entscheidend für den langfristigen Erfolg. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung und transparente Kommunikation kann die Branche eine nachhaltigere Zukunft gestalten.