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Biobasierte Rohstoffe: Das indische Modell
Indien treibt die Entwicklung biobasierter Rohstoffe durch gezielte politische Maßnahmen und innovative Ansätze voran. Sangeeta Srivastava, Executive Director bei Godavari Biorefineries, erläutert, wie ethanolbasierte Wertschöpfungsketten genutzt werden, um nachhaltige Zwischenprodukte für die Lack- und Beschichtungsindustrie herzustellen und dabei Rückverfolgbarkeit sowie Ressourceneffizienz sicherzustellen.
Wie fördert Indien verantwortungsvoll erzeugte biobasierte Rohstoffe?

Sangeeta Srivastava: Die aktuellen geopolitischen Spannungen zwingen die globale chemische Wertschöpfungskette dazu, ihre Abhängigkeit von biobasierten Rohstoffen für Kraftstoffe und Chemikalien neu zu bewerten. Indien, der weltweit drittgrößte Ethanolproduzent, ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie eine vorausschauende Politik diese biobasierte Transformation vorantreibt. Durch die schrittweise Erhöhung der Beimischungsziele für Bioethanol auf bis zu 30 % im Kraftstoffbereich hat die Regierung die notwendige Nachfrage geschaffen, damit die Industrie eine echte kommerzielle Größenordnung erreichen kann.
Bei Godavari Biorefineries haben wir auf dieser Grundlage durch gezielte Forschung und skalierbare Rohstoffinnovationen aufgebaut. Mithilfe von verantwortungsvoll angebautem Zuckerrohr wandeln wir Bioethanol in höherwertige, nachhaltige Zwischenprodukte wie Bio-Butanol um – einen wichtigen Baustein für die nächste Generation nachhaltigerer Beschichtungen und Acrylate.
Entscheidend ist dabei, dass wir die Versorgung bereits an der Basis absichern. Durch die direkte Zusammenarbeit mit Kleinbauern stärken wir Arbeitsrechte und soziale Bedingungen, setzen moderne Agrartechnologien und regenerative Anbaumethoden ein, um die Bodengesundheit zu verbessern und die Erträge zu steigern. Diese kontinuierliche Innovation und gemeinsame Entwicklung auf landwirtschaftlicher Ebene stellt sicher, dass Produktivitätssteigerungen die Ernährungssicherheit nicht gefährden. So entstehen skalierbare Rohstoffe, die nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurrieren und die globale Materialwissenschaft unterstützen.
Welche Herausforderungen bestehen weiterhin bei der Skalierung nachhaltiger biobasierter Rohstoffe?
Srivastava: Die Skalierung nachhaltiger biobasierter Rohstoffe eröffnet Chancen, das gesamte System weiter zu optimieren. Da die Verfügbarkeit der Rohstoffe saisonabhängig ist, betrachten wir dies als Antrieb für kontinuierliche Innovation. Um saisonale Schwankungen auszugleichen und eine verlässliche Lieferkette sicherzustellen, ist unser integriertes Bioraffinerie-Modell auf maximale betriebliche Flexibilität ausgelegt.
Darüber hinaus konzentriert sich unsere direkte Zusammenarbeit mit Kleinbauern im Bereich der regenerativen Landwirtschaft stark auf Ressourceneffizienz. Wasser- und Flächennutzung werden erheblich optimiert, sodass die Erträge steigen können, ohne lokale Ökosysteme zusätzlich zu belasten. Dennoch erfordert eine breitere Marktakzeptanz absolutes Vertrauen, weshalb Zertifizierungs- und Rückverfolgbarkeitssysteme weiterentwickelt werden, um diesem Bedarf gerecht zu werden.
Godavari setzt sich aktiv für diese Transparenz ein. Durch das Angebot von nach Bonsucro- und USDA-Standards zertifizierten biobasierten Produkten sowie durch eine klare und überprüfbare Nachverfolgbarkeit vom Feld des Landwirts bis zum fertigen chemischen Zwischenprodukt liefern wir die belastbaren Daten für Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessment, LCA), die Markenhersteller verlangen. Die Rückverfolgbarkeit vom Feld bis zur Fabrik schafft Vertrauen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und reduziert aktiv die Risiken beim Übergang zu nachhaltigen Materialien.
Welche Vorteile bieten ethanolbasierte biobasierte Zwischenprodukte für die Beschichtungsindustrie?
Srivastava: Die Entwicklung ethanolbasierter Wertschöpfungsketten ermöglicht und beschleunigt die Herstellung höherwertiger biobasierter Zwischenprodukte. Langfristig bieten biobasierte Derivate wie Bio-Butanol eine besser vorhersehbare Kostenbasis als petrochemische Rohstoffe, die den Schwankungen der Rohölpreise ausgesetzt sind. Dadurch entsteht eine starke Grundlage für skalierbare und wettbewerbsfähige Lösungen.
Lesetipp
Dieses Interview ist Teil einer zweiteiligen Interview-Serie. Wir haben auch mit Julie Haevermans, Vice President Marketing, Coating Solutions, und Richard Jenkins, Senior Vice President, Coating Solutions, von Arkema gesprochen. Die Beiden geben Einblicke, wie Branchenkooperationen, regionale Prioritäten und Lieferkettenentwicklungen biobasierte Technologien prägen.
Veranstaltungstipp
Die European Coatings Sustainable Coatings Conference, die am 3. und 4. November in Amsterdam (Niederlande) stattfindet, bietet praxisnahe Einblicke in CO₂-arme Technologien, Ansätze der Kreislaufwirtschaft, biobasierte und wasserbasierte Systeme sowie robuste Bewertungsmethoden wie Lebenszyklusanalysen (LCA) und Massenbilanzierung. Teilnehmer erfahren, wie die Branche auf regulatorischen Druck, Kundenerwartungen und Materialengpässe reagiert und wie Nachhaltigkeit zu einem Wettbewerbsvorteil werden kann.