Nano an der Oberfläche

Montag, 28. Februar 2011 | Veröffentlicht von: Michael Bross, VdL e.V.

2011 ist das internationale Jahr der Chemie. Anfang Februar fiel der Startschuss für Deutschland, abgefeuert von der Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich. Bei dem Festevent in Berlin sprach die Kanzlerin auch über die verschiedenen Forschungsanstrengungen der chemischen Industrie. Interessanterweise fiel ihr zum Thema Nanotechnologie gleich der Lack ein. Ihr Wunsch für die Zukunft war eine Lackoberfläche am Auto, die wie eine große Solarzelle funktioniert, um so den Strom für die Elektromobilität zu schaffen. Damit ist das Entwicklungsziel für die Lackindustrie klar. Sollen sich die Forscher beim Entwicklungshorizont vom Jahr 2050 leiten lassen, wenn das Energiekonzept der jetzigen Bundesregierung voll umgesetzt sein soll? Da wäre vielleicht noch Optimierungspotenzial.

Für die Lackindustrie ist es ein schöner Erfolg, wenn eine Politikerin wie Frau Dr. Merkel mit Nanotechnologie sogleich Lackoberflächen assoziiert. Das ist auch ein Lob für die kontinuierliche politische Arbeit des VdL in Sachen "Smart Coatings" und Nanolacke. Interessant war aber auch, was ein Journalist am Rande der Tagung sagte: Die Industrie solle beim Thema Nanotechnologie nicht immer auf die grüne Gentechnik verweisen. Hier gäbe es deutliche Unterschiede. Wenn man schon die Nanotechnologie mit älteren Technologien vergleichen wolle, dann sollte man die graue, weiße oder rote Gentechnik bemühen, die sich weitgehend lautlos durchgesetzt hätten. Vor allen Dingen machte der Journalist klar, dass der Einsatz von Nanotechnologie in technischen Produkten völlig unproblematisch sei, während die Bevölkerung bei Lebensmitteln und Textilien von Ängsten geplagt werde. Insofern sei die Industrie selbst daran schuld, wenn das Thema Nanotechnologie nicht mehr unumwunden positiv gesehen werde, da sie Produkte auf den Markt bringe, die von der Bevölkerung abgelehnt würden. Die Lackhersteller brauchen sich nicht vorwerfen zu lassen, dass sie gemauert haben. Lacke und Farben sind technische Produkte, und Offenheit hat die Branche in den letzten Jahren bewiesen, wenn es darum ging, über Nanotechnologie in ihren Produkte zu sprechen. Bleibt zu hoffen, dass die Lackindustrie eines nicht allzu fernen Tages eine angemessene Image-Dividende für ihre Investitionen in Vertrauen und Transparenz zurückerhält. 

Michael Bross  Geschäftsführer des VdL e.V.

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