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Interview mit Hubert Culik, Kansai Helios: Bildung und Weiterbildung als Kernanliegen
Zehn Jahre lang war Prof. Hubert Culik, Geschäftsführer von Kansai Helios Austria, Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). Mit großem Engagement setzte er sich für die Sichtbarkeit der Branche, für Nachwuchsförderung und Weiterbildung ein. Im Gespräch mit FARBE UND LACK zieht Culik, der weiterhin Leiter der FCIO-Untergruppe für Lacke, Anstrichmittel und Druckarben ist, eine persönliche Bilanz. Von Kirsten Wrede
Herr Culik, Sie haben für Ihre Verdienste einen ganz besonderen „Oscar“ erhalten – was hat es mit dieser Auszeichnung auf sich?
Prof. Hubert Culik: Die Idee war: Ich habe zu meinem 60-jährigen Firmenjubiläum einen „Hollywoodstern“ vor der Firma bekommen, aus Stein hergestellt. Das war eine tolle Überraschung – die Familie hat es gewusst, alle haben es gewusst, nur ich nicht. Und im Fachverband hat man dann gesagt: Wenn schon ein Stern, dann gehört auch ein „Oscar“ dazu. Ich wollte keine Gutscheine für Theater oder Oper – das bin ich nicht. Und so ist die Idee mit dem „Oscar“ entstanden. Es war eine schöne, humorvolle und sehr persönliche Geste. Die Skulptur hat man übrigens von der Adler-Werk Lackfabrik einfärben lassen, in FCIO-Blau.
Wenn Sie auf Ihre Zeit als Obmann zurückblicken – was war Ihnen fachlich und strategisch besonders wichtig?
Prof. Culik: Ich wollte die Bedeutung der Chemie mehr heben. Die Chemie hat ein schlechtes Image – das wollte ich verbessern. Ich wollte zeigen, dass wir eine sichere Branche sind. Und ich wollte, dass wir eine klare Stimme haben. Deshalb habe ich mich stark für Präsenz in der Öffentlichkeit eingesetzt. Wir haben jedes Jahr eine dicke Beilage in der größten Tageszeitung in Österreich gemacht, um Chemiethemen verständlich zu erklären. Wir haben ein großes Symposium etabliert, bei dem wir über Innovation, Chemikalienrecht und andere aktuelle Themen gesprochen haben. Und ich habe betont, wie wichtig die Chemie in praktisch allen Industrieprozessen ist – und auch im Kampf gegen den Klimawandel.
Ein ungewöhnlicher Weg zur Imagepflege war das Chemie-Quiz im Fernsehen. Wie kam es dazu?
Prof. Culik: Wir haben einen Chemie-Quiz im Fernsehen auf Puls 4 gestartet. Da treten jede Woche drei Kandidat:innen – meist Studierende – gegeneinander an. Die Sieger:innen aus den Vorrunden kommen in eine große Live-Finalshow in der Marxhalle in Wien. Der Hauptpreis war zum Beispiel eine Reise in die USA. Am Anfang haben viele gesagt: ‚Das interessiert eh keinen.‘ Aber die Resonanz war riesig – wir hatten eine sehr gute Beteiligung und viel positives Feedback aus der Öffentlichkeit. Es hat mich besonders gefreut, dass wir junge Menschen über dieses Format für Chemie gewinnen konnten.
Auch der Smart Surface Summit ist ein Projekt, das Sie mit aufgebaut haben – was macht ihn so wichtig?
Prof. Culik: Das ist mir ganz wichtig – das war immer mein Baby: der Smart Surface Summit. Wir veranstalten es in diesem Jahr wieder in der Wiener Neustadt mit Unterstützung des Landes Niederösterreich. Es ist ein ganztägiger Vortragstag zur Oberflächenchemie mit 16 Vorträgen und zwei hochkarätigen Keynotes – ein Referent kommt vom Umweltministerium, der andere war Wissenschaftler des Jahres in Österreich. Im letzten Jahr hatten wir 150 Teilnehmende. Wir sind ein kleines Team von vier Leuten, die das Event organisieren, Sponsoren gewinnen und das Ganze stemmen.
Was möchten Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben – und was wünschen Sie der Branche?
Prof. Culik: Was ich ihm mitgebe, ist: Zuhören – wirklich zuhören, abwägen und dann Entscheidungen treffen. Und ich bin sicher, dass er auch diesen Weg weitergeht, den wir eingeschlagen haben: Bildung und Weiterbildung als Kernanliegen. Nur so erreichen wir die Jugend, nur so verbessern wir das Verständnis für die Chemie. Mein Nachfolger, Ulrich Wieltsch, kommt aus dem Pharmabereich, aber auch die Lackbranche ist im neuen Präsidium wieder vertreten. Das freut mich sehr. Denn egal ob groß oder klein – wichtig ist, dass man aktiv mitgestaltet.