„Green Marketing“ – nur ein Schlagwort?

Donnerstag, 14. Januar 2016 | Veröffentlicht von: Kirsten Wrede, FARBE UND LACK

"Green Marketing" – das Schlagwort klingt gut. Es klingt nach Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, das Richtige tun. Beim Sammeln von Themenideen für die Messezeitung der American Coatings Show 2016 kam die Idee auf, dieses Thema näher zu beleuchten. Diesen Vorschlag habe ich gerne aufgegriffen.

Dann aber stellte ich mir die Frage: Was genau ist das eigentlich – "Green Marketing"? Wenn ich den Begriff in die Internet-Suchmaschine eingebe, erscheint sofort dieser Wikipedia-Eintrag: "Green marketing is the marketing of products that are presumed to be environmentally preferable to others” – also das Vermarkten von Produkten, von denen man ausgeht, dass sie unter umwelttechnischen Gesichtspunkten anderen vorzuziehen sind.

Umstrittener Ansatz

 Die Wirtschaftsprüfer von PwC betonen, dass der Marketingansatz des "Green Marketing" umstritten ist. So führten die Befürworter zu Felde, dass das Kaufverhalten der Konsumenten sich geändert hat und verstärkt nachhaltige (ein weiteres Schlagwort, das seit Jahren diskutiert und hinterfragt wird und für das es nach wie vor keine gemeingültige Definition gibt) Produkte gefragt sind. Diese Käuferschicht sei auch offen für "Green Marketing"-Maßnahmen.

Kritiker hingegen meinten, dass die Mehrheit der Konsumenten nicht davon überzeugt sei, dass "grüne" Produkte qualitativ genauso gut sind wie konventionelle; außerdem hätten umweltfreundliche Produkte den Ruf, teurer als ihre herkömmlichen Pendants zu sein.

Insofern scheint noch nicht wirklich klar zu sein, was "grünes" Marketing bewirken kann.

Typische Merkmale

Wobei, was sind denn eigentlich die typischen Merkmale dieser grünen Vermarktungsstrategie? Mir fallen auf Anhieb Begriffe wie erneuerbare Rohstoffe und Produktionsprozesse, kurze Lieferwege, Einhaltung von Umweltnormen, Biosiegel, umweltfreundliche Verpackungsmaterialien, Recycling und Abfallreduzierung ein. Doch gibt es darüber hinaus noch viele andere Maßnahmen. Gehören auch soziale Aspekte wie faire Gehälter und anständige Arbeitsbedingungen dazu?

Über all dies gilt es zu informieren, denn der Konsument, Kunde, die Öffentlichkeit soll schließlich auch wissen, dass ein Unternehmen auf Umweltfreundlichkeit/ Nachhaltigkeit setzt. Nachzulesen ist dies dann in Broschüren, Nachhaltigkeitsberichten, aber auch großflächigen Anzeigen in Tageszeitungen und Publikumszeitschriften. Weitere Mittel sind Fernsehspots und Radiowerbung.

Ansprüche ernst nehmen

Ich denke, wer die geänderten Kundenansprüche ernst nimmt – und das Interesse der Konsumenten (mich eingeschlossen) an verantwortungsvoll produzierten, umweltfreundlichen Produkten wächst definitiv – sollte sich diesen neuen Marketingstrategien nicht verschließen, für sich selbst festlegen, was "Green Marketing" für sein Unternehmen bedeuten kann und dann glaubwürdig und transparent versuchen, diese Aspekte umzusetzen. Die Betonung liegt auf "glaubwürdig und transparent", denn ich glaube auch, dass sich daraus eine Profilschärfung und Wettbewerbsvorteile ergeben können.

Ihre Meinung?

Was denken Sie über "Green Marketing" – alles Marketinggeschwätz, oder effektive Wettbewerbsstrategie? Wo setzen Sie derartige Maßnahmen bereits ein? Was versprechen Sie sich davon? Ich würde mich freuen, Ihre Einschätzung zu lesen. Schreiben Sie mir unter: kirsten.wrede@vincentz.net.

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