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Steigende Nachfrage nach wasserbasierten Beschichtungen – So reagiert die Branche

Marcel Meeuwisse, TBD Manager Architectural & Construction EMEA bei Allnex, erklärt, in welchen Märkten wasserbasierte Beschichtungen zunehmen und welche Chancen und Herausforderungen strengere Biozidvorschriften mit sich bringen.

Marcel Meeuwisse erklärt, warum wasserbasierte Beschichtungen in vielen Märkten wachsen und welche Rolle strengere Biozidvorschriften spielen. Source: qimono - Pixabay

Welche Märkte setzen vor allem auf wasserbasierte Beschichtungen (außer Architektur), und welche werden künftig stärker auf wasserbasierte Systeme umstellen?

Marcel Meeuwisse: Wasserbasierte Beschichtungen haben sich in mehreren Märkten stark durchgesetzt – dank niedriger VOC-Emissionen, geringerer Umweltbelastung und generell sichererem Profil. Sie dominieren den Innen- und Außenbereich im architektonischen Sektor, sowohl im Wohn- als auch im Gewerbebau.
Technologische Entwicklungen und regulatorischer Druck haben zudem zu einer Verlagerung hin zu wasserbasierten Systemen im Autoreparaturbereich und bei industriellen Holzbeschichtungen geführt. Im Bereich der Schutzbeschichtungen werden sie zunehmend für den Korrosionsschutz in der Infrastruktur eingesetzt, auch wenn lösemittelbasierte Systeme hier noch einen großen Anteil haben. Ihr Wachstum wird nicht nur mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht – bestimmte Leistungsmerkmale wie Blockfestigkeit, natürliche Optik und niedrige Viskosität haben ihre Nutzung auch in Märkten wie Holzverarbeitung, Küchenutensilien, Möbel, allgemeine Industrie und Kleinverpackungen vorangetrieben. Ein starkes Wachstum wasserbasierter Beschichtungen wird in der Automobil-Erstausrüstung erwartet, wo Hersteller zunehmend auf wasserbasierte Systeme setzen, um Nachhaltigkeits- und Leistungsziele zu erreichen.

Werden sich aus den strengeren Biozidvorschriften Probleme oder Chancen ergeben?

Meeuwisse: Die sich verschärfenden Biozidvorschriften könnten das weitere Wachstum und die Verbreitung wasserbasierter Systeme beeinflussen. Biozide in wasserbasierten Beschichtungen sind entscheidend, um mikrobielle Kontamination zu verhindern und die Lagerfähigkeit zu verlängern. Strengere Vorschriften in der EU und Nordamerika – wie REACH und BPR – begrenzen jedoch die Arten und Konzentrationen zulässiger Biozide.
Das erhöht die Komplexität in der Formulierung und könnte zu höheren Produktions- oder Rohstoffkosten sowie zu kürzeren Lagerzeiten führen, wenn keine sicheren Alternativen entwickelt werden. Innovation wird daher entscheidend für die weitere Expansion wasserbasierter Beschichtungen sein.
Heute arbeiten Hersteller an Systemen mit geringem Biozidgehalt oder ganz ohne Biozide, stoßen dabei jedoch auf technologische Hürden. Kurzfristig könnten die Vorschriften das Marktwachstum bremsen, langfristig jedoch zu nachhaltigeren und sichereren wasserbasierten Beschichtungen führen. Ein ideales Ziel ist es, die Beschichtungen zu schützen und gleichzeitig die Hygiene- und Verwendungsvorgaben der Chemie- und Hygieneindustrie einzuhalten. Technologien, die weniger anfällig für mikrobielle Belastung sind und eine geringere Umweltbelastung haben, könnten ihren Marktanteil weiter ausbauen. Beispiele sind wasserbasierte Systeme mit keinem oder geringem Biozidgehalt für Anwendungen in Küchenmöbeln und Bodenbelägen.