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Effektpigmente: „Der Preis ist häufig das entscheidende Kriterium am Markt“

GNMI hat das Pigmentgeschäft von Merck Surface Solutions erworben und unter dem neuen Namen Susonity gebündelt. Im Gespräch erläutert Michael Weiden, Global Head of Commercial des umfirmierten Unternehmens, welche Ziele die Integration verfolgt, welche Rolle Deutschland spielt und wie das Unternehmen Nachhaltigkeit praktisch umsetzt.

Michael Weiden, Global Head of Commercial bei Susonity, über die Integration des Pigmentgeschäfts von Merck Surface Solutions und die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Quelle: orang - stock.adobe.com / Susonity

Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit dieser Integration und welche Bedeutung hat sie speziell für den Markt der Effektpigmente in der Farben- und Lackindustrie?

Michael Weiden: GNMI will seinen globalen Footprint ausbauen und direkte Präsenz in allen großen Märkten schaffen – mit eigenen Teams in Landessprache und Landeskultur. Susonity, zuvor Merck Surface Solutions, bringt hierbei eine führende Position bei Effektpigmenten ein, besonders im Segment Farben und Lacke, aber auch in Kosmetik. Die Akquisition ist in jeder Hinsicht komplementär, mit geringen Überschneidungen bei Produkten und Organisation.

Wird sich durch die Übernahme an den Produktionsstandorten etwas ändern?

Weiden: Nein, die Versorgung bleibt bestehen. Die wichtigsten Werke liegen in Gernsheim (DE), Onahama (JP) und Savannah (USA). Für Gernsheim gilt eine Bestandsgarantie bis 2032, sowohl für das Werk als auch für die Belegschaft. Dieser Schritt unterstreicht die Absicht, Stabilität zu sichern, statt Kapazitäten zu konsolidieren.


Lesetipp: Effektpigmente

Das Buch „Spezielle Effektpigmente“ von Gerhard Pfaff gibt Interessierten einen schnellen und konzentrierten Überblick in dieses zukunftsträchtige Fachgebiet. Es werden ausführlich Metalloxid-Glimmerpigmente, innovative Effektpigmente, aber auch klassische Perlglanzpigmente behandelt. Wichtige Eigenschaften, Herstellungsverfahren und Einsatzmöglichkeiten werden dargestellt. Praktische Anwendungsbeispiele der Merck KGaA ergänzen das Werk.


Welche nächsten strategischen Schritte stehen an?

Weiden: Zunächst wurden nach dem Merck-Ausstieg eigene Systeme aufgebaut. Das neue ERP ist seit kurzem live und läuft stabil. Mittelfristig steht die Erweiterung des Portfolios auf der Agenda, konkrete Detaildiskussionen starten jedoch erst.

Welche Bedeutung hat der deutsche Standort Gernsheim für die weitere Entwicklung von Susonity?

Weiden: Deutschland bleibt Zentrum für Forschung und Anwendungstechnik. Die Labore sind vom Merck-Gelände in den Industriepark Höchst umgezogen – mit deutlich mehr Fläche und spürbaren Investitionen in neues Equipment, wie unter anderem Spritzkabinen oder Extruder.

Sind weitere Investitionen am Standort Deutschland geplant?

Weiden: Neben dem Laboraufbau ist vieles noch zu früh zu bewerten. Die Produktion von Effektpigmenten ist energieintensiv, und angesichts der aktuellen Energiepreise ist zusätzliche Fertigung in Deutschland somit herausfordernd.

Wie ordnen Sie die Rolle Europas im Vergleich zu Asien und Nordamerika für Ihre Aktivitäten ein?

Weiden: Die Region Europa ist aktuell noch unser größter Markt, wird aber nicht als Wachstumstreiber gesehen. Das stärkste Wachstum erwarten wir in der Region Asien. Auch in Nordamerika ist es etwas stärker als in Europa. Asien dürfte Europa binnen fünf Jahren überholen.


Lesetipp: Metalleffekt-Pigmente

Das Fachbuch „Metalleffekt-Pigmente“ bietet komprimiertes Fachwissen über den Einsatz dieser Pigmente in den unterschiedlichsten Bereichen. Sei es bei Küchenmöbeln, bei Bekleidungsstücken oder bei Verzierungen auf Nahrungsmitteln. Die Autoren liefern einen umfassenden Überblick über Herstellungsverfahren, Eigenschaften bis hin zu den vielfältigen Anwendungsbereichen dieser besonderen Pigmente. Erweitert wurde die 2. Auflage um die Themen Energiemanagement, Wandfarben mit Wohlfühleffekt, funktionalisierte Textilien und Leitfähigkeitspigmente.


Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema. Wo sehen Sie die größten Chancen?

Weiden: Es fehlt teils an klaren Definitionen, was nachhaltige Pigmentlösungen genau heißt. Wir setzen auf nachverfolgbare Rohstoffquellen, zum Beispiel Mica aus kontrollierter Mine oder Titan aus verifizierten Quellen. Wir bauen die Stromversorgung unter anderem über Solar aus und profitieren in der Gruppe von grünem Strom bei der Produktion in China. Zugleich bleibt aber der Preis häufig das entscheidende Kriterium am Markt.

Welchen zusätzlichen Nutzen bringt die Integration für Susonity selbst?

Weiden: Kurzfristig bringt die Integration Stabilität, mittelfristig Potenzial. GNMI ist sehr kosteneffizient in der Produktion – das ergänzt unsere Stärke bei anspruchsvollen Spezialitäten. Zudem eröffnet das gemeinsame Portfolio neue Segmente, zum Beispiel in Kunststoffen. Für den Bereich Farben und Lacke wird es dagegen nur marginale Auswirkungen haben.

Dieses Interview führte Damir Gagro.