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„Bio-basierte Rohstoffe haben nicht unbedingt einen besseren PCF“

Bio-basiert ist nicht automatisch besser für die CO₂-Bilanz: Dr. Toine Biemans von Worlée Chemie erklärt, warum nachhaltige Rohstoffe für Beschichtungen differenziert bewertet werden müssen – und wo die größten Chancen für fossilfreie Alternativen liegen.

Dr. Toine Biemans, Worlée Chemie, setzt auf nachhaltige Rohstoffe mit möglichst geringem CO₂-Fußabdruck. Quelle: lovelyday12 - stock.adobe.com / Worlée

Wie wirken sich Verbraucherwünsche nach umweltfreundlichen Beschichtungen auf die F&E im Bereich bio-basierter Beschichtungen aus?

Dr. Toine Biemans: Bis vor Kurzem waren umweltfreundliche Beschichtungen mehr oder weniger gleichbedeutend mit dem Einsatz bio-basierter Inhaltsstoffe. Mittlerweile fragen jedoch einige Kunden zusätzlich nach Daten zum CO₂-Fußabdruck. Und dabei zeigt sich: Bio-basierte Rohstoffe haben nicht unbedingt eine bessere CO₂-Bilanz – zumindest nicht bei einer Cradle-to-Gate-Betrachtung und ohne die biogene Speicherung von CO₂ zu berücksichtigen. Das führt potenziell dazu, dass sich die Entwicklung umweltfreundlicher Beschichtungsharze in zwei Richtungen aufteilt: in bio-basierte sowie in Harze mit besonders niedrigem PCF.

Was sind die größten Herausforderungen für die F&E in diesem Bereich?

Biemans: Die Herausforderung besteht darin, alle Kundenwünsche zu erfüllen, ohne unser Produktportfolio exponentiell zu erweitern. Das gelingt uns, indem wir PCF-Aspekte schon in der Produktentwicklung berücksichtigen und eng mit unseren Lieferanten zusammenarbeiten, um Rohstoffe zu finden, die sowohl bio-basiert sind als auch zu einem niedrigen PCF beitragen.

Wo sehen Sie den größten Bedarf und die größten Chancen für künftige Entwicklungsarbeit?

Biemans: Alkydharze haben einen hohen Bio-Anteil, da sie auf pflanzlichen Ölen basieren. Wir haben schon vor einiger Zeit die Chance erkannt, diese Öle durch nachhaltiger angebaute Öle zu ersetzen, was den PCF reduziert. Die nachhaltige Harzentwicklung kann von weiteren solchen Ansätzen profitieren. Einer der größten Bedarfe besteht darin, fossile aromatische Komponenten wie Phthalsäureanhydrid durch nachhaltigere, bio-basierte Substanzen zu ersetzen. Glücklicherweise haben wir bald marktreife Kooperationen, um genau dieses Thema anzugehen.