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Interview: IGSB – Netzwerk für den passiven Brandschutz

Dr. Sebastian Moschel, Clariant, neu gewählter Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Brandschutz-Beschichtungen (IGSB), erläutert im Gespräch mit FARBE UND LACK die Bedeutung des passiven Brandschutzes und aktuelle Herausforderungen der Branche. Das Interview führte Kirsten Wrede.

Passiver Brandschutz: Sebastian Moschel gibt Einblicke in Trends und Herausforderungen der Branche. Quelle: Jorda - stock.adobe.com / Clariant

Herr Dr. Moschel, wie sind Sie persönlich zum Thema Brandschutz gekommen? 

Dr. Sebastian Moschel: Ich habe meine Karriere in der Lackindustrie begonnen, im Korrosionsschutz für den Automobilbereich mit der Entwicklung zinkbasierter Lacke für Motorraumbauteile. Irgendwann war ich es leid, täglich auf verrostete Schrauben zu schauen und habe mich bei einem Hersteller von Brandschutzmitteln beworben. Mich reizte der Gedanke, dass Prüfungen hier schneller ablaufen als Korrosionstests und es spannender sein könnte, wenn Materialien unter Feuereinwirkung getestet werden. Vor zwei Jahren bin ich zu Clariant gewechselt. Die IGSB begleite ich schon länger, zunächst mit meinem vorherigen Arbeitgeber, und bei Clariant wurde ich nun von meinen Kolleg:inen zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. 

Die IGSB versteht sich als Kompetenzzentrum für passiven Brandschutz. Was bedeutet das genau? 

Moschel: Passiver Brandschutz unterscheidet sich vom aktiven Brandschutz wie Sprinkleranlagen dadurch, dass er inhärent wirkt, also aus einer chemischen Reaktion heraus. Wir fokussieren uns besonders auf Brandschutzbeschichtungen, die auf einer Intumeszenzreaktion beruhen. Bei Hitzeeinwirkung schäumt eine nur wenige Millimeter dicke Schicht auf mehrere Zentimeter auf. Dieser Schaum isoliert das Substrat gegen die Hitze und verhindert die Flammausbreitung oder verlangsamt das Aufheizen von Stahl. Dadurch gewinnt man wertvolle Zeit für Evakuierungen oder bis die Feuerwehr eintrifft. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber aktiven Systemen ist der geringere Wartungsaufwand.  

Welche Unternehmen sind in der IGSB organisiert? 

Moschel: Unsere Interessengemeinschaft zählt derzeit elf Mitglieder, hauptsächlich Hersteller von intumeszierenden Farben. Dazu gehören internationale Konzerne, aber auch spezialisierte Mittelständler. Ergänzt wird dieser Kreis durch Rohstoffhersteller – Bindemittelhersteller, Flammschutzmittelhersteller wie wir selbst und Additivhersteller. Diese Unternehmen haben sich 2012 zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Technologie bekannter zu machen, besonders bei den relevanten Zielgruppen wie Bauingenieur:innen, Planer:innen und Architekt:innen. Wir wollen den Markt fördern und gleichzeitig die Sicherheit im Baugewerbe verbessern. 

Mit welchen Herausforderungen kämpft die Brandschutzbeschichtungsindustrie aktuell? 

Moschel: Eine große Herausforderung in Europa betrifft Melamin, einen essenziellen Bestandteil von Brandschutzbeschichtungen, der etwa 10 % der Formulierungen ausmacht. Melamin steht im Fokus der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki. Hier engagieren wir uns, um aufzuklären und wichtige Argumente zu platzieren. Zudem gibt es Herausforderungen bei nationalen Zulassungen, besonders in Deutschland, wo das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin zuständig ist. Die langen Bearbeitungszeiten hemmen Innovationen – neue Produkte, die im europäischen Ausland bereits eingesetzt werden können, warten hier noch auf Zulassung. Die Brandschutzbeschichtungsindustrie steht auch in Konkurrenz zum aktiven Brandschutz, bietet aber mehr gestalterische Freiheit. Mit Beschichtungssystemen kann man offener konstruieren und Stahlträger sichtbar lassen. 

Welche Ziele haben Sie sich als neuer Vorstandsvorsitzender gesetzt? 

Moschel: Mir ist erstmal wichtig zu sagen, dass wir als Unterstützer unserer Mitgliedsunternehmen auftreten und auch den engen Austausch mit anderen Verbänden suchen.  Zusammen mit meinen Vorstandskollegen Friederike Roth (Röhm) und Robin Rohleder (Sherwin Williams) haben wir uns zunächst das Thema Social Media vorgenommen. Wir möchten unsere Präsenz in sozialen Netzwerken verstärken, beginnend mit LinkedIn, wo wir auch unsere bald erscheinenden umfangreichen Richtlinien zum Stahlbrandschutz bewerben werden. Unser Start auf dieser Plattform war bereits vielversprechend. Inhaltlich wollen wir unseren Fokus erweitern. In den letzten Jahren lag unser Schwerpunkt stark auf dem Stahlbrandschutz, aber wir möchten uns auch anderen Substraten zuwenden. Holzbrandschutz sehen wir beispielsweise als großes Entwicklungsfeld.