Was zählt Tradition?

Montag, 11. Januar 2016 | Veröffentlicht von: Sonja Specks, FARBE UND LACK

Nachdem ich ganz traditionell das neue Jahr mit Silvesterkrachern begrüßt hatte, fuhr ich durch den schneebedeckten Osten einer der ältesten deutschen Lackfabriken. Sie steht in Niesky, Sachsen.

Dort habe ich den Geschäftsführer Christian Weiske für ein "Lack und Leben" interviewt (in der Februarausgabe der FARBE UND LACK zu lesen). 225 Jahre schon ist diese Firma registriert. Es gibt viele andere Lackfirmen, die mehrere Generationen erlebt haben. Alle blicken auf eine lange Tradition zurück. Ob es nun Familienbetriebe sind oder schon lange am Markt etablierte Firmen, die über Institutionen oder andere Träger existieren.
Ich verbinde mit Tradition Stolz, Geschichte, Beständigkeit, Brauchtum, Gewohnheit, Vermächtnis. Wie so Vieles kann es eine Bürde oder ein Geschenk sein.

Meine Zerrissenheit mit dem Thema Tradition

Ich bin hin und her gerissen bei dem Thema Tradition. Ich habe das Gefühl, dass diesen Firmen aufgrund ihrer langen Historie mehr Vertrauen geschenkt wird. Sie sind verlässlich, scheinen die Höhen und Tiefen der Wirtschaft und der Technologien miterlebt zu haben. Sie geben einem das Gefühl, dass sie einen hohen Grad an Erfahrung in diesen Themen bereithalten. Aber ist dem so? Ist nicht die neue Zeit viel schnelllebiger, regulierter, fordernder? Oder wiederholt sich Geschichte, so dass aus dem Erfahrungsschatz geschöpft werden kann?

Makel oder clevere Vermarktung historischer Werte?

Hat Tradition nicht auch den Makel des Angestaubten, Althergebrachten? Nur weil das Firmenlogo regelmäßig eine Auffrischung erhält, heißt das noch längst nicht, dass interne Abläufe ebenfalls neu sind, geschweige denn die Herangehensweise an neue Anforderungen. Manch andere traditionelle Firma ist stolz darauf, zwar eine lange Geschichte aufzuweisen, aber noch stolzer sich neuen Märkten geöffnet zu haben - womit aber genau der Fakt Erfahrung geschmälert wird. Dann wäre die Tradition nur reine Augenwischerei oder doch ein Beleg für die Cleverness sich anpassen zu können?

Wie setzt man Tradition profitabel ein?

Naja und selbst wenn es all diese Tradition gibt und sie noch so positiv besetzt sein mag: Wie kann der aktuelle Manager denn von all der Traditionserfahrung von und für seine Firma profitieren? 
Das Aushängeschild Tradition jedenfalls lässt mich aufhorchen und ich warte immer auf die praktische Auslegung. Ich glaube außer dem Gefühl der Mitarbeiter einer historisch gewachsenen Firma anzugehören, ist Tradition im Geschäftsleben kein Trumpf, aber auch kein Makel. Oder wie häufig hören Sie vom Argument "Tradition" in Ihren Geschäftsgesprächen?

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