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Interview: Zukunft der wasserbasierten Beschichtungen bis 2030

Thomas Bernhofer, Technical Service Manager Coatings bei Synthomer, hat mit unserer FARBE UND LACK-Redakteurin Bettina Hoffmann über die neuesten Trends und Herausforderungen im Bereich der wasserbasierten Beschichtungen gesprochen. In diesem Gespräch gibt er Einblicke in technologische Innovationen und die Auswirkungen regulatorischer Änderungen auf die Branche.
Neues Nanomaterial: g-C₃N₄@PPy-Nanosheets bieten aktiven und passiven Schutz für Metallsubstrate. Quelle: Kanisorn - adobe.stock.com

Welche bedeutenden Entwicklungen erwarten Sie bei wasserbasierten Beschichtungen bis 2030?

Thomas Bernhofer: Synthomer ist im Bereich der Bindemitteltechnologie für wässrige Beschichtungen in den Segmenten Bautenanstrichmittel (Innen- und Außenanstriche, Fassadenfarben) und Industrielacke (Holz und Metall) tätig. Wir erwarten in diesen Segmenten bis 2030 ein erhebliches Wachstum, das von den folgenden globalen Trends angetrieben wird:
VOC-Reduzierung: Obwohl in der Vergangenheit durch lösungsmittelfreie Innenfarben eine gewisse VOC-Reduzierung erreicht wurde, hält der Trend an. Ihm wird durch Bindemittel mit niedrigem MFFT-Gehalt Rechnung getragen, selbst bei Anwendungen, die eine höhere Härte und Blockfestigkeit erfordern. Um die etwas widersprüchlichen Eigenschaften von niedriger MFFT und hoher Härte zu erreichen, werden mehrphasige Bindemittel und Vernetzungen eingesetzt.

Quelle: Synthomer


Funktionalitäten: Die Anforderungen an wässrige Bindemitteln steigen. Wir reagieren darauf mit verbesserten Funktionalitäten bei den mechanischen Eigenschaften, der Chemikalienbeständigkeit und der Anwendungsfreundlichkeit Nachhaltigkeit: Der Markt verlangt nach Bindemitteln mit einem reduzierten Product Carbon Footprint (PCF), und wir bieten derzeit ISCC+-zertifizierte Produkte mit Massenbilanz (bio, bio-zirkulär und zirkulär) an. Unsere Kund:innen nutzen so die Vorteile von biogenem Kohlenstoff und die daraus resultierende Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. Darüber hinaus bieten wir teilweise erneuerbare C14-Rohstoffe sowie eine verlängerte Lebensdauer für Außenbeschichtungen durch verbesserte Haltbarkeit an. Dies verringert auch den CO2-Fußabdruck der Produkte. Wir beobachten auch eine steigende Nachfrage nach dem Ersatz von lösemittelhaltigen Beschichtungen durch wasserbasierte Beschichtungen, da dies den Kohlenstoff-Fußabdruck unserer Kund:innen aufgrund der VOCs in Lösemittelsystemen reduziert.

Welche regulatorischen Hindernisse und externen Faktoren könnten den Fortschritt von wasserbasierten Systemen beschleunigen?

Bernhofer: Hier verzeichnen wir die größte Auswirkung im Bereich der Biozide (BPR). Unserer Ansicht nach ist die Verfügbarkeit einer zuverlässigen, lang anhaltenden Konservierung in der Dose der Schlüssel für Beschichtungen auf Wasserbasis. Leider ist der aus dem Segment der Wandfarben bekannte Ansatz eines hohen pH-Werts für einige wässrige Beschichtungen, z. B. für wässrige Fassadenfarben, nicht geeignet. In jüngster Zeit sind andere Klassen von Rohstoffen für wässrige Beschichtungen in den Blickpunkt gerückt, wie Koaleszenzmittel (z. B. Butylglykol) oder Additive (z. B. PFAS und DPOS). Einige Vernetzungsmittel wie Benzophenon, Isocyanate und ADH werden ebenfalls eingeschränkt.

Die Eliminierung oder der Ersatz von Rohstoffen erfordert einen hohen Aufwand an Neuformulierung auf Kund:innenseite, und schlimmer noch, die Ersatzstoffe haben nicht immer die gleiche Leistung. Andererseits könnten weitere regulatorische Beschränkungen für VOC im Allgemeinen oder für die Verwendung von Produkten auf Lösungsmittelbasis nur durch Fachleute den Fortschritt beschleunigen. Externe Faktoren, die die Entwicklung von Systemen auf Wasserbasis beschleunigen könnten, sind die Verfügbarkeit von erneuerbaren C14-basierten Rohstoffen in ausreichender Menge und zu erschwinglichen Preisen.