Globale Lackindustrie: das Beste kommt noch!

Donnerstag, 12. Februar 2015 | Veröffentlicht von: Sonja Schulte, FARBE UND LACK

Ende Januar kamen die führenden Köpfe der internationalen Lackindustrie bei Coatings Summit 2015 in Miami, USA zusammen. Sie waren sich einig, dass die Lackindustrie eine attraktive Industrie mit besten Aussichten – insbesondere in den schnell wachsenden Märkten – ist und viele Chancen bietet. Endlich, dachte ich, denn seit der Krise höre ich doch immer wieder Klagen, dass die Geschäfte besser laufen könnten und man vielerorts doch noch nicht so richtig über dem Berg ist. Zurück in Deutschland traf ich in der Branche allerdings gleich wieder auf Skepsis. Manche Präsentation des Coatings Summits 2015, z.B. der Blick von Chuck Bunch, CEO von PPG auf den globalen Markt, hatte in den Unternehmen bereits Runde gemacht. Manch einer meint, dass die präsentierten Zahlen wohl doch etwas zu optimistisch sind. Wie geht´s denn nun unserer Branche wirklich?

Auch die siebte Auflage des Coatings Summits 2015 bot Führungskräften der internationalen Lackindustrie in Miami, USA die einmalige Gelegenheit sich über Strategien, Trends und Perspektiven der Branche auszutauschen. Das anderthalbtägige Programm war gespickt mit hochkarätigen Vorträgen führender international agierender Lackhersteller. Chuck Bunch, Chairman & CEO von PPG Industries brachte es im ersten Vortrag der Konferenz gleich auf den Punkt: "Die Lackindustrie ist eine attraktive Industrie, deren beste Tage noch vor ihr liegen". Über die letzten 10 Jahre wiesen fünf große Lackhersteller (PPG, Akzo Nobel, Sherwin-Williams, Valspar und RPM) eine Wachstumsrate von 9.2 % auf – die größte Rate innerhalb der Wertschöpfungskette! Auch auf den Gängen war zu vernehmen, dass die Lackbranche mit dem momentanen Geschäftserfolg zufrieden ist und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann. Ich habe allerdings den Eindruck, dass diese Meinung in der deutsch-sprachigen Lackindustrie nicht überall geteilt wird. Bei Herstellern von Automobil- und auch bei Pulverlackherstellern scheinen die Zeiten rosig zu sein. Aus Kreisen der Bautenfarbenhersteller vernehme ich aber eher getrübte Stimmung. Wobei es auch hier Hersteller gibt, denen es glänzend geht. Also eher ein uneinheitliches Bild.

Chancen allerorten

Pekka Rantamäki, CEO von Teknos gab auf der Konferenz in Miami einen Rückblick auf das Wachstum des Unternehmens. Bis etwas Mitte der 90er Jahre lag der Fokus klar auf den skandinavischen Märkten und weitete sich dann langsam in die europäischen Nachbarländer aus, um von dort nach und nach auch die schnell wachsenden Märkte zu erobern. Heute hat Teknos unter anderem auch Standorte in Indien, Russland und China. Aber nicht nur in diesen Ländern ist Wachstum in den kommenden Jahren zu erwarten. Chuck Bunch präsentierte erwartete Wachstumsraten für den Zeitraum 2013-2018. Demnach wird es Wachstum in allen Regionen geben (Asien Pacific 7%, Latein Amerika 6%, mittlerer Osten und Afrika 6%, USA und Kanada 3%, Europa 3%).

Selbstverständlich stand China auf der Agenda der Konferenz. Shuchau Cao, Geschäftsführer der Carpoly Chemical Group, mit 510 000 T Produktionsvolumen der größte chinesische Lackhersteller, gab Insider-Einblicke in den chinesischen Markt. Die lokalen Produzenten holen auf, aber es sind noch einige Herausforderungen zu meistern: die ständig strengere Gesetzgebung, die steigenden Arbeitskosen, die Integration von KMUs sowie die knappe technische Expertise. Einen weiteren Einblick in den chinesischen Markt gab Markus Kamieth, CEO von BASF Coatings. Er berichtete über Strategien und Erfolgsgeschichten und brachte es auf den Punkt: "In China ist alles möglich, aber nichts ist einfach". Sehr großes Potenzial steckt laut Kamieth im Automobil Sektor. Zurzeit besitzen 86 von 1000 Chinesen ein Auto. Im Vergleich dazu besitzen 918 US-Amerikaner von 1000 ein Auto. Das sind Welten! Aber was ist, wenn China das Level von Brasilien (176 pro 1000) erreicht? Dann würde die Anzahl an Autos um etwa 120 Millionen auf den chinesischen Straßen steigen. Tolle Aussichten!

Aber wie sind die Aussichten für Lackhersteller die sich nicht in den schnell wachsenden Märkten bewegen können, weil sie beispielswiese zu klein sind? Welche Chancen haben Sie am allgemeinen Wachstum zu partizipieren? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

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